| Datum: | | 4. Dez. 2008 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Deutsch per Gesetz (04.12.2008, S. 1) |
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Man sollte in der Tat in Deutschland auch Deutsch sprechen, aber Frau
Schwan hat wahrscheinlich recht, dass die Forderung der Union, die
deutsche Sprache ins Grundgesetz zu verankern als Fortsetung einer
aversiven Politik gegen Einwanderer anzusehen ist.
Es besteht aber ein wirtschafliches Interesse an mehr Einwanderer, so
dass diese aversive Politik eigentlich gegen die deutsche Wirtschaft
gerichtet ist.
Die Forderung von Teilen der Union zeugt aber nicht nur aus diesem Grund von einer
gewissen Ignoranz. Vielleicht sollte man erstmal einen verbindlichen
Deutschlandkenntnistest einfuehren fuer Politiker:
| 1. | Welche der folgenden Sprachen sind in Deutschland gesetzlich anerkannt?
(a) Ostfriesisch, (b) Daenisch, (c) Sorbisch, (d) Denglisch
(Sie duerfen mehrere waehlen). |
2. | Die Rede- und Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik gilt
(a) nur wenn man Deutsch spricht,
(b) unabhaengig davon, in welcher Sprache man spricht. |
3. | Das Grundprinzip bei der Bestimmung der Sprache, in welcher ein jeder
sich in diesem Land aeussern darf oder soll, basiert auf
(a) Freiheit, (b) Sozialismus. |
Vielleicht liegt das Problem aber nur darin, dass mancher Konservativer
in der Union seinerzeit im schulischen Fremdsprachenunterricht nicht so
richtig aufgepasst hatte. Fuer eine von Export abhaengige Wirtschaft
reichen aber Sprachkenntnisse auf dem Niveau von You can say you to me
nicht um Maerkte zu erschliessen.
Mit freundlichen Gruessen,
Waruno Mahdi
| Datum: | | 13. Juli 2008 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Pruefungstest: Deutschsein (13.07.2008, S. 1) |
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Jura-Professoren, zumal deutsche, sind vermutlich denkbar ungeeignet,
eine kurze aber trifftige Fragenliste zur Ergruendung des Deutschseins
eines Antragstellers zusammenzustellen. Aber mit ihrer Liste von ueber
300 Fragen stellten sie wenigstens ihr eigenes Deutschseins, oder was
sie vielleicht darunter verstehen, unter Beweis.
Nun im Ernst: Sollten denn die Deutschen wirklich so einfaeltig und
stereotyp sein, dass man sie mit einer Liste von Standardantworten
charakterisieren oder identifizieren koennte? Schon auf die folgende
Frage, die eigentlich jeder Einbuergerungswillige richtig beanworten
muesste:
Sprechen Sie Deutsch?
(a) ja; (b) yeah; (c) alhamdulillah,
waere die richtige Antwort ab eines gewissen Alters die (a), fuer
juengere Antragsteller aber vielleicht eher (b)?
Nicht viel einfacher waere festzustellen, welche Antwort richtig
und welche dem Deutschsein dennoch ueberaus konform sei, sogar
(oder gerade) bei einem so formal eindeutigen Sachverhalt wie etwa:
Was muss man unbedingt tun, wenn man in eine andere Wohnung umzieht?
(a) die neuen Nachbarn zum Kennenlern-Grillparty einladen;
(b) alle Waende neu tapezieren oder weiss streichen;
(c) sich beim Wohnanmeldeamt ummelden.
Man fuehre doch eine doppelte Umfrage unter einheimischen Laien, ein
Mal formal, ein zweites Mal bei abgeschalteten Aufzeichnungsgeraet
und mit Garantie der Anonymitaet und Vertraulichkeit.
Eine Frage, die ebenfalls mit einer Formalie verbunden ist, wuerden
viele (maennliche) Autofahrer vielleicht nur zu gern in die Liste
aufgenommen sehen:
Auf einer Verkehrsstrasse in Deutschland muss ein Auto moeglichst
(a) auf der rechten Seite fahren;
(b) sich eher links halten;
(c) das andere Rechts waehlen.
Zeugt jetzt der letzte Fragenvorschlag eher vom (a) unzureichendem, oder
(b) zureichendem Deutschsein dieses Briefschreibers?
Und wenn wir schon dabei sind: Wer ist eher eine Deutsche, Verona Pooth,
Alice Schwarzer, oder beide gleichermassen?
Fuer einen Einbuergerungswilligen ist m.E. nicht sein Deutschsein,
was immer das sein mag, sondern seine Akzeptanz unserer freiheitlich
demokratischen Grundordnung, die vor allem die Meinungsvielfalt, auch
ueber den Begriff Deutschsein, beinhaltet, von ausschlaggebender
Bedeutung (sonst koennte man sich genausogut fragen, ob eine schwarze
Hautfarbe, oder Schlitzaugen nun deutsch waere[n]).
Ergo: Sind die Professoren, die sich dazu bereit gestellt haben, jene
Fragebogen zu erstellen, denn wirklich in unsere Republik angekommen?
Mit freundlichen Gruessen,
Waruno Mahdi
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| Datum: | | 8. Juni 2008 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Moegen die Deutschen keine Kinder? (08.06.08, S. 18) |
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Ich habe zunaechst nicht reagiert. Das Problem ist ja uralt, und
irgendwann sieht man keinen Sinn mehr darin, immer wieder darueber
zu schreiben.
Jedoch, zunaechst auf die Titelfrage: Moegen die Deutschen keine
Kinder? So vage die Frage auch erscheinen mag (wie will man schon
die Deutschen interpretieren?), gibt es auf sie eine durchaus
konkrete, eindeutige Antwort. Sie lautet Doch, denn Kinder sind
die Blumen des Lebens sagt uns die urspruengliche, deutsche
sprachliche Tradition. Das ist kein Witz! Ueber die Jahrhunderte
haelt die Sprache auf dieser Weise ganz unbefangen die authentische,
spontane ungezwungene Meinung einer Sprachgemeinschaft fest.
Nun gibt is in allen Laendern Miesepeter, manchmal mehr, manchmal
weniger, Deutschland nicht ausgenommen. Zum Glueck haben wir aber
die deutsche Sprache, die uns mit Bestimmtheit bestaetigt, dass das
nicht die wahren Deutschen seien, [...].
Wir brauchen deshalb nicht von Politiker(inne)n erklaert zu bekommen,
dass Liebe zu Kindern nicht politisch verordnet werden kann. Wofuer
die Politik sorge zu tragen haette, waere dass die Gesetzeslage es
unmoeglich macht, dass ein Gericht eine Klage gegen die Nachbarschaft
einer Kita oder eines Kinderspielplatzes wegen Kinderlaermes stattgibt.
Es muss ein Gesetz her, das mit ganz wenig Paragraphen festlegt, dass
Kindergeraeusche, wie sie in Spielplaetzen und Tagesstaetten entstehen,
zu den natuerlichen Lebensgeraeuschen einer menschlichen Gemeinschaft
gehoeren, mit welchen sich jeder Buerger abzufinden hat.
Bei krankhafter Ueberempfindlichkeit hat sich ggf. die ueberempfindliche
Person weg zu ziehen, sei es mit finanzieller Unterstuetzung ihrer
Kranken- bzw. Pflegeversicherung.
Ein bereits bestehendes gegensaetzliches Urteil soll keine Rechtskraft
in Bezug auf eine an der gleichen Stelle erneut zueroeffnende
oder weitergefuehrte Kita oder Spielgelegenheit haben.
Mit anderen Woertern, die Liebe zu Kindern muss nicht der Allgemeinheit
politisch angeordnet werden, sondern den Gesetzgebern.
Mit freundlichen Gruessen,
Waruno Mahdi
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| Datum: | | 4. Juli 2006 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Polizistenprügler ... (03.07.2006 S. 8) |
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Wenn man schon meint, mit dem Finger zeigen zu müssen, sollte man
tunlichst daran denken, dass die übrigen vier auf einen selbst gerichtet
sind. Eine wichtige Eigenheit unseres Zusammenlebens ist, dass politisch
Andersdenkende nicht gleich aus der Geschichtsdarstellung auszuradieren
sind.
Das Land ist nicht auf ein Mal geändert worden. Konrad Adenauer hatte
es in der Tat verändert. Dann rückte Willy Brandt nach und brachte eine
weitere wichtige Änderung zustande. Heute erleben wir einen bisher völlig
unbekannten Deutschen auf den Fan-Meilen, und ohne beharrlichen Multi-
Kulti-Engagement der Joschkas wäre das nicht geschehen. Das muss man
ihnen einfach neidlos zugestehen.
Willkommen in Deutchland.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
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| Datum: | | 16. Juno 2006 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Hoppla - sind wir das? (16.06.2006, S. 1) |
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Na wer sagt's, wie sehr denn noch keine 10 Jahre Multikulti
unserer Leid-..., pardon, Leitkultur gut getan hat! Da toben
unsere braven Michels auf der Fan-Meile wie die Wilden, aber
noch erstaunlicher: Es ist kaum ein Pieps von irgendwelchen
Bedenkenträgern zu hören.
War zunächst in der Tat wohl sehr gewöhnungsbedürftig, denn am
ersten Tag sah ich, dass viele nicht einmal wussten, wo bei
Scharz-Rot-Gold oben sei, und wo unten.* Am Morgen des zweiten
Tages liefen bzw. fuhren nur ganz vereinzelt noch welche mit
Gold-Rot-Schwarz umher, aber gegen Abend hatten es dann alle
schon richtig.
In diesem Sinne also,
mit de..., ääh, herzlichem Gruß,
Waruno Mahdi
* Späterer Nachtrag: Im Nachhinein betrachtet war der eigentliche Grund für die umgekehrte
Farbenfolge wohl nicht Unkenntnis, sondern dass vielen die Zurschaustellung derart unverhüllten Patriotismus noch etwas peinlich
war.
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| Datum: | | 11. Januar 2004 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Pro+Contra Bundeskanzler nach D-Day-Feier Normandie (09.01.2004, S. 8) |
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Nun gut, eine so erfreueliche Nachricht ohne obligatem Bedenkenbeitrag
wäre in der Tat geradezu unanständig.
Aber im Ernst, Verlierer war das Dritte Reich, waren auch (leider) viele,
viele Deutsche. Aber nicht alle. Von Willy Brandt bis Marlene Dietrich, darunter auch
Thomas Mann & Kinder im Exil, die Wieße Rose und die Gruppe um von
Stauffenberg daheim, die unzähligen Namenlosen, die jüdische Mitmenschen
versteckt hatten, waren die denn nicht Deutsche? Und waren sie nicht
zumindest geistig in den Landebooten vor Normandie dabei?
Sie stellten damals vielleicht eine verachtete Minderheit dar, aber
spätestens als sie Willy Brandt zu ihrem Kanzler erkoren, waren sie
bereits die Mehrheit. Genau so hat er das dann auch begriffen, denn
anders wäre sein Kniefall in Warschau nicht zu begreifen gewesen.
Zugleich verkündete er damit für sie alle auch, dass sie dabei
mitnichten vor ihrer historischen Verantwortung zu drücken gedachten.
Jetzt sind wir eine Generation weiter. Genügend Zeit um festzustellen,
ob das nicht vielleicht nur eine flüchtige Laune war. Es war sie nicht.
Einen, der damals meinte, für die gute Sache mit Steinen werfen zu
müssen, haben sie jetzt zum Außenminister gemacht, und ihr populärster
Politiker ist er auch noch. Es handelt sich nicht um reine Symbolik.
Anstelle der Nation, die dereinst zwei Weltkriege vom Zaun brach, ist
jetzt ein Volk von Pazifisten, das nur mit schweren Bauchschmerzen für
einen Auslandseinsatz der Bundeswehr entscheidet.
Mit dem deutschen Bundekanzler kommt in Juni nach Normandie ein
Vertreter nicht der ehemaligen Achse, sondern der Allianz freiheitlich
demokratischer Staaten; nicht dessen Soldaten in Betonbunkern der
Normandie verschanzt waren, sondern der sie nach Bosnien und Afghanistan
zum Schutz von Frieden und Demokratie geschickt hat.
Es ist immer noch das Deutschland mit all seinen Sünden der
Vergangenheit, zugleich aber auch ein ganz anderes Deutschland, das
eben deshalb für jene Sünden gerade steht.
Aus der deutschen Teilnahme am D-Day-Feier folgt auch eine erfreuliche
kleine Randnotiz, die an Ewiggestrige gerichtet ist: spätestens jetzt
sprechen sie nicht mehr für das deutsche Vaterland, es sei denn, sie
kommen herüber auf die Seite der freiheitlichen Demokratie.
= Ein ehemaliger Ausländer, inmittels Deutscher =
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| Datum: | | 13. Februar 2002 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Der blaue Brief kommt nicht... (13.02.2002) |
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Die unerwartete Erweichung der D-Mark ist weder dieser noch
der vorherigen Regierung anzulasten, sondern ist die verständliche
Folge der Wiedervereinigung. Die Ausfüllung des Hohlraums
Ex-DDR mit D-Mark und die anschließenden Transferleistungen
war ein finanzieller Kraftakt, der viel Staunen und Respekt im
Ausland hervorrief. Bewundernswert ist, dass eine nationale
Währung soetwas überhaupt ohne Devaluierung oder ähnliches
aushielt.
Doch wenn man angst hatte, seinen starken D-Mark gegen einem
weicheren Euro einzutauschen, so kann man sich jetzt über einen
überaus günstigen Tausch freuen: schwachgewordene D-Mark
gegen starkem Euro. Ein schlechtes Gewissen sollte man deswegen
dennoch nicht haben. Der finanzielle Last der Wiedervereinigung
wird lediglich solidar auf die ganze EU umgelegt. Das Bewusstsein
hierüber lag offentsichlich den Vertretern andererer EU-Staaten
im Hinterkopf, als sie dem Brüsseler Kompromiss zustimmten.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
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| Datum: | | 15. Oktober 2000 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Ist das Volk unanständig? (15.10.00, S. 1) |
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Ist das Volk unanständig? Nein. Sonst wäre es damals nicht
Lichterketten bildend auf die Straßen gegangen. Aber damals hatte
die Wirstschaft noch nicht begriffen, dass das, was sich
vordergründig als Ausländerfeindlichkeit äußert, viel mehr
deutschlandfeindlich ist. Also durften maßgebliche Politiker noch
ungeniert das Boot für voll erklären und sich sogar über
Durchrassung entgleisen. Jetzt rufen dieselbigen das Volk
plötzlich zur Ausländerfreundlichkeit auf.
Nun tragen zwar nur die Allerwenigsten einen Doktortitel, aber
das Volk ist weder dumm noch blind. Während der großen Demonstration
gegen Ausländerfiendlichkeit hier in Berlin (Hauptredner: Richard
von Weizäcker) wurde der damalige Bundeskanzler regelrecht aus dem
Demonstrationszug herausgeekelt, weil man seine Anwesenheit für
Heuchelei hielt. Nicht allzu überraschend, also, dass das Volk sich
inzwischen nicht so leicht von Politikern entzünden läßt.
Mir scheint, es geht nicht so sehr darum, dass die Entgleisungen von
damals unmoralisch wären. Moral ist letztendlich das Quintessenz
kulturell akkumulierter Erfahrung vergangener Generationen. Die
heutige zurückhaltende Reaktion der Bevölkerung bestätigt, dass
die saloppen Sprüche von damals schlichtweg unklug waren, zumindest
aber in einem freiheitlich demokratischen Rechtsstaat unprofessionell.
Nun gibt es eine Vielzahl von lang- und kurzfristigen Maßnahmen, die
man vorschlagen könnte, aber dies würde die Länge eines Leserbriefes
sprengen, also konzentriere ich mich auf das wesentlichste:
Ausländerfeindlichkeit halte ich für eine kleinere Randerscheinung
von Menschenfeindlichkeit, und diese wiederum für eine Begleiterscheinung
zwischenmenschlicher Kälte. Da die meisten Menschen in einem jeden
Land die Einheimischen sind, sind hierzulande die Deutschen die
eigentlichen Hauptleidtragende, und zwar nicht weil man etwa Probleme
mit der Anwerbung von ausländischen Spezialisten hat.
Ich meine auch nicht Fälle, in welchen deutsche Behinderte oder Touristen
von Rechtsradikalen zusammengeschlagen werden.
Es sind die unzähligen Bittsteller, die in den Ämtern
schickaniert werden, und die Nachbarn,
die sich über ihren Maschendrahtzaun bekriegen, dass die BVG gar
Psychotherapeuten einsetzen musste, als die Mitarbeiter gehalten wurden,
freundlich mit den Passagieren umzugehen. Wir brauchen Gesetze um
einen Beamten zur persönlichen Rechenschaft zu ziehen, wenn er eine
alte Frau ohne Not von Amt zu Amt schickt, oder die es unmöglich
machen, dass die Klage eines Touristen, der sich von der Anwesenheit
von Behinderten im gleichen Hotel belästigt fühlt, stattzugegeben,
oder die einer Frau wegen des Lärms vom benachbarten Kinderspielplatz.
Das ganze zwischenmenschliche Klima muss wärmer werden.
Kurz um, die Deutschen müssen netter zueinander sein, und sich gegenseitig
besser vertragen. Dann klapt es auch mit dem (ausländischen) Nachbarn.
Eile tut Not, denn wir bewegen uns einer geeinten Europa entgegen,
und das sind ja lauter Ausländer!
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
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| Datum: | | 2. August 1998 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Wichtige Regeln der neuen Rechtschreibung (01.08.98, S. 6) |
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Vielen Dank für die übersichtliche Zusammenfassung, die in den
kommenden Tagen jedem wohl sehr von Nutzen sein wird, insbesondere
aber Zugewanderten wie mir.
Eine solch bewegende Umstellung sie betrifft ja das Grundlegendste
in der Kultur eines Volkes, seine Sprache, eben das, worin alles Übrige
formuliert ist sorgt unvermeidlich für Aufregung, und regt auch zu
allerlei Gedanken auf.
Vor ungefähr dreißig Jahren vollzog sich eine bemerkenswerte
liberalisierende Revolution in der mündlichen Sprache. Nach zwei
Jahrzehnten unter einer freiheitlich demokratischen Verfassung entschied
sich damals eine neue deutsche Generation dafür, vom alten preußischen
Kasernendiktus Abschied zu nehmen.
Nun endlich, etwas verspätet, inmitten von vor zuviel Multikulturellem
warnenden konservativen Kassandrarufen sogar, vollzieht sich fast schon
unverhofft die gleiche Revolution in der Schriftsprache. Frigidaire,
Frigidäre, Frigidär (fehlt nur noch Frischidär), das ist fast schon wie
legal, illegal, ..., na Sie erinnern sich sicherlich noch. Sie hätten
das Ganze ruhig an einer größeren Glocke hängen sollen, denn so werden
Viele im Ausland nicht wissen, wie sehr man Sie damit gratulieren muss.
Fälschlicherweise wird vielleicht von manchen eilfertig angenommen,
dass bei so viel Liberalität in der Sprachpolitik doch arg mit der
eigensten Tradition der Deutschen umgegangen wird. Jedoch dieser
Tradition ist dies alles genausowenig fremd wie der viel kritisierte
Bekenntnis zum Multikulturellen. Schließlich muss man auch da
feststellen, dass die deutsche Kultur von haus aus multikulturell
war: die Zivilisation wurde von südländischen Römern eingeführt;
die Religion - die Christliche - hatte ihre Ursprünge gar in Asien;
der Humanismus wurde der französischen Aufklärung entlehnt;
Geschäftigkeit schaute man den Hugenotten ab, usw. Und überhaupt,
was ist eigentlich Deutschsein: die Berliner Schnauze, die
hanseatische Unterkühlung, das rheinländische Gemüt, die bayrische
Großspurigkeit, die schwäbische Knauserigkeit, oder bietet eher
der Sachse oder der Hesse das geeignetere Vorbild? Die Deutschen
sind halt multikulurell, sind es auch immer schon gewesen, und
haben scheinbar die besten Erfahrungen damit gesammelt (den einen
Österreicher wollen wir jetzt mal übersehen).
Was der Tradition in der Rechtschreibung anbelangt, so zeigt ein
Blick in den 1880-er Duden sofort, wie man auch in den Gründerjahren
bereits dem orthographischen Liberalismus frönte, und es durchaus dem
Gutdünken des Jeweiligen überließ, das eine oder andere Wort entweder
mit C zu schreiben oder aber, quelle horreur, mit Z (vor E, I, Ö, Y) bzw.
mit K (sonst, außer vor K bzw. C, oder vor H).
Das bringt mich zum einzigen Punkt in der jetzigen Rechtschreibrefom,
bei dem man meines Erachtens eventuell eine glücklichere Lösung
hätte finden können. Der alte Regel, wonach ..ck.. bei der
Wortrennung beim Zeilenumbruch zu ..k-/k.. wurde, bietete von der
Logik her zwei Möglichkeiten, die C/K-Alternanz aufzuheben: man
trenne ..c-/k.. (nicht so schön), oder man schreibe auch ungetrennt
..kk.. Letzteres gilt bereits längst in Norwegisch, Holländisch und
anderen Sprachen Nordeuropas, nur nicht in der dem nationalen Spleen
verpflichteten englischen Rechtschreibung (wo allerdings ..ck-/..
oder ..c-/k.. zuläßig ist). Stattdessen nahm man einen dritten Weg,
und trennt jetzt ..-/ck.. Darauf sind nicht einmal die Engländer
gekommen. Wollen wir mal sehen, wie lang diese Lösung in Zeiten
europäscher Konvergenz stand hält... (Verdeutscht sich Zucchini
zu Zuckini oder Zukkini?).
Ansonsten wünsche ich allen viel Glück mit der rechtschreiblichen
"Multikulti".
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
(ein Linguist,
wenngleich kein Germanist)
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