| Datum: | | 18. Oktober 2011 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Banken-Rettung: Die Komplizen (18.10.2011, S. 1) |
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Wie ich bereits in meinem Leserbrief vom 03.10.2011 schrieb (zu "Martenstein: Hoch die Tassen"), sollte man vor der Pleite stehende Banken nicht retten, sondern einfach pleite gehen lassen. Nicht nur dass die Steuergelderschenkung an solchen fehlverwalteten Banken unfair ist gegenüber ihren nicht in die Pleite geführten Konkurenten, hilft es nichts, sondern wie man jetzt sieht führt lediglich zur nächsten, noch tieferen Krise.
Wertlos gewordene "Wert"-papiere kann man nicht durch noch mehr ungedeckte Wertscheine aufpäppeln.
Mit am Rande der Pleite stehenden Staaten etwa Griechenland ist das in der Tat etwas anders, aber neue Krediten oder Schuldenerlasse werden auch da nicht helfen. Also gehen die ins Auge gefassten Rettungs-Maßnahmen, sowohl für die Banken, wie auch für Griechenland, ziemlich gründlich an das Problem vorbei, und stellen keine Lösung dar.
Der Hauptgrund der finanziellen Misere Griechenlands ist ja bekannt, und liegt nicht an etwaiger "Faulheit" der Griechen, zu hohen Gehälter, usw., sondern daran, dass Großunternehmen und reiche Bürger praktisch keine Steuern zahlen.
Die Gelder werden einfach am Fiskus vorbei ins Ausland geschleust.
Die Lösung müsste also sein, bindende internationale Sperren gegen Steuerhinterziehung aufzustellen, und diese ggf. Ministaaten wie Liechtenstein, Luxemburg, Cayman Inseln usw. aufzuzwingen. Dann bräuchte man auch nicht CD-s mit illegal heruntergeladenen Bankdaten bei zwielichtigen Personen zu kaufen.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
| Datum: | | 3. Oktober 2011 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Martenstein: Hoch die Tassen (02-03.10.2011, S. 1) |
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In der Tat hat Harald Martenstein auch meiner Meinung nach völlig recht,
dass sich John Maynard Keynes starker blamiert hat als Karl Marx.
Zwar hatte Keynes insofern recht, dass der Staat sich nicht davor
zurückhalten sollte, Schulden zu machen um die Konjunktur anzukurbeln,
aber er hatte vergessen, bei Marx nachzulesen wieso.
Eine Wirtschaft funktioniert nur gewinnbringend insoweit die Einnahmen
höher sind als die Ausgaben. Unter den Bedingungen eines ausgewogenen
Ex- und Imports sowie einer ausbalancierten zwischenstaatlichen Geldbewegung
wird vereinfacht ausgedruckt die Summe aller Einnahmen derjenigen
aller Ausgaben gleichen. Wenn da Gewinn bei einigen gemacht werden soll,
wird es zwangsläufig andere geben müssen, die Verlust machen.
Damit im durchschnitt dennoch Gewinn gemacht wird, müssen irgendwo
in die Geldzirkulation zusätzliche Mittel einfließen, sei es durch private
Kreditaufnahmen, oder halt durch Verschuldung des Staates.
Es entsteht eine
dauerhafte Konjunkturspirale, indem die Privat- und Staatsverschuldung
ebenfalls spiralhaft steigt. Der Kredit von Heute wird mit dem Gewinn
von Morgen beglichen, der die Aufnahme eines größeren Kredits verursacht,
der wiederum mit dem Gewinn von Übermorgen beglichen wird, der seinerseits
.... usw., usw.
Aus verschiedenen Gründen kommt das irgendwann zum Stolpern, dann gibt es
eine Wirtschaftskrise (euphemistisch ausgedruckt: "Rezesion"), wobei es
zu einer Vielzahl von Konkursen bzw. Pleiten kommt. Das wesentliche
daran ist, dass sich im Verlauf der dauernden Konjukturspirale immer
zahlreichere und größere leere Wertblasen gebildet haben, die nunmehr platzen
müssen, damit man wieder vom Grund auf mit einer neuen Konjunkturspirale
loslegen kann.
Da sieht man jetzt wo der Fehler in den politischen Versuchen lag,
in der neuerlichen Bankenkrise die am Rande der Pleite stehenden
Banken mit Milliardenunterstützungen zu retten. Die leeren Wertblasen
hat man nicht platzen lassen. Stattdessen wurden sie nicht nur verschleiert, sondern
zum Weiterwachsen behalten. Ganz davon abgesehen, also, dass es sich
um einen einseitigen Eingriff handelte (die nicht-konkursbedrohten
Konkurenten, die offenbar besser gewirtschaftet hatten, wurden hingegen
nicht mit Milliardengeschenken bedacht), hat man das Problem gar nicht
gelöst, sondern bis zu einer noch schlimmeren Krise vertagt.
Man hätte die Pleitebanken einfach pleitegehen lassen sollen, und die
somit ersparten Milliarden eventuell dazu benutzen können, um private
Kontoinhaber abzuhelfen*) ..... Aber die Direktoren hätten ihre Boni vermisst,
während die spekulierenden Aktionäre mitsammt den Hedgefonds usw. leer
ausgegangen wären. Quelle horreur!
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
Späterer Nachtrag: Private Spar- und Girokonten
bei Banken sind im Pleitefall offenbar bis zu einer Höhe von 100.000 Euro
versichert,
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| Datum: | | 6. August 2011 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Künast auf schwierigem Terrain (05.08.2011, S. 8)
Grüne und Liberale streiten über Freiheit |
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Nicht anders als in der Auseinandersetzung zwischen Demokraten und Republikanern (inkl. Teahouse) in den Vereinigten Staaten, wird auch bei uns der Begriff Staat leider nur allzuoft mit Obrigkeitsstaat verwechselt. Dies ist eine völlig inakzeptable Verleumdung eines freiheitlich demokratischen Staates. Wer gegen die Ausübung staatlicher Gewalt insgesamt agiert ist kein Demokrat, sondern ein Anarchist.
Nun ist natürlich auch bei uns nicht alles perfekt, da kann man sich schon etwa über gelegentliche Beambtenselbstherrlichkeit ärgern. Vielleicht glauben da auch welche allen Ernstes dass das Ganze besser funktioniert bei privatisierter Eisen- und Autobahn, Post und Bundesbank, und Abschaffung von Gewerbe- und anderen Aufsichtsbehörden, inkl. Kartellamt. Aber spätestens bei der Abschaffung oder Privatisierung der Polizei und Justiz wird ihnen klar sein, dass keiner mehr da ist um ihre Millionen vor Mafiosi und anderen Beutemachern zu schützen.
Jeder Geschäftsmann, der glaubt dass unser Staat die Steuern, die er hier zahlen muss nicht wert ist, sollte sein Unternehmen vielleicht nach Griechenland überführen.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
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| Datum: | | 16. Mai 2011 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Radfahrer holen Schilderwald aus (15.05.2011, S. 9) |
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Den Behörden scheinen einige wichtige rechtliche Konsequenzen der blauen Schilder, die zur Benutzung eines Radwegs verpflichten, nicht bewusst zu sein.
Wenn ich einen Radfahrer verpflichte, den Radweg zu benutzen, muss ich auch dafür sorgen, dass selbiger Radweg immer benutzbar ist. Dass bedeutet erstens, dass der Radweg immer frei von Eis und Schnee bleibt. Wenn eine Behörde per blauen Schild den Radfahrer dazu verpflichtet auf einen Radweg zu fahren, der eher wie eine Skileupe aussieht (anbei: Foto vor Berliner Str. 30-33 vom 20.12.2010, 19:09 Uhr), sollte man sie wegen Nötigung anklagen dürfen, wenn nicht gar wegen versuchter Körperverletzung.
Zweitens hat der beschilderte Radweg nicht nur immer frei zu sein von Eis und Schnee, sondern auch von geparkten Autos,
Müllbehälter, abgeschnittene Baumäste, usw. Auch hier besteht bei blauen Fahrradschildern Grund zur
Klage wegen Nötigung falls nicht sofort abgeschleppt bzw. weggeräumt wird (laut bestehender Rechtsprechung
darf der Radfahrer auch dann nicht mit seinem Rad über das geparkte Auto hinweg bewegen, wenn ihn das sollte
gelingen können).
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
(Klicken Sie auf das Bild für eine Vergrößerung) |
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| Datum: | | 9. April 2011 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Fast alle für Meyer (09.04.2011, S. 10) |
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Dass die Grünen plötzlich so weit vorn in der Wählergünst gekommen sind hat naturgemäß zwei Gründen: Die Grünen (sie haben sich mit Winfried Kretschmann zum Volkspartei entwickelt) und die Wähler (die Bürger sind nach Fukushima mehrheitlich Atomkraftgegner).
Dass die FDP gleichzeitig in der Wählergunst so weit abgestürzt ist hat, völlig analog dazu, ebenfalls zwei Gründen: Die FDP und das selbige Wahlvolk. Das mag vielleicht teilwiese an den Führungsstil von Guido Westerwelle gelegen haben, aber damit ist die Tiefe des Sturzes nicht zu erklären. Viel mehr dürfte diese an der durch Indiskretion publikgewordene Äußerung von Rainer Brüderle beim BDI liegen, denn damit ließ er dürchblicken, dass die FDP einerseits keine Volkspartei, und andrerseits für die Behaltung der Atomkraft sei.
Genau aus diesem Grund könnte die Behauptung Christian Meyers, dass es in Berlin, bereits vier sozialdemokratische Parteien (lies: vier Volksparteien) gibt, sich als Eigentor erweisen (übrigens, wer ist eigentlich nach seiner Bewertung die vierte, die Linken?). Zu Zeiten Hans-Dietrich Genschers, vor allem während der sozial-liberalen Koalition, war das öffentlich wahrgenommene Gesicht der FDP noch bedeutend vielseitiger.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
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| Datum: | | 19. März 2011 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Ein Mörder schlägt neue Wunden (19.03.2011, S. 28) |
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Der Magnus Gäfgen ist wohl nicht mehr zu helfen, zumal er jetzt fest dazu entschlossen zu sein scheint, jede Chance einer vorzeitiger Haftentlassung zu verspielen.
Was jedoch dessen angeblichen durch die unsanften Verhörmethoden verursachten Seelenschmerz anbelangt, so müsste dieser zunächst einmal gegen das seelische Leid des verhörenden Polizeikommissars aufgewogen werden, der aufgrund unseres freiheitlichen Rechtssystems auch dann angeklagt werden musste, obwohl er in der besten Absicht das Leben des entführten Kindes zu retten handelte.
Falls Magnus Gäfgen wirklich irgendjemanden für sein jetziges Schicksal schuldig machen will, so wären das allenfalls eventuell seine Eltern und Schulerzieher, die ihn mit der Erwartung aufwachsen ließen, dass die Welt ein einziges kuschelpädagogisches Hotel Mama ohne Mama sei.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
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| Datum: | | 13. März 2011 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Zentralrat der Juden: Islam wichtiger Teil (13.03.2011, S. 6) |
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Hut ab dem Zentralratspräsidenten, Herrn Graumann. Denn die vom neuen
Innenminister Friedrich geäußerte These über die "christlich-jüdische"
geschichtliche Kulturtradition Deutschlands birgt in sich, wenngleich
vielleicht unbewusst, nicht nur eine verschleierte Holocaustleugnung
in sich ("jüngste" Geschichte ist ja auch Geschichte).
Wenn man einmal auch die Religion zum Integrationsmerkmal deklariert,
würde sich das konsequent ausgeführt nicht nur die Konvertierung aller
Muslimen zum Christentum bedeuten, sondern auch aller Juden, Hindus,
Buddhisten, Agnostiker, Humanisten, usw. Und müssten dann Evangelische
in Bayern zum Katholizismus übertreten? Was ist mit Russich-, Serbisch-,
Syrisch- und anderen Orthodoxen, Kopten, usw. mit Migrationshintergrund?
Mit der sprachlichen Integration ist das nicht anders. Sollten nun
alle nach Bayern ziehende "Scheiß-Preisse" lernen mit bayrischem Akzent
zu sprechen? Und was ist mit den Ostfriesen? Nein, denn Ostfriesich, nicht
anders als Dänisch und Sorbisch, sind in der Bundesrepublik gesetzlich
anerkannte "einheimische" Sprachen. Also wie will man eine für allen
einheitliche Sprachkenntnis gesetzlich festlegen?
Sowohl Friedrich, wie auch Seehofer, haben zweifellos den nötigen
Bildungshintergrund um von diesem Sachverhalt bewusst zu sein. Es
handelt sich hier also um nichts anderes als an Stammtischrunden gezielte
populistische Volksverdümmung nach Vorbild von Thilo Sarrazin.
Nur noch einen Punkt: Der arabisch-islamische Komponente in der europäischen
Kulturtradition im allgemeinen, und in der deutschen im besonderen, beschränkt
sich nicht auf zahlose Wörter arabischen ursprungs und den Spruch "ex orient
lux". Im späten Mittelalter gehörte Kenntnis der arabischen Sprache zum Muss
für jeden Scholasten und Wissenschaftler, der etwas von sich hielt. Etwas
weniger bekannt vielleicht, wurde ein "dsch"-Laut in Fremdwörtern im 16.
Jahrhundert gelegentlich mit dem Buchstaben "G" geschrieben (z.B. "Gonchium"
für "Dschunke" in einer Länderbeschriebung aus dem Jahr 1534 von Michael Herr). Der Clou
dabei: Das Wort gelang nach Europa über Arabisch, in welchem der Buchstabe
"dschim" in den
in Asien gesprochenen arabischen Dialekten als "dsch", in Ägypten und den
maghribischen Ländern jedoch als "g" gelesen wird. Bei "Dschunke" ist die Schreibweise
nachträglich "korregiert" worden. Aber z.B. bei "Gecko" (statt "Dschecko") ist
das "G" erhalten geblieben, wohl weil sich die Lesart mit "g" verfestigt hat.
Und letztendlich, wollen die Herren von der CSU uns tatsächlich weismachen dass
"Aladin und der Wunderlampe" und "Ali Baba und die vierzig Räuber" (erste deutsche
Übersetzung im späten 18. Jh.) sich nicht bereits längst unter den deutschen
Kindergeschichten "integriert" haben?
Wir leben in einer kleinen, vollglobalisierten Welt. Die deutsche Wirtschaft
hängt großenteils vom Welthandel ab. Während einige der Konservativen Deutsch
als Pflichtsprache gesetzlich zu verankern versuchen, bemühen sich die Universitäten
im Lande zurecht, Englischkenntnis unter den Studenten zu fördern. Also, sollten
unsere Politiker doch bitte runter vom Dorfkirchenturm.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
| Datum: | | 5. März 2011 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Hans-Peter Friedrich und der Islam (05.03.2011, Ss. 4 + 8) |
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Das Problem dürfte m.E. viel einfacher sein. Die bayrische Verfassung
nennt die christliche Religion ausdrücklich, daher auch die Kruzifixe
in bayrischen Schulen. Die Verfassung der Bundesrepublik ist in der
Hinsicht etwas weltoffener. Ein frischgebackener Innenminister, gerade
aus der Provinz in die Bundeshauptstadt gewechselt, muss sich sicherlich
erst entsprechend umorientieren.
Wie auch immer, der Innenminister ist ja auch "Verfassungs[schutz]minister" und
wird gerade deshalb nicht umhin kommen, sich mit unserer freiheitlich
demokratischen Verfassung auch unter besonderer Berücksichtigung der
Religionsfreiheit anzufreunden.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
(kein Muslim)
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| Datum: | | 4. März 2011 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Mogelei mit Papa (04.03.2011, S. 13) |
|
Sie berichten ausführlich über die bürokratischen Aspekte des
Problems, aber leider etwas zu wenig über das Problem selbst. So
bleiben die genaueren Umstände unklar, bei welchen eine ausländische
Mutter mit Kind zum Weiterverbleib in Deutschland die (eventuell
falsche) Vaterschaft eines deutschen Staatsbürgers vorweisen muss.
Denn oberflächlich gesehen, dürfte eine Mutter mit Kind, die für
diesen Zweck eine Geldsumme zwischen 5000 und 10000 Euro ausgeben
kann, nicht von Hartz 4 leben. Falls sie jedoch einen eigenen
Einkommen hat, und dadurch auch Steuern zahlt, kann man sich doch
so man kein Verwaltungsbürokrat sei nur freuen dass die Mutter
mit ihrem Kind im Land bleibt. Denn bei solchen klugen Müttern
wird man bestimmt davon ausgehen können, dass die Kinder eine gute
Ausbildung bekommen. Da braucht man sich nicht welche extra aus
dem Ausland für viel Steuergelder ins Land holen ....
Vielleicht würde es sich summa summarum sogar lohnen, wenn der Staat
die 5000 bis 10000 Euro Vaterschaftserklärungsbakschisch den Müttern
bereitstellt, oder die Ausgabe zumindest Steuerabzugsfähig macht?
(käme dann nur bei Steuerzahlerinnen zur Geltung).
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
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| Datum: | | 2. März 2011 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | zu Guttenberg (02.03.2011, Ss. 1,2,3,4,6,21,27) |
|
Erschreckend, wie viele bereit wären, Herrn von und zu Guttenberg seine
Mogeleien bei der Doktorarbeit zu verzeihen.
Tatsachen zu verharmlosen, oder gar zu verneinen, gehört (leider) zum
politischen Alltag. Eine Doktorarbeit oder auch eine wissenschaftliche
Veröffentlichung mit falschen Daten ist jedoch absolut unverzeihlich.
Gelegentlich kommt das zwar vor, muss und wird immer ohne Gnade restlos
aufgedeckt, mit entsprechenden Folgen für den Schuldigen.
Gerade deshalb hat Herr Guttenberg neben seiner damaligen mangelhaften
Wissenschafler-Ehre jetzt auch eine schlechte Lagebeurteilungsvermögen
unter Beweis gestellt. Wie hat er nur annähernd hoffen können, die
einmal entdeckte Fälschung in einer wissenschaftlichen Arbeit noch
unter den Teppich kehren zu können.
Er musste jetzt in erster Linie also deshalb zurücktreten, weil er sich
als ein schlechter Politiker ausgewiesen hat.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
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| Datum: | | 8. Januar 2011 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Lötzschs langer Marsch zum Kommunismus (6.1.2011, S.4) + |
| | | + "Wir sind keine kommunistische Partei" (8.1.2011, S.4) |
|
Das Kommunismus-Gerede von Frau Lötzsch und anderen wirklichen oder auch Möchtegernkommunisten ist bereits deshalb nur reines Gelaber, weil keiner von ihnen je auch nur den Versuch gemacht hat, die Gründe des Scheiterns aller bisherigen realsozialistischen Versuchen, den Kommunismus zu erreichen, zu erörtern. Leider ist dies auch von Kritikern des Kommunismus nie ernsthaft und sachlich zufriedenstellend in Angriff genommen worden.
Die kommunistische Ideologie versteht sich als wissenschaftlich, und ihre Gründer, zuallererst Karl Marx, sind soweit sie konnten streng logisch rational und unter Berücksichtigung der (damals) bestehenden Fachliteratur vorgegangen. Es sind trotzdem einige grundlegende Ungereimtheiten in den logischen Aufbau ihrer Ideologie eingeschlichen, die diese letztendlich genau so idealistisch wie alle anderen Utopien machte.
Die Realisierbarkeit der von ihnen als Kommunismus bezeichneten Gesellschaftsform ohne Geld und Eigentum, in welche jeder nach Maße seiner Fähigkeiten einbringt, und in welcher jeder das Nötige für seinen Lebensbedarf erhält, wenn die rein technischen Produktionsbedingungen einmal erfüllt sind, gründete sich auf die Annahme, dass alle Menschen gleichermaßen zu einem redlichen kollektivistischen Miteinanders veranlagt seien.
Jedoch bereits in seinem Werk Das Kapital zitiert Marx ausgiebig die Ergebnisse englischer Forscher, die feststellten, dass bei der Manufaktur, in welcher der Produktionsprozess in kleinste Bestandteile zerteilt wurde, besondere Fähigkeiten für jedes Arbeitsprozess benötigt wurden. Es ergab sich, dass man in jeder, auch relativ kleiner Gruppe von Arbeitern immer die nötige Bandbreite verschiedener Fähigkeiten und Veranlagungen vorfand. Denn keine zwei Menschen sind wirklich gleich.
Im realen Sozialismus musste man eine noch ernsthaftere Unstimmigkeit der kollektivistischen Veranlagungsgleichheit feststellen. Während man einerseits es trotz intensivster Überzeugungsarbeit nicht erreichen konnte, dass die Mehrheit sich freiwillig zum nötigen Arbeitsfleiss bewegen liess, gab es andrerseits eine kleine Minderheit, die sehr wohl fleissig arbeitete, sogar mehr als nötig. Während man nicht fähig war, einen redlichen Warenangebot in den Läden bereit zu stellen, hat jene fleissige Minderheit Privat- oder Familienläden betrieben, die trotz allem die Versorgungslücken zu überbrücken halfen. In China stellte Deng Xiaoping seinerzeit folgerichtig fest, dass nur mit der Freigabe einer kapitalistischen Unternehmensweise das Land erfolgreich industrialisiert werden liess. Wie man inzwischen weiss, hatte er recht.
Es ist auch nicht zuletzt infolge dieser Schwachstelle in der kommunistischen Ideologie, dass es zu der stalinistischen Diktatur kam. Man hatte das Land an die Bauer verteilt, stellte jedoch bald fest, dass nur ein Mindereit unter ihnen fleissig genug war um ordentlich zu wirtschaften. Alsbald konnte die fleissige Minderheit das Land der weniger fleissigen Nachbarn aufkaufen man nannte die erfolgreichen Bauer Kulacken. In der Tat hätte man im bereits genannten Das Kapital nachlesen können, dass die Verteilung des Landes unter den ansässigen Bauern der erste Schritt zur kapitalistischen Industrialisierung in England war (das gleiche geschah bei der Meiji-Restauration in Japan). Damit errichtet man nicht Kommunismus, sondern Kapitalismus!
Zur Rettung der Situation entschied Stalin für die gewaltsamen Enteignung der Kulacken und zur Zwangskollektivisierung in der Landwirtschaft (der Anfang des Stalinismus). Das wurde dann zum Standardverfahren in allen sozialistischen Ländern. Geholfen hat das trotzdem nur wenig. Ich erinnere mich noch sehr wohl, als ich noch in einem Fabrik in der Sovietunion arbeitete (1970-1976), dass wir jedes Jahr in die Kolchosen mussten um die brachliegende Ernte einbringen zu helfen.
Man hat es nie geschafft, eine kommunistische Arbeitsmoral als Ersatz der kapitalistischen, d.h. der bürgerlichen Arbeitsethik zu erzeugen. Nicht nur dass Frau Lötzsch offenbar auch keine Vorschläge bereit hat, wie man das bewerkstelligen könnte, ich weiss nicht einmal so recht ob ihr das Problem überhaupt bewusst ist. Eine Reaisierung des Kommunismus ohne Lösung dieses Problems war und bleibt jedoch reinste Utopie. Vielleicht durch Genmanipulation mit anschliessendem Klonen? (Igitt).
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
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| Datum: | | 9. November 2010 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Volle Fahrt in den Frust (7.11.2010) |
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Ich fahre täglich mit dem Rad relativ lange Strecken. Ich habe Stefan Jacobs' Artikel deshalb mit großem Interesse gelesen, und kann aufgrund eigener Erfahrung das, was er schreibt bestätigen.
Dennoch muss ich zugeben, dass einige Mängel, die ich in meinem Leserbrief vom 13. Februar 2000 beschrieb, inzwischen behoben wurde. So wurde z.B. etwa ein Jahr später einen "Fahrräder frei"-Schild für die Einbahnverkehrsstrecke der Rüdesheimer Straße (Wilmersdorf) angebracht.
Es gibt einen Punkt, den Herr Jacobs vielleicht nicht gleich feststellen konnte, weil er noch nicht lange genug mit dem Rad unterwegs ist: Nicht genug, dass Reparaturarbeiten nicht ordentlich geplant werden, infolge dessen den Radwegbelag an ein und derselben Stelle wiederholt von Neuem aufgebuddelt wird, werden solche Stellen viel länger gesperrt gehalten, als dort eigentlich gearbeitet wird.
Zum Beispiel, bei der auch von Herrn Jacobs monierten "1,5 Meter schmalen Baustellengasse" auf der Yorcksraße: Auf dem Abschnitt vor der S-Bahnstation der Linie-S1 (zwischen den Manstein- und Katzlerstraßen) wurde der Radweg seit über einem Jahr wiederholt gesperrt und wieder frei gemacht. Auf dem beigelegten Foto vom 28.07.2010 sehen Sie wie nach Abschluss eines wiederholten Aufrisses des Belages der Radweg Wochen lang ohne Not gesperrt blieb. Am Wochenende nach diesem Foto wurde es einem offenbar zu doll, und ich sah wie ein Radfahrer die Sperrung seitlich verschob damit man auf dem Radweg wieder fahren konnte. Kaum eine Woche später wurde da wieder einen ganzen Tag gearbetet und die Sperrung danach ganz aufgehoben (Der jetzige Zustand der "Baustellengasse" besteht erst seit einigen Wochen wieder).
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
(Klicken Sie auf das Bild für eine Vergrößerung)
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| Datum: | | 28. August 2010 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Mensch und Tier: Die Sünde des Fleisches? (22.08.2010, S. 1) |
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Wie Sie bereits eingangs völlig zutreffend bemerken, hat schon der Urmensch
Fleisch gegessen. In der Tat stellt tierisches Eiweiss und Fett ein natürliches
Bestandteil der ausgewogenen und gesunden menschlichen Nahrung dar.
Dass dies in unserer Zeit zu den in der Tat grauenhaften Folgen in der Tierhaltung führt,
wie von F.S. Foer beschrieben, hat mehrere Gründen.
Einer davon ist die immer weiter wachsende Erdbevölkerung. Aber abgesehen
davon, dass man die Erdbevölkerung um etwa 99% dezimieren müsste, um sie
auf das Steinzeitniveau zurück zu bringen, sind jene Gräuel nicht hauptsächlich in
unterentwickelten Ländern mit den größten und am schnellsten wachsenden
Bevölkerungen zu beobachten. Es sind vielmehr die Industrieländer, wo
die Bevölkerungszahl nur durch Zuwanderung halbwegs konstant gehalten
werden kann, wo jene Gräuel in der Tierhaltung vornehmlich festzustellen sind.
Ein anderer Grund ist der übertrieben hohe Fleischanteil in der Nahrung
in Industrieländern,
der außerdem auch noch sehr ungesund ist, und zu Fettleibigkeit, hohem
Bluttfett- und Cholesterinspiegel usw. führt. Also, schlecht für Tier
UND Mensch. Dagegen würde eine Preiserhöhung durch Abschaffung der
Subventionen bereits Abhilfe schaffen. Man könnte auch gewisse Formen
der Tierhaltung und -transport schlicht verbieten (und dies auch wirksam
kontrollieren). Wenn auch das alles nicht reicht, könnte man auch noch
an einen besonderen Steuer auf tierische Produkte denken?
Kein Fleisch zu essen ist jedenfalls keine Lösung, da bin ich auch Ihrer
Meinung, denn der menschliche Körper braucht Fleisch in der Nahrung.
Es wäre auch nicht irgendwie "moralisch" geboten. In der Natur fressen
viele Tierarten fortdauernd andere Tiere, der Mensch ist da also keine
Ausnahme.
Übrigens, dass man hierzulande kein Hundefleisch isst (siehe TSp. v. 20.08.
2010, S. 21), ist kein Argument. Gläubige Juden und Muslime z.B. essen kein
Schwein (auch kein Hund), Hindus kein Kuh. Dieselbigen verspeisen aber sehr
wohl den Fleisch anderer Tiere. Und während wir hier überaus gern Schwein
und Kuh zu uns nehmen, halten etliche Völker auf der Welt Hundefleisch für
ein köstliches Leckerbissen. Beweist das auch nur irgendetwas?
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
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| Datum: | | 21. März 2010 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Martenstein: Die 68er haben sich geirrt (21.03.2010, S. 1) |
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Herr Martenstein hat recht, auch nach meiner Meinung irrten sich die
68er, als sie in ihrem naiv jugendlichen Idealismus die totale Freiheit
von jeglichen Verboten und Tabus verlangten. Zugleich demonstrierten
sie damit ein Mal mehr, warum Erwachsene Verantwortung tragen gegenüber Kindern,
so auch ältere Mitbürger gegenüber jungen Menschen.
Freiheit schließt in der Tat, wie Herr Martenstein schreibt, auch die
Achtung der Freiheit der Anderen mit ein, und somit auch Mitverantwortung
für die Allgemeinheit. Doch nur ein Teil davon ist unmittelbar oder
zumindest im Verlauf eines Lebens erlernbar. Ein anderer Teil musste
durch die Erfahrung vieler Generationen erlernt werden, um dann in der
Form von Sitte, Tradition und Religion von Generation zu Generation
weitergereicht zu werden.
Diese letzgenannten Überzeugungen basieren jedoch auf Einsichten aus
Zeiten, als einerseits die Beobachtungsfähigkeit der Menschen weniger
entwickelt war als heute, und andrerseits die Welt noch eine andere
war. Da sich beide (die Menschen und die Welt) kontinuierlich fortentwickeln,
muss und wird Sitte, Tradition und religiöser Glauben auch ständig
revidiert und reformiert.
Herr Martenstein erwähnt zurecht die steigende Toleranz und Akzeptanz
von geschlechtlich andersorientierten Mitmenschen. Mit den einschlägigen
Argumenten erreicht man in der Tat die Mehrheit in unserer Gesellschaft,
ob religiös oder nicht. Leider wird ein Teil der Menschen sich aber
weiterhin an konservativen religiösen Grundsätzen der Vergangenheit
gebunden fühlen. Man wird sie nur dann überzeugen können, wenn man
das moderne Verständnis hierüber in die Rahmen ihres religiösen
Weltbilds integriert:
Schauen Sie mal, Gott hat die Menschheit nicht als Ansammlung von
Adam- und Eva-Klonen kreiert, sondern mit einer unendlich breiten
Auswahl von physischen und mentalen Fähigkeiten und Neigungen.
Wenn also der Herr es für gut gefunden hat, dass ein sicherer
Prozentsatz der Menschen homo-, ein anderer bi- und ein weiterer
transsexuell orientiert ist, dann haben wir Sterbliche das halt zu
respektieren. Alles andere wäre doch Gotteslästerung, oder?
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
Späterer Nachtrag: Ein Sonderfall ist
Pädophilie, denn da handelt es sich nicht mehr um einvernehmlich handelnden
Erwachsene (consenting adults), sondern um einen groben Verstoß gegen
die Schutzbedürftigkeit (und das Recht auf Schutz) von Kindern. Auch wenn ein
bestimmter Prozentsatz der Menschen pädophil veranlagt sei, rechtfertigt das
also nicht ihr Vergehen an Kinder.
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| Datum: | | 2. März 2010 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Der Leib zittert, der Geist strebt / SPD-Gremium berät Sarrazins Ausschluss (02.03.2010, Ss. 1 + 10) |
|
Wenigstens wusste Sarrazin schon bevor Westerwelle, wie man in
den Schlagzeilen kommt und ständig in den Nachrichten bleibt.
Er schaffte es außerdem, dass nicht einmal seine Hauptkritiker
im SPD-Gremium ihm irgendetwas schlimmeres vorzuwerfen wissen
als sprachliche Grobheit. Denn wer in der Behaupting, der
produktive Beitrag von Mitbürgern türkischer und arabischer
Herkunft sei auf Lebensmittel (Früchte und Gemüse) beschränkt,
lediglich eine rassistische Aussage sieht, der weiss es selber
nicht besser, und teilt somit im Prinzip jene lediglich unfein ausgedruckte Meinung.
Schlimmer als die unkultivierte Grobheit seiner Ausdrucksweise,
ist aber dass diese und andere Behauptungen Sarrazins (z.B. über genetisch
bedingte Neigung zur Arbeitslosigkeit) sachlich
falsch sind, und nur von seiner fachlichen Inkompetenz zeugen.
Mitbürger obengenannter Herkunft finden sich in allen Bereichen, von
Apothekern und Boutiquebesitzern bis Zahnärzte und
Zeitungshändler. Sie kommen auch unter gewählten Volksvertretern
auf Bezirks-, Landes-, und Bundesebene vor.
Dient die Grobschlächtigkeit seiner Auftritte vielleicht nicht so sehr, in
den Schlagzeilen zu kommen, als viel mehr seine Ignoranz zu
verschleiern? Oder will er nur demonstrieren, dass auch die
Beschränktheit seiner "prekariatsmäßigen" intellektuellen
Fähigkeiten genetisch bedingt sei? Das wären vielleicht Fragen, die sein
Gemüt etwas besänftigen könnten
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
| Datum: | | 17. Februar 2010 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Und wieder Westerwelle (16.02.2010, Ss. 1, 2, 4, 8, 13) |
|
Je erfolgreicher ein Politiker sein will, desto öfter muss er in
den Nachrichten erscheinen. Wie das geht führt bereits seit über 100 Tage
Herr Westerwelle uns vor. Es geht weniger um Inhalte, als viel mehr um den provokativen Wert
seiner Auftritte.
Auch in Sachen Hartz IV ist das Gegenteil von Falsch nicht unbedingt Richtig,
wie man längst bereits aus der Pendeltheorie weiß. Aber es provoziert,
darauf kommt es Herrn Westerwelle wohl an. Doch wenn ein Teil der Arbeitslosen
unter ihrer ezwungenen Arbeitslosigkeit leidet, ein anderer Teil hingegen
in einer oder anderer Weise arbeitsscheu sei, kann ein Lösungsvorschlag,
der alle über einen Kamm schert nur wenig taugen, ganz gleich über welchen
Kamm.
Ob jedoch ein entsprechend ausgewogener, und erst dadurch wirksamer Lösungsvorschlag
dann auch genug Aufmerksamkeit bei den Medien findet, um einen Politiker über
Wasser zu halten, wäre die nächste Frage....
Der Teufel steckt im Detail. Die Grenze zwischen den zwei oben-unterstellten
gegensätzlichen Kategorien von Arbeitslosen ist in der Realität fließend. Sicher
ist nur, dass jeder einseitige Ansatz, ob der von Herrn Westerwelle, oder von den
Linken, allenfalls geeignet ist um politische Pluspunkte zu erzielen, gewiss
aber keine Lösung des Problems bringt, und deshalb letzendlich auch den
jeweiligen wirklichen und vermeintlichen Klientelen nur schaden würde.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
Späterer Nachtrag: Leicht nacheditiert.
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| Datum: | | 10. Januar 2010 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Nachdrucken, um Druck zu machen (10.01.2010, S. 6) |
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<Zum Nachdruck der Mohammed-Karikaturen in Norwegen>
Wenn linksextremistische Autonome Luxuswagen anzünden als Rache an, oder
auch nur "um Druck zu machen" gegen einzelnen Bank- und Industriemanagern
wegen der Wirtschaftskrise, ist das in der Tat inakzeptabel und die reinste
Selbstjustiz. Wie ist das denn, wenn eine ganze Religionsgemeinschaft
beleidigt wird wegen des Irretats eines einzelnen Straftäters?
Wie würden glaubige Christen darauf reagieren, wenn jemand die pädophilen
Straftaten einzelner Pfarrer oder Priester mit Jesus als "Täter" karikieren
würde? Glaubensmotivierte Gewalttaten gibt es nicht nur unter Muslime. Ein
christlicher Abtreibungsgegner hat in den USA einen Arzt totgeschossen.
In dem es den jetzigen Akt der journalistischen Selbstjustiz duldet und
sogar lobt, untergrabt Norwegen die kulturelle Selbstachtung Europas und
den damit verbundenen Begriff von Demokratie und Recht.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
Späterer Nachtrag: Ich habe mich zunächst gezögert,
diesen Leserbrief online zustellen, denn ich möchte auf keinem Fall zum (erst kurz später
losgetretenen) Medienrummel um das Canisius-Gymnasium (Berlin) beitragen. Pädophilen kommen (leider)
in allen Religions-, Kultur- und Volksgemeinden vor, also auch (nicht mehr und nicht weniger) unter
katholischen Priestern. Ich freue mich, dass Der Tagesspiegel sich in seiner Berichterstattung darüber
korrekt und unvoreingenommen gehalten hat.
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| Datum: | | 3. Januar 2010 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Harald Martenstein: Auf Leben und Tod (03.01.2010, S. 1) |
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Glückwunsche Herrn Martenstein sowohl für die vortrefflich argumentierte
Auseinandersetzung mit den linksautonomen Autoverbrenner, wie auch für
die erfrischende Wiederbelebung der klassischen Art der Darlegung in
Form eines Dialogs. Doch wurde
vielleicht, wie übrigens auch von allen Anderen, ein Umstand übersehen,
der für die Autonomen besonders peinlich sein dürfte.
Das Abwrackpremienprogramm zur Rettung der Autoindustrie musste wegen
Knappheit der verfügbaren Steuermittel zeitlich (und mengenmäßig)
begrenzt werden. Da kommen jetzt die Linksautonomen zur Rettung selbiger
Industrie mit ihrem Abfackelprogramm. Nicht nur dass die Spezialisierung
auf Luxuswagen die wirtschaftliche Effektivität jeder einzelnen
Fackelabwrackung optimalisiert, aber es wird sichergestellt, dass nur
vollkaskoversicherte Wagen eingeäschert werden. Die Abfackelpremie geht
also nicht zu Lasten aller Steuerzahler, sondern lediglich der
Vollkaskoversichertengemeinschaft, d.h. nur derjenigen Steuerzahler,
die es besser leisten können (unabhängig davon wie viel oder wenig
Steuern sie wirklich zahlen). Und Betrügereien mit Premienkassierung
ohne wirkliche Abwrackung ist auch ausgeschlossen: Erst wird gefackelt,
dann von der Versicherung gezahlt.
Tja, wer hätte das wohl gedacht: So viel Kapitalismusbegeisterung von
linken Autonomen!
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
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| Datum: | | 30. Mai 2009 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Im Bus der Atheisten + Atheisten machen mobil (29. Mai 2009, Ss. 1 + 28) |
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Oh Gott, oops, pardon, ich meine, ach du heilige Strohsack!
Nach ProReli jetzt ProGottlos?
Ja, ja, der Weg vom frühkindheitlichen Glauben an den Weihnachtsmann,
über die Entdeckung Australiens (Downunder),
zum Nichtglauben an Gott, ist lang und voller Selbstzweifel.
Denn, was wenn es Ihn doch gibt, ... oh jeh. Das dürfte wohl
der Grund sein, weshalb eben diejenigen, die sich endlich dazu
durchgerungen haben, nicht mehr an Gott zu glauben, auch zu
den militantesten Atheisten mit entsprechendem Mitteilungsdrang
gehören. Sie müssen vielleicht auch noch den Restzweifel im
eigenen Unterbewusstsein überzeugen.
Es dauert sehr lang, bis man zu der Einsicht gelangt: Es geht
nicht darum, ob es einen Gott gibt, Der von uns eventuell verlangt,
an Ihn zu glauben, sondern dass wir es selbst sind, die an irgend
etwas glauben müssen, damit wir in einer geordneten Gemeinschaft
leben können.
Denn, wenn zwei Drittel der Berliner zu keiner Religionsgemeinschaft
gehören, heisst das noch lange nicht, dass so viele
nicht an Gott glauben. Die überwiegende Mehrheit dürfte sehr
wohl an Ihn glauben, während fast alle der Übrigen lediglich
nicht an einen personifizierten Gott. An Seiner Stelle glauben
sie an genauso immaterielle, abstrakte Prinzipien, Werte, usw.,
die man genausowenig mit Geigerzählern, Minendetektoren oder
Radargeräten aufspüren könnte. Die wirklich Gottlosen sind
eine schwindend kleine Minderheit von nihilistischen Anarchisten.
Aber in Zeiten von Konkursen und Arbeitslosigkeit sind Bus-Kampagnen
und ähnliche Initiativen sicherlich zu begrüßen.
Schade nur, dass Opel keine Doppeldecker produziert.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
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| Datum: | | 22. April 2009 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Nach Geburt Baby entzogen (22. April 2009, S. 11) |
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Vielen Dank für den Bericht von Solveig Rathenow.
Dass das Jugendamt das neugeborene Kind von der Mutter getrennt
hält entgegen Urteile eines Verwaltungsgerichts und eines
Familiengerichts is eigentlich skandalös.
Wenn man ein bis zu 2-Jahre altes Baby mehr als 48 Stunden von der
Mutter getrennt hält, erleidet es psychische Störungen. Als erstes
sollte man deshalb vielleicht in Erwägung ziehen, das Jugendamt
im Namen des Kindes auf Schmerzensgeld zu verklagen.
Wieso glauben manche Behörden, dass sie über das Gesetz stehen,
oder zumindest Gerichtsurteile ungestraft ignorieren dürfen?
Vielleicht holt sie eine Anzeige wegen Kindesentführung wieder
zurück auf den Boden?
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
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| Datum: | | 28. April 2009 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Nach der Abstimmung (28.04.09, S. 1) |
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Wie auch die meisten anderen, stellen Sie aufgrund der Abstimmungsergebnisse
fest, dass Pro Reli von Anfang an keine Chance zu gewinnen
hatte, und dass die Stadt noch immer sehr gespalten sei.
Ich bezweifele dennoch, dass diese beiden an sich richtigen Feststellungen
wirklich aus den gegebenen Abstimmungsresultaten abzuleiten sind.
Denn in Wirklichkeit stand nicht "pro Reli" zur Debatte, sondern
"kontra Ethik". Die Freiheit, an Religionsunterricht teilzunehmen,
bliebe sowohl bei einem mehrheitlichem "ja", wie auch bei "nein",
für jeden Schüler erhalten. Nur die Teilname an Ethikunterricht
bliebe bei einem "ja" nur noch denjenigen Schülern vorbehalten,
die nicht an Religionsunterricht teilnehmen.
Zwar hätten vielleicht nicht alle potenzielle Wähler dies durchschaut,
aber der verschleierte Etikettenschwindel muss trotzdem vielen ein
unwohles oder verwirrendes Gefühl bereitet haben. Auf jedenfall
widerspiegelt die Zahl der Ja-Stimmen gewiss nicht die vollständige
Zahl der Bürger, die für Religionsunterricht sind, weder relativ, noch
um so weniger absolut. Pro Reli hat mit der Etikettenverdrehung einfach
sich selbst ein Bein gestellt.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
| Datum: | | 13. April 2009 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Harald Martenstein und ProReli (12/13. Apr. 2009, S. 1) |
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Aprilscherz mit kleiner Verspätung? Aber die ganze Verwirrung kommt in Wirklichtkeit
wohl aus einer Begriffsklitterung, bei welcher Ethikunterricht mit Humanismusunterricht
verwechselt wird.
Selbstverständlich sollten die Kinder Religionsunterricht bekommen, und es wäre sogar
begrüßenswert, wenn dieser nicht auf freiwilliger Basis, sondern Pflichtfach wäre. Dies
setzt aber nicht nur voraus, dass neben Katholisch, Evangelisch auch der Unterricht in Islam,
Jüdischer Glauben, Hinduismus, Buddhismus, Griechisch- und Russisch-Orthodox usw., sondern auch
Humanismusunterricht als eine der Alternativen zur Wahl stünde.
Im Ethikunterricht hingegen sollen die ethischen Grundlagen des öffentlichen Zusammenlebens in
einer freiheitlichen und pluralistischen Gesellschaft in ihren verschiedenen Aspekten (inklusive
religiösen) behandelt werden. Das gilt für alle Schüler, nicht anders als Mathe-,
Sprach- oder Geschichtsunterricht, und darf nicht als Alternative zu Religionsunterricht betrachtet
werden.
Deshalb liegt die ProReli-Initiative völlig daneben, und sollte man zu ProReli entschieden
NEIN kreuzen, denn es hatte nicht Ethik oder Religion heissen sollen, sondern
Ethik UND Religion.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
Späterer Nachtrag: ProReli, das wäre als wollte man die Schüler
in der Biologie zwischen der Darwinschen Evolutionstheorie und Kreationismusunterricht wählen lassen.
Natürlich haben wir Religionsfreiheit, und sollen Schüler über Garten Eden und Arche Noah
erfahren, aber Biologieunterricht (inklusive Darwin) müsste trotzdem für alle Schüler Pflicht
bleiben.
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| Datum: | | 15. Oktober 2008 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Der Partyschreck (14 Okt. 2008, S. 21) |
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Ein dreifaches "Hoch!" Herrn Reich-Ranicki. Bei der Druckpresse hat
man schliesslich ja auch, einerseits die serioesen Zeitungen und
Magazine, andrerseits die Boulevard- und Regenbogenpresse.
Bei den ersten informiert man sich, bei der letzteren, so man/frau
das will, amuesiert man/frau sich bzw. schlaegt die Zeit tot.
Die gleiche Rollenverteilung sollte es auch zwischen oeffentlich-rechtlichem
und privatem Fernsehen geben, dafuer zahlt der Zuschauer
schliesslich GEZ-Gebuehren.
Mit freundlichen Gruessen,
Waruno Mahdi
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| Datum: | | 10. September 2008 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Ich habe nichts Boeses getan (10.09.08, S. 4) |
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Herr Friedbert Pflueger erinnert mich ein Bisschen an Uwe Barschel, als
er wie ein ertappter Gymnasiast sein ich gebe Ihnen mein Ehrenwort
zum Besten gab. Aber die Aehnlichkeit liegt hier m.E. nur an der
Oberflaeche.
Wenn man tiefer schuerft, erscheint er wie das CDU-Gegenstueck zu
Andrea Ypsilanti der SPD. Er verkoerpert die Generation, die ihre
jugendlich und naiv gradlinige Vorstellungen ueber politische (und
andere) Zusammenhaenge ins Erwachsenenleben behalten haben.
Aber die Politik ist nicht so wie sie ist weil Politiker etwa von
Haus aus toelpelhaft, faul, oder gar raffgierig und boshaft
sind. Es sind die objektiv gegebenen Umstaende, vor allem komplexe
Querverbindungen und Rueckwirkungen, die die Politiker zwingen so
zu sein, wie sie sind.
Irgendwann wird vielleicht die naechste Generation verstehen (wie es
frueheren Generationen gelang), das die Aelteren nicht automatisch als
dumm gelten sollen, nur weil man die Hinterguende noch nicht einsieht.
Denn immer erst dann, wird man in der Lage sein, wirklich notwendige
zeitgemaesse Verbesserungen einzubringen.
Mit freundlichen Gruessen,
Waruno Mahdi
| Datum: | | 15. August 2008 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Casus Ypsilanti, oder das Ypsilanti-Syndrom |
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Ein Witz, wenn er zeitlich zu sehr in die Laenge gezogen wird,
verliert seine Witzigkeit. Aber bei Frau Genossin Ypsilanti fragt
man sich, ob da erst ueberhaupt je irgendetwas witziges daran war.
Eine Langzeitfolge des Jugendkults ist, dass vieles, das nicht
in den Buechern stand, sondern von Generation zu Generation muendlich weitergereicht
wurde, den heutigen agierenden nicht mehr unbedingt praesent ist.
Auch im politischen Handwerk wurde manch ungeschriebener Regel auf
dieser Weise nicht mehr von den Juengeren aufgenommen. Sonst haette
Frau Ypsilante vom Anfang an gewusst, wie der Standardausweg aus
der Zwickmuehle, in der sie sich befand, schon immer war: Wie macht
man als neugewaehlte Fuehrungsperson genau das, was man vor der Wahl
gerade erst nicht zu tun versprochen hatte?
Man gibt einem Stellverterter den Vortritt und laesst es ihn tun.
In diesem konkreten Fall haette Frau Ypsilanti einfach den hessischen
SPD-Vorsitz behalten muessen, und eine von den Linken tolerierte
Minderheitsregierung von einem anderen Sozi leiten lassen. Es waere
ja sowieso nur etwas vorlaeufiges, bis zur naechsten Wahl. Da waere
noch der Vorteil, dass alle von der zwangslaeufigen Wirkungslosigkeit
einer solchen Regierung verursachten Negativschlagzeilen nicht direkt
mit ihrem Namen verbunden sein wuerden.
Aber sie hat es gleich am Anfang bereits voellig verbockt. Jetzt wird
auch die genannte Notloesung kaum noch helfen. Kappieren wird sie das
wohl, wenn je ueberhaupt, vermutlich erst nachdem nicht nur in Bayern,
sondern auch bei den naechsten Wahlen in Hessen die SPD gehoerig
stimmen verliert.
|
| Datum: | | 29. August 2008 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Madonna (29.08.08, Ss. 1 + 11) |
|
Wirklich hervorragend, die Show, und vor allem die kuenstlerische
Leistung und der koerperliche Einsatz der Madonna. Haette es sich
um eine Sportveranstaltung gehandelt, haette jeder gefragt: Ist
das schon Epo?. Und damit haette man wohl auch eine Loesung fuer
die Dopingprobleme im Sport: einfach nicht mehr als sportlichen
Wettbewerb behandeln, sondern als reine Unterhaltung. Oder hat
ein Kiffergestaendnis je die Popularitaet eines Artisten oder
Kuenstlers geschmaelert?
Mit freundlichen Gruessen,
Waruno Mahdi
| Datum: | | 27. August 2008 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Sind die noch ganz sauber? (26.08.08, S. 22) |
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Es ist bezeichnend, dass die ganze Welt sich (zurecht) ueber moegliche
Doping unter den olympischen Spitzensportler aufregt, jedoch kein Mensch
mehr ueber die Ursachen redet.
Bei den Spielen in Melbourne 1956 war das noch ganz anders. Professionelle
und durch Werbung finanzierte Sportler wurden noch strikt von den Spielen
abgewiesen. Aber dann merkte man, wie die Ostblockstaaten die olympischen
Spielen immer mehr zu propagandistischen Zwecken misbrauchten, und dafuer
ihre Sportler materiell und finanziell foerderten, zum Schluss auch mit
Dopingmitteln.
Um gleiche Chancen fuer die anderen Sportler zu sichern, musste das Verbot
der gewerblichen Finanzierung aufgegeben werden. Der olympische Sport
hoerte auf, Amateursport zu sein. Wo im Sport Geld im Spiel ist, wird
Doping nicht mehr weit sein, siehe Tour de France.
Aber jetzt ist der Sport so sehr Teil des kommerziellen Unterhaltungsprogramms fuer
die ganze Welt geworden, dass der Weg zurueck zum Amateursport wohl fuer
immer geschlossen ist. Sport ist immer weniger Sport, und immer mehr
Showbusiness. Das ist mit Fussball so, mit dem Tour de France und wohl
auch mit der Olympiade. Richtiger Wettkampf besteht nur noch zwischen
Erfindern neuer Dopingmethoden und Entwicklern neuer Dopingtests.
Mit traurigen Gruessen,
Waruno Mahdi
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| Datum: | | 17. August 2008 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Heroin vom Amt (17.08.08, S. 12) |
|
Die ganze Fragestellung, Pro oder Kontra Heroinabgabe an
Langzeitabhaengige (harte Drogen auf Rezept?), fuehrt m.E. nur an das
eigentliche Problem und eventuellen Weg zu dessen Loesung vorbei.
Lesen Sie doch nur die zwei letzten Saetze in Ihrem Bericht vom Tag
zuvor (Das war grauenhaft, TSp. 16.08.08, S. 11):
| | « |
Eine Therapie ist meine einzige Chance, sagte die Angeklagte
gestern. Das Gericht verurteilte die junge Frau zu vier Jahren
Haft und Unterbringung in einer Entziehungsanstalt.» |
|
Warum muss ein Drogenabhaengige erst, wie in diesem Fall, eine lange
Verbrecherkarriere (vierzehn Vorstrafen!) hinter sich bringen um die
Unterbringung in einer Entziehungsanstalt zu verdienen?
Nennen wir doch die Dinge beim Namen: Heroin is ein Rauschgift.
Soll der Staat nunmehr seine Buerger vergiften?
Statt Heroin- (und Methadon-)abgabe sollten Strafrechtlich auffaellig
gewordene Drogensuechtige gleich beim ersten Mal in die Entziehungsanstalt.
Wenn man sie dann fuer den Wiederholungsfall den "Cold Turkey"-Entzug
androht (und dies dann auch konsequent durchfuehrt),
wuerde man schneller zum positiven Ergebis kommen. Die eingesparten
Steuergelder liessen sich bestimmt zu besseren Zwecken verwenden.
Man engt damit das Selbstbestimmungsrecht eines jeden freien Buergers
keineswegs ein. Wenn besagter Buerger aber selbst den Nachweis liefert,
von seiner Freiheit ueberfordert zu sein, indem er infolge seiner
Sucht straffaellig wird, kann es doch nicht falsch sein, wenn der Staat
ihn mit dem angemessen behutsamen Zwang im Entziehungsanstalt unter die
Armen greift?
Mit freundlichen Gruessen,
Waruno Mahdi
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| Datum: | | 23. April 2008 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Ich wuerde es wieder machen (23.04.08, Ss. 1 + 31) |
|
Wie dumm, aus Fehlern nichts zu lernen.
Die intellektuell aufgeklaerte Auseinandersetzung mit Religion und
Aberglaube war mal in der Tat ueberaus mutig und anerkennenswert,
bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts. Dann gingen Forscher den
anthropologischen Ursachen des menschlichen Hangs zur Religiositaet
nach.
Inzwischen leben wir im 21. Jahrhundert, und sich heute noch so zu
gebaerden, als waere da irgendetwas heroisches in der Verletzung
religioeser Gefuehle anderer ist schlicht erbaermlich. Bei den
Karikaturen Kurt Westergaards, nicht anders als beim Fitna-Film
des Geert Wilders, handelt es sich um nichts als billige intellektuelle
Selbstbefriedigung.
Der Satz Die Karikatur hat bei Muslimen in aller Welt zu heftigen
Protesten gefuehrt, es gab mehr als hundert Tote ist falsch.
Es dauerte mindestens 5 (fuenf!) Monate, eher islamistische Hardliner
es schaften, die Karikaturen zur Provozierung von Unruhen zu
instrumentalisieren. Die Karikaturen haben gegen den Glauben von
friedlichen und frommen Muslimen nichts bewirkt, dafuer aber den
radikalen Extremisten eine riesengrosse Hilfe geleistet. Also haben
sie genau das Gegenteil von dem erzielt, was einige denen gerne
zuschreiben wollen.
Wir sind nicht im Schuluntericht, wo man gerade den 18. Jahrhundert
behandelt. Wachen wir auf, mit solchen Traeumereien loest man die
Probleme von heute nie und nimmer.
Mit freundlichen Gruessen
Waruno Mahdi
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| Datum: | | 6. April 2008 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Frau nach 27 Jahren abgeschoben (06.04.08, S. 13) |
|
Zunächst einmal, einen großen Lob an C.v.L. und dem Tagesspiegel dafür,
hierüber berichtet zu haben: 51-jährige Nicht-Türkei-Staatsangehörige,
Mutter von 7 (sieben!) Kindern, alleine, ohne türkische Sprachkenntnisse,
praktisch mittellos in die Türkei abgeschoben.
Na gut, es wäre vermutlich zuviel von der Justiz verlangt, den hierfür
verantwortlichen Beamten anzuklagen und zumindest auf Bewährung
zu einer Gefängnisstrafe zu verurteilen. Mann kann offenbar von einem
Beamten nicht verlangen, Artikel 1, Satz 1 des Grundgesetzes (die
Würde des Menschen ist unantastbar ...) auch auf eine staatenlose
Gebärmaschine anzupassen.
Aber ein kleines Diziplinarverfahren wegen Unkenntnisses, dass die
türkische Staatsbürgerschaft, zumal an eine in Libanon geborene, mit
einem Libanesen verheiratete, nicht türkischsprechende Frau, nicht
von einem deutschen Beambten zu verleihen sei, wäre das auch noch zu
viel des Guten?
Wetten, dass der Beamte bzw. die Beamtin, selbst vielleicht kinderlos,
nur neidisch war, dass ausgerechnet diese dahergelaufene Zugewanderte
sieben Kinder an das kinderarme Deutschland geschenkt hat. Vielleicht
alle wohl integriert und assimiliert auch noch! Da musste man/frau doch
irgendetwas tun, um dem erstrebten Hass gegen Deutschland vorschub zu
leisten. Wie sollte denn al-Qaida sonst ihr Pensum an Bombenlegern und
Selbstmordattentätern zusammenbekommen? In der Tat, welch ein Mittel-Nutzen-Verhältnis:
nur eine abgeschobene Person, und gleich sieben
hypothetische Terrorkandidaten, die zwei Enkel und alle eventuelle
Lebensabschnitts- und Ehepartner noch nicht mitgezählt!
Ach ja, was ich noch fragen wollte: Wie lautet eigentlich der Eid,
den man bei der Verbeamtung leistet?
Mit traurigen Grüßen,
Waruno Mahdi
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| Datum: | | 15. Dezember 2007 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | immer noch Mindestlohn (15.12.07, S. 4) |
|
Das Gedöns über Mindestlohn für Postangestellte fängt allmählig
wirklich zu nerven. Wie lange will man denn weiter so tun, als
wüßte man nicht weshalb Postangestellten ein Mindestlohn garantiert
werden muss?
Erstens ist da das Postgeheimnis (GG Art. 10, Abs. 1), dessen Gewährleistung
praktisch auf den Schultern der Postangestellten liegt.
Dann kämen noch erschwerend hinzu: Das Arztgeheimnis, das Anwaltsgeheimnis
und Bankgeheimnis, wegen Briefverkehrs zwischen Arzt und
Patient, Anwalt und Mandant, Kunden und Bank, und nicht zuletzt
zwischen Steuerzahler und Finanzamt. Vergessen wir auch nicht, dass
Kontoauszüge, Kreditkarten, ja sogar Kreditkarten-Passwort, heutzutage
per Post zugesandt werden.
Auf jeden Briefträger lastet eine große Verantwortung, welche auch
entsprechend belohnt werden soll. Würden Sie sich wohl fühlen, wenn
Ihr Briefträger wegen Dumpinglohns täglich mit der Versuchung kämpfen
müßte, Briefgeheimnis wahren oder die Kinder satt und warm?
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 23. September 2007 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Die Kunst, ein Antichrist zu sein (23.09.07, S. 1) |
|
Ich freue mich immer über die Beiträge von Harald Martenstein, aber
insbesondere natürlich wenn sie die Sprachwissenschaft tangieren.
Von Pfaffen, nicht anders als von Mullahs, weiss man ja seit je her,
dass die intellektuell sparsamer ausgerichteten unter ihnen dies gern
durch überzogen fundamentalen Rückkehr in das Dunkel der Vorzeit zu
verschleiern versuchen, aber sich erst dadurch um so deutlicher als
entartet enttarnen.
Dabei wäre es eigentlich für jeden ein Leichtes, hier das E-Wort zu
vermeiden, wenn er das wollte. Der Ausweichbegriff lautet degeneriert.
Müssten katholische Priester nicht Latein beherrschen? Denn historisch
war dies wohl der ursprüngliche Begriff, den man seinerzeit mit der
deutschen Lehnübersetzung (de- = ent-; gener[a] = Art[en]; -iert = -et)
ausweichen wollte, bevor letztere dann im NS zweckentfremdet wurde.
Dann stellt sich noch die Frage, wer eigentlich vom anderen abgekupfert hatte,
die Sowjets unter Stalin ihre bourgeoise degenerierte Kunst, oder der
NS seine entartete?
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 31. August 2007 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Mügeln: FDP distanziert sich (31.08.07, S. 4) + azp (S. 8) |
|
Mügeln-Bürgermeister Deuse hat sich in der Tat ziemlich bloßgestellt,
wie Sie sehr treffend bemerken. Es bleibt aber in der allgemeinen
Diskussion ein Punkt unerwähnt, der wie mir scheint in der Beweisführung
von Bedutung sein könnte:
Dass es in Mügeln um eine rechtsradikale Ausschreitung handelt geht m.E.
nicht nur, und sogar nicht so sehr aus den ausländerfeindlichen Ausrufen,
die gemacht wurden hervor. Entscheidend war vielmehr das zahlenmäßige
Verhältnis von 50 Angreifern zu 8 Angegriffenen.
Normalerweise wird ein physische Auseinandersetzung zwischen Jungs, jungen
oder auch erwachsenen Männern 1 gegen 1, Mann gegen Mann , ausgetragen.
Auch wenn Kumpels oder Begleiter, sogar ganze Cliquen des einen oder der
beiden anwesend sind, stehen die anderen in einem Kreis rings um sie herum,
während die zwei Streithähne ihre Differenz untereinander ausprügeln. Das
ist bei allen Völkern der Welt so, auch wenn die Prügelnden (samt Cliquen)
zu verschiedenen ethnischen oder sonstigen Gruppen gehören.
Anders ist das zunächst bei Bandenkriegen oder bei einer Lynch-ähnlichen
Mobbing. Da es sich im Fall von Mügeln nicht um einer der letztgenannten
handelt, bleibt nur eins:
Rechtsradikalismus ist im Gründe genommen eine Bewegung van Losern, die
sich am untersten Rang der Gesellschaft befinden, oder zu befinden wähnen.
Die Bewältigung ihres Minderwertigkeitsgefühls sehen sie in der
rechtsradikalen Gewalt. Aber wegen ihres Minderwertigkeitskomplexes scheint
eine Auseinandersetzung 1 gegen 1 für sie ausgeschlossen zu sein. Bleibt nur
mit vielen gegen einem oder einigen wenigen, am liebsten gegen Minderheiten,
etwa Behinderten, Obdachlosen, oder halt Ausländern, vorzugehen, und
bewaffnet gegen unbewaffnet.
Für anderen wäre ein solches Verhalten ausgesprochen feige, aber Rechtsradikale
sehen halt keinen anderen Weg. Die Verwerflichkeit und Feigheit ihres Handelns
ist ihnen außerdem durchaus bewusst, und deshalb werden sie sich immer hinter
der Anonymität des Mobs verstecken, und niemals zu ihrer Tat stehen.
Sie werden feststellen, dass in allen bekannten Fällen von rechtsradikaler
Gewalt, sowohl gegen Ausländern, wie auch gegen Einheimischen, die Zahl der
Angreifer fast immer ein Mehrfaches der Zahl der Opfer darstellte. Es handelt
sich oft sogar um ein ziemlich extreme Zahlenverhältnis, nicht einmal nur 2
oder 3 zu 1.
50 gegen 8 heißt mehr als sechs zu eins! Eben hierdurch haben sich m.E. die
Hetzer in Mügeln am deutlichsten als Rechtsradikale geoutet. Dazu kommt noch
die beharrliche kollektive Weigerung, sich zu ihrer Tat zu bekennen.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
| Datum: | | 22. August 2007 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Kein Herz für Inder (22.8.07) + Ermittlungen Hetzjagd... (21.8.07) |
|
Danke für die sachliche und gut recherchierende Berichterstattug über den
Vorfall in Mügeln. Man hat sich irgendwie daran gewöhnt, dass ein gewisser
Teil der Bevölkerung anfällig ist für Vorurteile gegen Türken, Arabern,
Afrikanern. Das die Opfer des jetzigen Vorfalls Inder sind zeugt, wie mir
scheint, von einer besorgniserregenden Steigerung rechtsextremistischer
Verblödung. Das verlangt in der Tat auch nach einer Steigerung der
Bemühungen gegen rechtsextremistischer Unterwanderung der Gesellschaft.
In dieser Hinsticht war eine Verlautbarung wie So ein Gewaltexzess ist
nicht hinnehmbar vielleicht ganz aktuell in der Vergangenheit, aber
heute bedeutet das allenfalls, man will immer noch Verharmlosungen von
der Art Bei uns gibt es keine rechtsextreme Szene dulden. Vielleicht
sollte man einfach klip und klar sagen, dass so eine Verharmlosung der
Situation nicht mehr hinnehmbar sei.
Denn, man sieht ja wohin das führt: Sogar Inder werden jetzt zu Opfern.
Der Fairness wegen sollte vielleicht noch daran erinnert werden, dass
es im Osten auch ein Bürgermeister indischer Herkunft gibt. Inder-
klatschen ist also nicht nur seit je her völlig undeutsch, es ist
auch völlig unostdeutsch.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 15. April 2007 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Oettingosaurius filbingophilus |
|
Der in der Tat ungeheuer peinliche Auftritt Herrn Oettingers
hat mich ganz speziell in zweierlei Hinsicht beeindruckt:
Erstens, weckt die anfänglich positive Resonanz in Teilen der Union um
die Gegend Südwest bei aufmerksamen Lesern mit Migrationshintergrund
sofort die Erinnering, dass man eben in Baden-Würtenberg das berühmte
Testformular für Einbürgerungswilligen eingeführt hatte. Nach welch
Deutschlandbild bzw. -verständnis eines Antragsstellers sollte da mit
dem Test nachgeprüft werden? Was mich bereits damals überraschte:
Dem Test sollten lediglich Muslime unterzogen werden. Aber dann fand
ich gleich die Antwort zum Rätsel: Es wurde u.a. nach der Akzeptanz der
Benützung von Kondomen gefragt, und solch eine Frage einem katholischen
Einbürgerungskandidaten zu stellen wäre ja gewiss taktlos gewesen.
Ist wohl doch nicht so einfach, nicht nur für Zugereiste, in diese
unsere Republik anzukommen.
Womit wir dann beim Zweitens wären: Bevor ich vor 30 Jahren nach
Deutschland kam, hatte ich 20 Jahre als Ausländer in der Sowjetunion
verbracht, die letzten 7 Jahre als Fabrikangestellte in einer Kleinstadt,
und kenne deshalb das Leben in einem realexistierenden sozialistischen
Staat aus erster Hand. Etwas, dass mich bereits damals beeindruckte war,
dass die überwiegende Mehrzahl der IMs (die u.a. auch über mich regelmäßig
rapportierten) und der Sicherheitsmitarbeiter (mit welchen ich ebenfalls
in Anrührung kommen musste) handelten aus der ehrlichen Überzeugung, ihre
moralisch gegebene Pflicht zu tun. Deshalb hatten etliche (auch eine
Freundin, mit welcher ich gerade ein Verhältnis hatte) mir dies alles
in der ehrlichen Erwartung meines Verständnisses auch zugegeben.
Nun sind da nicht nur Frau und Kinder von Filbinger, sondern auch die
unzähligen IMs, Stasi-Mitarbeiter, Ost-Nachrichtendienstler und
Mauerschützen haben Frauen und Kinder, die gern dasgleiche erzählt
bekommen würden, womit Herr Oettinger die Filbingers (und vielleicht
auch sich selbst) vertröstete.
Dabei sollte man nicht vergessen, dass Herr Filbinger nicht irgendwo an
der Front sein Leben fürs Vaterland riskierte (wie manch ein in der
Bundeswehr noch als Vorbild eingesetzte Heldenfigur). Er hat aus einem
bequemen Stuhl heraus die eigenen, deutschen Landsleute in den Tot
geschickt (wiederum ohne selbst den Abzug zu ziehen), und wenn ich mich
recht erinnere, wurde das letzte seiner Todesurteilen zu spät vollstreckt,
als es wegen der Kapitulation eigentlich nicht mehr rechtskräftig war.
Na gut, das macht aus ihm noch lange keinen Kriegsverbrecher, aber muss
er denn gleich seliggesprochen und als Held gefeiert werden?
Und vor allem, wie erklären wir das mit dem In-Unsere-Republik-Ankommen
jetzt den Ossis? Desgl. den neueinzubürgernden Migranten?
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 23. März 2007 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Scharia in Deutschland? (22.03.07, S. 36) |
|
Ich bin mit Ihrem Bericht über das in der Tat skandalöse
Urteil völlig einer Meinung, und möchte Sie
außerdem ganz herzlich zum Nachdruck und Erklärung von Sure 4,
Vers 34 des Korans gratulieren.
Dennoch, ehrlich gesagt finde ich die ganze Aufregung um diesen
Aspekt des Urteils etwas übertrieben. Weit schlimmer is etwas
völlig anderes:
Es ist Teil der Rechtsprechung, dass sich die Ehe auf gegenseitiger Liebe
gründet (wenn diese nicht vorhanden war, ist das sogar ein
Grund, die Ehe nachträglich für nichtig zu erklären).
Nun ist es nicht nur so, dass Liebe sprichwörtlich blind sei,
gerade für Richter müsste es ein Begriff sein, wie schwierig es
für eine Frau sein kann, gegen ihrem prügelnden Ehemann
auszusagen (eigentlich ist er ganz lieb, er meint es nicht so).
Deshalb ist das eigentlich skandalöse an diesem Fehlurteil m.E.,
dass die Richterin von der Frau verlangte, sie hätte es zum
Zeitpunkt der Eheschließung besser wissen sollen. Ich finde,
dass ist mit deutschem Recht nicht vereinbar, Koran hin oder her.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 1. März 2007 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | nochmal Christian Klar
(TSp. v. 01.03.07, S. 1) |
|
Ich fürchte, dass der baden-würtembergische Justizminister und
bayerische Innenminister bei ihrer Begründung der auch m.E. zurecht
abzulehnenden Hafterleichterung Herrn Klars da dem letzteren auf
den Leim gegangen sind.
Wichtig hier ist nicht das, was Klar in seinem Grußwort geschrieben
hat (jeder WASG-Trotzkistin hätte eine solche antikapitalistische
Tirade nicht weniger effektvoll hingekriegt, dabei im übrigen auch
Globalisierung und Neoliberalismus nicht unerwähnt gelassen).
Viel bedeutsamer ist was er NICHT erwähnt hat.
Als Grußwort vom letzten nicht zur Freilassung vorgesehenen RAF-Terroristen
wäre das eigentliche Thema, das gezählt hätte, seine
Einschätzung über den von der RAF praktizierten Einsatz von Gewalt
gewesen. Das wäre DIE Gelegenheit gewesen, den Genossen zu beichten,
dass er das jetzt, zurückblickend, für falsch hält. Indem er dies
unterbleiben ließ, sagte er somit, dass er immer noch zu jener Gewalt
stünde. Eben aus diesem Grund darf er keine Haftverschonung bekommen.
Die genannten Minister erwecken hingegen den Eindruck, dass dies
vielmehr mit Klars fortdauernder antikapitalistischer Gesinnung
begründet sei. In einem freiheitlich-demokratischen Staat hat keiner
wegen seiner Gesinnung zu sitzen, und zu suggerieren, dass dies nicht so
wäre, spielt nur den radikalen Linken und Klar direkt in die Hände.
Am nächsten 1. Mai wird man sehen, ob sie diesen Wink verstanden
haben. Die Polizeibeambten, die das dann direkt zu spüren bekommen,
werden den Ministern sicherlich nicht übermäßig dafür dankbar sein.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
| Datum: | | 27. Februar 2007 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | wg. Christian Klar (27.02.07, Ss. 1 & 4) |
|
Danke für die objektive Dokumentation (inkl. Wortlaut des Aufrufs
auf S. 4), dass dem Leser die Bildung einer eigenen Meinung erlaubt.
Christian Klar ist wohl wirklich nicht zu helfen, nicht so sehr wegen
seiner abstrusen Weltanschauung (Deutschland ist kein Gesinnungsstaat,
sondern die Meinungsfreiheit ist hier von der Verfassung garantiert).
Was dem RAF-Terroristen zurecht lebenslängliche Haftstrafen brachte
war der kaltblütige Mord an politischen Gegnern sowie Unbeteiligten.
Es ist die blinde, ins Absolute gesteigerte Selbstgerechtichkeit,
mit welcher ein moralisches Recht auf Tötung in Anspruch genommen
wird, welche sowohl die RAF-Terroristen, wie auch Selbstmord-Jihadisten
kennzeichnet. Solange Christian Klar das nicht einsieht, und sich nicht
erkennbar davon distanziert, wäre eine Freilassung auch meiner Meinung
nach verfrüht.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 11. November 2006 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Stuttmann-Karikatur (11.11.06, S. 10) |
|
Die Stuttmann-Karikatur auf der Meinungsseite (Sonnabend, 11.11.06)
Soldaten spielen Fussball mit Totenschädel fand ich ausgesprochen
geschmacklos. Spielzeitverlängerung um ein Jahr, heißt es da.
Nicht nur bin ich sicher, der Afghanistaneinsatz der Bundeswehr wird von
keinem als "Spielzeit" empfunden, am allerwenigsten von den beteiligten
Soldaten selbst, sondern schon die scherzhafte Anspielung allein muss
für sie geradezu beleidigend sein. Ganz gleich, welche individuelle
Verfehlungen die einen oder anderen unter ihnen begangen haben mögen
von Soldaten erwartet man, eventuell ihr Leben einzusetzen, nicht
aber sich wie Heilige zu verhalten so etwas wie diese Karikatur haben
sie nicht verdient!
Im Übrigen: Historisch soll man am Hindukusch in der Tat mit
Menschenköpfe gespielt haben, aber nicht Fußball, sondern Polo. Das
aber natürlich nur am Rande bemerkt.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 4. Mai 2006 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Mensch Affe (04.05.2006 S. 32) |
|
In der Tat, Menschenrechte sind für Menschen. Der redliche Umgang mit
allen übrigen hominiden Affenarten (Bonobos, Schimpansen, Orang-Utans
und Gorillas) ist durch die Tierschutz-Gesetzgebung geregelt.
Zwar könnte man aufgrund der hohen Intelligenz dieser den Menschen
am nächsten stehenden Tierarten vielleicht irgendeine Sonderstellung
einräumen (vgl. den analogen Fall mit Delfinen), aber sie gehören
trotzdem nicht in die Kategorie Mensch.
Denn nur bei Homo sapiens ist die Struktur des sozialen Zusammenlebens
nicht durch Instinkt allein geregelt, sondern auch durch Kultur.
Nur dadurch ist es möglich, das es eine derartige vielfalt an
Gesellschaftsformen und -strukturen gibt: endogame, exogame, polygame,
monogame, stratifizierte und nicht-stratifizierte, demokratisch und
despotisch geführte, usw.
Eben weil Instinkte allein keine zwingende Wirkung mehr auf Menschen
haben, bedürfte es für die strukturelle Stabilität einer menschlichen
Gemeinde zusätzlich noch ethische Prinzipien, etwa in der Form von
Tradition, Religion, Recht, usw. Infolge dessen kann es Rechte und
Pflichten auch nur für Menschen geben.
Falls man Primaten aber trotzdem Grundrechte geben will, müssten sie
auch Pflichten bekommen, und müsste dann auch ein Strafrecht her für
sie. Dass dies unsinnig ist, versteht jeder, warum dann nicht dass
auch das mit den Grundrechten genauso unsinnig ist?
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 15. April 2006 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Hitzige Debatte/Das Verfahren/Ein Urteil
(15.4.06, Ss. 1, 3, 7) |
|
Der Berg kreischte, und gebier eine Maus?
Nein, weit schlimmer noch, das ist eine größt anzunehemende
Justizblamage, ein ungeheuerlicher Schlag gegen unser
Rechtsystem, woran neuaufgenommene Staatsbürger sich eigentlich
zu orientieren hätten.
Es ist weder dem Kläger noch dem Gericht gelungen, die Ehrlosigkeit
und Verwerflichkeit der begangenen Tat darzustellen, so dass man
die älteren Brüder und den Vater in voller Überzeugung ihrer
moralischen Überlegenheit davongehen liess. Sogar die Perspektive,
man wolle doch dieses Land verlassen und zurückkehren in die
türkische Heimat, wurde durchkreuzt. Denn dort wird so etwas viel
strenger geahndet. Besser aufgehoben bzw. angekommen müssten
sie sich also eben gerade hier fühlen, bei unserer Justiz.
Der einzige klitze-kleine Lichtblick in dem Urteil ist, dass der
jüngere Bruder nach Jugendrecht verurteilt wurde. Damit würdigte
das Gericht wenigstens, das es seine Jugend war, welche es seiner
Familie ermöglicht hat, ihn als Bauernopfer zu missbrauchen.
Die Kehrseite davon ist aber, dass wir nicht nur versagt haben,
die Frau, die sich hier in diesem Land unsere Kultur angenommen
hat, vor jener patriarchalischen Gewalt zu beschützen. Wir haben
auch die Jugend des jüngeren Bruders schutzlos vor Missbrauch
durch dieselbige gelassen.
Eigentlich sollte die Fahne zwei Tage auf Halbmast wehen, zumindest
vor dem Gerichtsgbäude.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
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| Datum: | | 24. Februar 2006 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Roger Cohen: Die Doppelmoral des Westens
(24.02.06 S. 8) |
|
Roger Cohen steckt seinen Finger ganz zurecht in einen wunden Punkt,
aber, die von ihm aufgedeckte Doppelmoral war bzw. ist nur im
Westen einem bedeutenden Teil der Öffentlichkeit unbewusst. In der
muslimischen Welt ist der beschriebene Widerspruch hingegen so
ziemlich allen bekannt. Das erklärt vielleicht das verbreitete
Unverständnis der westlichen Öffentlichkeit gegenüber
Entrüstungsbekundungen von Muslimen.
Aber Cohen geht eigentlich weiter, um das Verbot der Holocaust-leugnung
als Verletzung der eigenen Prinzipien der Meinungsfreiheit
darzustellen. Er fällt da Opfer eines insbesondere unter Liberalgesinnten
relativ weitverbreiteten Denkfehlers, der darin liegt,
dass man gesellschaftlich-moralische Fragen aufgrund von Denkmodellen
mit nur einem Subjekt nachgeht.
Damit kommt man aber schnell zur faschistoiden Vorstellung von der
Überlegenheit des Stärkeren. Erst wenn man sich auch auf
Denkmodellen mit zwei, drei, vielen wechselseitig abhängigen Subjekten
einläßt (denn erst damit nähert man sich der realen Welt), merkt
man die hinkende Logik der zunächst verfassten Rückschlüsse.
Es können nämlich nicht alle gleichzeitig der Überlegene sein,
und auch der einzig stärkste wird aufgrund von Querverbindungen
zwischen den Agierenden mit unter der Unterlegenheit der anderen
leiden müssen.
Noch klarer ist das mit der Freiheit. Sobald man sich auf ein System
mit mehreren gleichberechtigten Individen einläßt, findet die
Freiheit des einen sofort seinen Grenzen dort, wo sie dieselbige
des anderen beeinträchtigt. Deshalb hat Roger Cohen unrecht, wenn
er das Verbot der Holocaustleugnung oder des Antisemitismus insgesamt
zum einzelnen, isolierten Widerspruch zur unbegrenzten Meinungsfreiheit
stilisiert.
Nein, in jeder zivilisierten, auch noch so freiheitlichen Gesellschaft,
also auch mit unserem Rechtssystem, gibt es eine gesetzlich fest
umrissene Begrenzung der Freiheit der Meinungsäußerung. Das fängt an
mit dem Bußgeldkatalog bei der Beleidigung eines Verkehrspolizisten,
oder dem Verbot von Zigarettenwerbung, und reicht bis zum Verbot von
Volksverhetzung oder z.B. von der Werbung für Sex mit Minderjährigen
usw. Diese Begrenzung ist also systemimmanent, und kann nicht als
isolierte Sonderfall oder Ausnahme angesehen werden.
Denn spätestens wenn man sich die astronomisch hohen Schmerzensgelder
anschaut, die amerikanische Gerichte wegen persönlicher Beleidigung
zu verhängen pflegen, muss einem doch klar sein, dass der Verbot von
Antisemitismus nicht als mit der besonderen Geschichte dieses Landes
extra zu rechtfertigende, eventuell doppelmoralische Einschnitt in
eine ansonsten absolut grenzenlose Freiheit der Meinungsäußerung
darzustellen sei.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 5. Februar 2006 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Rushdie, Sürücü, und dänische Karikaturen |
|
Ich war vielleicht einer der Ersten in Deutschland, die sich damals ein
Exemplar der Satanischen Versen von Rushdie beschafften. Nicht weil ich
vor hatte, es zu lesen es steht heute noch ungelesen in meinem Regal.
Ich halte derart billige Profilierung auf Kosten des Glaubens von
anderen einfach beschämend. Bestellt und gekauft habe ich das Buch nur aus
Protest gegen den Tötungs-Fatwa von Chomeini: Erstens, weil ich den Aufruf
zum Mord, ausgesprochen von einem Machthaber gegen einen Schriftsteller, für
ein staatliches Verbrechen halte; und zweitens weil ich ihn als einen
schlimmeren Schlag gegen den Islam ansehe als die inkriminierten Versen
selbst. Dazu kommt noch, dass erst ausgerechnet der Fatwa die Versen zum
Welthit gemacht hatte.
Es ist aber zugleich kein Ruhmesblatt für Old Europe und ihre berühmten
Werte, dass ein solcher Fatwa bereits gereicht hat, um den betroffenen
Schriftsteller gleich als großen Literaten hochzuzelebrieren. Zeugt das
nicht eigentlich eher von einem beklagenswerten Werte-Armut? Von einem
gleichen wie das, welches wir bei den Richtern und der Staatsanwaltschaft
im Prozess gegen die Sürücü-Brüder leider feststellen müssen?
Denn erstaunlicherweise scheinen dieselbigen Brüder immer noch zu glauben,
von der eigenen moralischen Überlegenheit überzeugt, Grund zum lachen zu
haben. Um ihnen dieses zu nehmen hätte es eigentlich gereicht, je einen
türkischen Juristen und Imam, oder einfach nur einen Kulturanthropologen,
im Zeugenstand erklären zu lassen, dass Ehren-Mord weder türkischem
Recht, noch dem Islam entspricht, sondern einen primitiven Überbleibsel einer
barbarischen Vergangenheit, mithin etwas sehr Unehrenhaftes darstellt.
Was, fragt man, sind denn ein 13-jähriges Abitur und Jura-Studium obendrauf
wert, wenn sie vor solch hinterwäldlerischem Primitivismus kapitulieren
müssen. Leider hat das offenbar System. Denn warum müsste erst Kofi Annan
den ganz einfachen Erkenntnis kund tun, mit Hinsicht auf die dänischen
Propheten-Karikaturen, dass die Pressefreiheit den Glauben aller
Religionen respektieren müsse. Dabei handelt es sich eigentlich nicht
einmal um eine Frage des Umgangs mit Religionen. Schließlich war ja von
vornherein bekannt, dass die Karikaturen ursprünglich eine Minderheitengruppe
der Lächerlichkeit preisgeben sollte. So etwas ist nicht nur in
diesem Land tabu, sondern es bestehen darüber sicherlich ziemlich genaue
europäische Bestimmungen.
Man hat aber nichts getan, außer einem handvoll Fundamentalisten viel
Zeit zu gewähren, weltweit zu hausieren und mit z.T. nachfabrizierten
Karikaturen die Gemüter aufzuwiegeln bis (nach 6 Monaten!) eine Protestbewegung
sich aufschaukelte. Jetzt versuch mal die zögernde verblüffte
Mehrheit der Muslime zu Überzeugen, das war von Europa gar nicht gewollt,
oh nein, und hat mit eventuellen Absatzproblemen der Waffenindustrie, oder
was weiss ich, auch rein garnix zu tun.
Sie sehen, zu welchen dummmen Fragen das bei anderen führen kann, wenn man
nicht die eigenen Werte erstmal selbst respektiert, und dementspechend handelt.
Ich meine, sind Afghanistan, Irak und Palästina noch nicht genug, ist es
denn irgendwelchen immer noch irgendwie zu langweilig?
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
(ein überzeugter Materialist)
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| Datum: | | 3. April 2005 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Kennzeichen fuer Fahrraeder? (03.04.05, S.10) |
|
Kennzeichen fuer Fahrraeder? Einerseites waere das vielleicht keine
so schlechte Idee. Auch als taeglicher Radfahrer aergere ich mich
fortdauernt auf meine lieben radfahrenden Mitbuerger, die sich
gedankenlos auf dem Radweg stehen bleiben (am liebsten noch zu zweit
neben einander), oder sich dabei gar quer stellen, oder ihren
Fahrrad so abstellen, dass er in den Radweg hinein ragt. Um die
Geisterradler (die in die verkehrten Richtung fahren) erst gar
nicht zu erwaehnen.
Andrerseits ist der Aerger insgesamt (auch gegenueber Fussgaenger
und dem KFZ-Verkehr) nicht so gross, dass er den enormen Verwaltungs-
und finanziellen Aufwand rechtfertigen wuerde. Es entstuende dann
naemlich erstens den neuen Tatbestand Fahren ohne Kennzeichen, was
mit entsprechendem Aufwand bekaempft werden muesste. Zweitens,
das Kennzeichen wird Verwaltungsgebuehren kosten, so dass auch noch
Kennzeichen-Klau vorkommen wird, und ..., und ...
Wenn man wirklich etwas tun moechte (wovon ich ehrlich gesagt nicht
so fest ueberzeugt bin) fuer die Entflechtung von Fussgaenger- und
Radverkehr, dann braucht man nicht Radler vom Buergersteig bzw.
Fussgaenger vom Radweg zu verbannen. Es reicht den einfachen und
klaren Regel aufzustellen und allgemein bekannt werden lassen, dass
immer derjenige ausweicht oder den Durchgang freigibt, der sich auf
dem falschen Verkehrsweg befindet. D.h., der Radfahrer weicht dem
Fussgaenger auf dem Fussgaengerweg, der Fussgaenger achtet dass er
Radfahrer nicht hindert auf dem Radweg, und wenn zwei Radfahrer
sich auf dem Radweg begegnen, weicht nur derjenige aus, der in der
falschen Richtung faehrt (wenn beide das tun, koennte es naemlich
trotzdem zum Zusammenstoss kommen).
Das wuerde dann auch bedeuten, dass sich ein Fussgaenger jeden
Radfahrer auf dem Gehweg einfach ignorieren soll. Der muesste schon
selber sehen, wie er da weiter kommt. Andrerseits muesste der Radler
auf dem Radweg nicht erst klingeln, geschweige denn ausweichen, wenn
dem einen oder anderen Fussgaenger der Buergersteig nicht breit
genug sei. Nun gut, auf eine alte Einkaufstaschen-beladene Oma, wie
auf Ihrer Karikatur dargestellt, wuerde man vielleicht trotzdem
Ruecksicht nehmen, aber die sind die allerseltensten (wirklich!)
unter denen, die sich Radfahrern in den Weg stellen (meistens sind
das junge Leute, z.T. wegen der allgemeinen Unbekuemmertheit, zum
anderen vielleicht wegen des Nervenkitzels).
Mit freundlichen Gruessen,
Waruno Mahdi
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| Datum: | | 29. März 2005 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Terri Schiavo: Moral, Ernährung, Heiliger Krieg (29.03.2005, Ss. 1, 2, 21) |
|
Eltern, das sind die, die einen schoen finden, auch wenn man
das Gesicht eines Warzenschweins hat, die immer noch zu einem
halten, wenn man der letzte Loser ist und, die einem auch
ueber den Tod hinaus, am liebsten durch blosses Umarmen, den
Koerper warm halten wuerden.
Eltern sind vor dem inneren Zwang der eigenen Gefuehlen fuer
ihr Kind voellig schutzlos. Nicht zuletzt dafuer lebt man ja
in einer menschlichen Gemeinschaft, dass Mitmenschen Eltern
in solchen Faellen auch vor sich selbst schuetzen. Ich finde,
eine solche Notlage der Eltern dagegen fuer politischen Zwecken
auszunuetzen waere sogar fuer eine Gemeinde eingefleischter Atheisten
ausserordentlich herzlos und beschaemend.
Wenn dies dann von einer, die sich als streng religioes
verstanden haben will, begangen wird, so erhaelt die Abgrenzung
zwischen Glauben und Bigotterie doch ungewoehnt klare Konturen.
Mein Mitgefuehl gilt den Eltern von Terri Schiavo, die diese
schnoede Vermarktung ihrer ehrlichen Gefuehlen wirklich nicht
verdient haben.
Mit freundlichen Gruessen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 8. Februar 2005 |
| An: | | Den Spiegel |
| Betreff: | | Der Schleuser-Skandal (Nr. 6 / 2005) |
|
Zunächst: Gratulation! Die Titel-Aufmachung (Schleuser-Erlass,
grünes Licht für Menschenhändler) genial fies, schlichtweg
brilliant!
Erst alle Gegner des Multi-Kulti herbeilocken, dann Seiten lang
mit gefällig Grün-kritischem Text traktierend bis zur entscheidenden
Stelle führen: Keiner der Beamten nahm daran Anstoß, dass
in den Verpflichtungserklärungen stets die gleichen Namen und
Adressen auftauchten. Also, nicht dem Gesetzt sollten etwaige
Änderungen zugefügt werden, sondern den Beamten etwas mehr
Gelegenheit zum Ausschlafen.
In der Tat, was hat das Visa-Skandal eigentlich mit Multi-Kulti
zu tun? Letzteres steht auch nur noch bei Unbelehrbaren auf der
Liste der diskutierbedürftigen Themen. Denn Multi-Kulti hat sich
hierzulande bereits längst bewährt. Das Gesicht des Landes hat
sich dann auch längst entsprechend geändert. Abendessen beim
Italiäner oder Griechen, oder sich eben schnell mal einen Döner
holen, das ist längst deutscher Alltag. Von Denglisch und
Neudeutsch erst gar nicht zu reden. Alles völlig normal und
nicht neu. Oder glauben welche allen Ernstes, dass bereits die
Urgermanen Kartoffel aßen und Tee oder Kaffee tranken?
Wenn man sich ungelernte Arbeitskraft ausgerechnet aus dem
ostanatolischen Hinterland holt, muss man sich nicht wundern, dass es
sich mit der kulturellen Anpassung nicht sofort glatt geht. Aber
auch das ist nicht das Problem. Denn, sind Ruslanddeutsche auch so
fremdartig? Und sind die Unangepassten, die NPD wählen, etwa aus
Ostanatolien? Nun, wenn so viele Deutsche, ob Rusland-, Ossi-,
oder sonstige, ebenfalls Anpassungsprobleme haben, liegt es wohl
nicht an Multi-Kulti, oder?
Zwischenmenschliche Kälte und gegenseitige Sprachlosigkeit sind
hier vielleicht eher die entscheidenden Stichwörter. In den letzten
20-30 Jahren hat sich hier aber sehr viel zum Besseren verändert.
Dazu, wie mir scheint, hat auch Multi-Kulti einiges beigetragen.
Ach, übrigens, dieses im Zweifel für die Reisefreiheit, war
das nicht das, was wir seinerzeit Tag ein Tag aus dem Ostblock
um die Ohren geschlagen haben?
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 20. November 2004 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Clemens Wergin: Nicht in unserem Namen (19.11.04, S. 8) |
|
Ich finde, dass Clemens Wergin den richtigen Ton in dieser Frage
getroffen hat. Slavoj Zizek hat recht: Man darf kein Schlüpfloch
für Folter im Recht öffnen, nicht einmal mit Absicherung durch
richterlichen Beschluss. Das heisst aber dennoch nicht, dass da
überhaupt nichts zu machen sei. Aber es verlangt das Wagnis der
eigenen Schuldaufnahme.
Herr Daschner hat es uns vorgemacht, und jeder darf sebst entscheiden,
was er für respektwürdiger hält: Sein Leben zu riskieren beim Einsatz
gegen bewaffnete Verbrechern, oder seine Karriere und sogar Freiheit
aufs Spiel zu setzen um eventuell das Leben eines Kindes zu retten.
Es bleibt dann dem Richter überlassen, dieses im Nachhinein rechtlich
entsprechend zu würdigen und eventuell schuldminderende Umstände
festzustellen. Aber Strafe muss auf jeden Fall sein, auch wenn ggf.
zum grossen Teil auf Bewährung.
Nur solange dieses Risiko bleibt, kann man halbwegs versichert sein,
dass keinen Freibrief für Missbrauch erlassen wurde.
Zugegeben, den Beruf eines Polizeikommissars macht das nicht gerade
attraktiver. Also: Respekt! Das nachträgliche Hinundhergeschiebe
von Verantwortung und Vorwissen zwischen den Ämtern finde ich
geradezu widerlich. Hilfreich ist es jedenfalls ganz und gar nicht.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 1. Februar 2004 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Bürokrat der Perversion (30.01.04, S. 3) |
|
Das Schlimmste an der Geschichte ist m.E. nicht das Verbrechen selbst.
Wirrköpfe gibt es eben (Neudeutsch: shit happens), wir leben nicht in
Utopia oder Disneyland. Es ist unsäglich grauenhaft, aber letztendlich
kann man sich innerlich davon distanzieren, wie etwa auch von Jack the
Ripper.
Das Schlimmste ist in Wirklichkeit, dass wir kein Gesetz gegen
Kannibalismus haben. Am liebsten würde man alle zuständige Beamten
fristlos entlassen. Aber dafür gibt es auch kein Gesetz.
Hat man denn nicht restlos alles bis aufs Pünktchen auf dem I geregelt
und ggf. verboten? Sogar der Verzehr von Hundefleisch! (bester Freund,
also nicht wie Mitmensch?). Man wehrt sich gegen dieses Schreckensbild:
Es ist bestimmt ein Rück durch den Bundestag gegangen, und das fehlende
Gesetz wird bereits fraktionsübergreifend alsbald zur Abstimmung kommen
(kommt wirklich vor, siehe geplantes Gesetz gegen Kamera-Voyeurismus,
TSp. 01.02.04, S. 1). Aber falsch gedacht.....
Und das ist was mich wirklich an der Geschichte graust.
Oder habe ich nur eine Nachricht darüber irgendwie verpasst?
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 23. Januar 2004 |
| An: | | Den Spiegel |
| Betreff: | | Titel: Händler des Todes (Nr. 4, Ss. 36-50) |
|
Die gute Nachricht dabei ist vielleicht, dass Dank der Schlafmützigkeit
einiger zuständiger Justizbeamten man nunmehr einen eleganten juristischen
Winkelzug bekommt, die strengen Vorschriften hinsichtlich Aufbewahrung der
Asche von kremierten Verstorbenen zu umgehen: Man vereinbare im Testament,
im Todesfall einer eingehenden Autopsie durch den amtlichen Leichenbeschauer
unterzogen zu werden. Danach ist man ein Präparat und darf seine Asche,
eventuell einer geeigneten Plastikmasse beigemischt und zu einer kunstvollen
Ausstellungsobjekt geformt, den Kamin eines Hinterbliebenen zieren.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 8. November 2003 |
| An: | | Den Spiegel |
| Betreff: | | Embryonen: Schröders Versuchsballon (Nr. 45, S. 208) |
|
Was mich immer wieder überrascht ist der Pathos, mit welchem
in einem Klumpen weniger Zellen das volle Maß an Menschenwürde
erkannt wird, während man zugleich ungestört mit plastinierten
Leichen von echten, voll ausgewachsenen Menschen umher hausieren
darf, um sie der morbiden Belustigung des gelangweilten Pöbels
preiszugeben.
Was heißt Menschenwürde, allein schon der Begriff Privatsphäre
wird dabei ins Lächerliche verwandelt, denn die Humanexponate
werden nicht nur splitternackt, sondern sogar enthäutet und
eventuell mit ausgestülpten inneren Organen ausgestellt.
Was dem Embryo betrifft, ist es denn wirklich so schwer zu
begreifen, dass sich Persönlichkeit, und dem entsprechend auch
Menschenwürde, erst allmählich entwickelt, und zwar in dem Maße,
in welchem sich auch die neurophysiologischen Voraussetzungen
eines Bewusstseins im Embryo formieren?
Mit freundliche Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 20. September 2003 |
| An: | | Den Spiegel |
| Betreff: | | Das Y-Chromosom (Nr. 38/15.09.03) |
|
Die sommerlochreifen Sprueche entstammen ja dem Steven Jones,
somit sind Sie entschuldigt. Was die entsprechend reisserische
Aufmachung betrifft, na gut, dafuer lieben wir ja Den Spiegel....
Aber dass es den Mann seit 300 Mio. Jahren gibt, also ich bitte
Sie, selbst vom Schimpansen sind wir noch kaum 10 Mio. Jahren
getrennt, waehrend es Homo sapiens allenfalls 100.000 Jahre
gibt. Also wird es wohl nicht den Mann, sondern das Maennchen
sein, den bzw. das es 300 Mio. Jahren gibt.
Was den Kern der Sache angeht, kann es eigentlich nicht weiterhin
verwunderlich sein, dass das Maennchen einen etwas kuemmerlicheren
Abklatsch des Weibchens darstellt. Schliesslich muss ja letzteres
die Frucht tragen, aus welcher das Nachkommen entstehen muss (auch
wenn im Tierreich gegenteiliges vereinzelt vorkommt).
Dennoch, fuer das Grossziehen eines Nachkommens ist das Maennlein nicht
nur zum einmaligen Befruchtungsakt nuetzlich (ausser bei vereinzelten Tierarten).
Insbesondere bei Homo sapiens bedarf es fuer eine
gesund heranwachsende Generation
eine ganze soziale Umgebung (Mutter, Vater, Geschwister, Grosseltern,
Nachbarn, die Gemeinde). Daran wird auch eine komplett geklonte Brave
New World nicht vorbei kommen. Zum Glueck.
Mit freundlichen Gruessen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 3. Juni 2001 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Königsdrama Nepal (03./04.06.01; Ss. 1 & 32) |
|
Kaum haben wir uns an Berichte von Revolver-Showdowns in amerikanischen
und anderen westlichen Schulhöfen gewöhnt, greift Sohnemann sogar
in der Abgeschiedenheit der Himalayas zum automatischen Gewehr.
Schützt auch traditionelle orientalische Mentalität nicht mehr
vor schießwütigem Nachwuchs? Oder, ist das schon Globalisierung?
Vielleicht ist aber alles in Wirklichkeit viel einfacher. Es gab da
mal eine Zeit, als man sich aus der Urgemeinschaft in die Zivilisation
begab. Da wurden friedfertige Familiengründertypen zu Bauern, und
streitsüchtige Rüpeltypen zu Herrschern. Ob nun jetzt die Nachkommen
der letzteren Journalisten prügeln, Expo-Pavillions bepinkeln, oder die liebe
Verwandschaft wegballern, irgendwie muss das wohl in den Genen liegen.
Nur eins frage ich mich noch manchmal: Wieso gilt Schwärmerei vor
gekrönten Häuptern und anderen Blaublutigen, geschweige denn das
Tragen von aristokratischen Titeln, in einer Republik mit freiheitlich
demokratischer Grundordnung nicht als verfassungsfeindlich? Da lobe
ich mir doch den Standesamtsbeamten, der seiner Zeit einem frisch
angetrauten, nichtadeligen Ehemann einer Freifrau von ... auch
den Familiennamen Freifrau von ... verpasste, statt des verlangten
Freiherr von ... (schließlich heißt die Gattin eines Herrn Königs
ja auch nicht Frau Königin).
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 13. Februar 2000 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Raser müssen tiefer in die Tasche... (05.02.00) |
|
Die höheren Verwarnungsgelder für Radfahrer wird wenig helfen,
fürchte ich, solange man sie in dem Glauben läßt, Opfer einer
bewussten oder faktischen Benachteiligung zu sein. Besonders die
jüngeren werden wohl weiterhin bei Rot, auf Einbahnstraßen in
verkehrter Richtung usw. fahren, eben aus Trotz.
Denn da man in der Praxis offenbar partout nicht gewillt ist,
auf Radwegen geparkten PKWs Strafzettel zu erteilen, noch weniger
sie kostenpflichtig abzuschleppen, und auch keine Verwarnungsgelder
für Fußgänger vorsieht, wenn diese sich z.B. ohne Not auf einem
Radweg zum lockeren Plausch aufhalten und so Radfahrer zum Abbremsen
zwingen, riskiert man vielleicht sogar eine Klage vor dem
Verfassungsgericht wegen Unausgewogenheit oder Unverhältnismäßigkeit.
Denn, der Radfahrer fragt sich doch, wieso er berappt werden soll,
wenn er mal einen Autofahrer oder Fußgänger behindert, diese aber
im umgekehrten Fall nicht.
Haben wir Verständnis dafür, dass Politiker Rücksicht nehmen müssen
auf Autolobby und auf die Wählermassen, die als Fußgänger unterwegs
sind. Man hätte sich wenigstens auf ein Bußgeld für das Zerbrechen
von Glasflaschen auf Radwegen entschließen können. Auch der Verbot,
temporäre Straßenverkehrszeichen, Müllkontainer, abgesägte Baumäste
und Trockenlaub auf Radwegen abzustellen (alles täglicher Praxis),
dürfte weder Autolobby noch Wähler-Fußvolk verprellen.
Und es würde ganz bestimmt niemanden schaden, das Anlegen von Radwegen
mit seitwärtiger Schieflage strengstens zu verbieten. Um bei Glatteis
auf solchen Radwegen nicht seitwärts auszurutschen, sind Radfahrer
gezwungen, auf den Fußgängerteil des Bürgersteigs (auf wundersamer
Weise immer schön eben und ohne Schieflage) auszuweichen. Wirklich
makaber wird das in inneren Kurven bei auswärts gekipptem Radwegbelag.
Die ohnehin in Kurven wirksame Fliehkraft wird verstärkt, bei Glatteis
rutscht der Radfahrer in die daneben verlaufende Fahrbahn, unter die
Räder eines eventuell vorbeifahrenden LKWs. Beispiel: westwärtsführende
Rechtskurve der Yorkstraße gegenüber der Einmündung der Katzenbachstraße,
wo außerdem noch ein Zaun ein Ausweichen zu den Fußgängern versperrt.
Sehr hilfreich wäre, den Radweg vom Bürgersteig auf die Fahrbahn zu
verlegen, wie in einigen Bezirken bereits teilweise praktiziert. Das
wird aber gewiss viel Zeit in Anspruch nehmen. Ein großer Beitrag zur
Entflechtung von Rad- und Fußverkehr wäre bereits, Telefonzellen sowie
Posteinwurf- und Müllbehälter auf die Fußgängerseite zu verlegen, damit
Fußgänger nicht gezwungen werden, den Radweg zu überqueren um an sie zu
gelangen, oder gar auf den Radweg zu stehen beim Einwerfen von Briefen
oder Müll (bei der gegenwärtig offenbar bevorzugte Anbringungweise der
entsprechenden Behälter unvermeidlich).
Einige weitere Anregungen: Statt Gegenverkehr von Fahrrädern in einigen
Einbahnstraßen explizit zu erlauben, sollte man dieses generell gestatten
und bei Bedarf explizit verbieten. Denn jetzt hat man Fälle wie z.B.
der nördlichste Abschnitt der Rüdesheimer Straße (Wilmersdorf). Obwohl
verkehrsarm und so breit, dass zwei LKW locker nebeneinander Platz finden,
ist der Abschnitt als Einbahnstraße ausgeschildert ohne "Fahrräder frei"
Schild.*) Eine bequeme Ausweichroute über Paralellstraßen ist da auch
nicht vorhanden, ebenfalls wegen Einbahnstraßenregelung. Bleibt nur
ein Ausweichen auf den meistens gottseidank unbevölkerten Bürgersteig.
Man sollte auch aufhören, Radwege in der Nähe von Kreuzungen in Zikzak-
oder ausschweifendem Mäanderkurs zu führen nur um vermeintlichen
ästhetischen oder künstlerischen Ansprüchen verträumter
Straßenbau-Architekten Genüge zu tun. Abgesehen davon, dass dies dem Radfahrer
unnötigerweise zusätzliche Veräußerung von Muskelkraft abverlangt, kann
ein Fahrrad genauso wenig zikzakfahren wie ein Auto, und eine Änderung
der Fahrtrichtung sollte mit einer Kurve statt in einem Winkel geführt
werden. Sonst sind bei wetterbedingter Glätte (nasse Blätter, Eis)
Schurfwunden, Prellungen und Verstauchungen einprogrammiert.
Und letztendlich, für rechtsabbiegende Fahrräder soll generell der
grüne Pfeil gelten. Denn, sie dabei am roten Ampel warten zu lassen,
wenn keine überquerenden Fußgänger oder Radfahrer im Wege sind, ist
unsinnig, und dies zu müssen wird zwangsläufig als Willkür und Schikane
empfunden. ähnlich sollte auch für die gerade Strecke einer T-Kreuzung
automatisch ein grüner Pfeil für Geradeaus gelten. Auch hier kommt
der Radverkehr dem Kraftverkehr nicht in die Quere, und sollte bei Rot
nur noch vor überquerenden Fußgängern und einbiegenden Fahrrädern halten.
Kurzum, Fahrradgerechte Radwege und Fahrregeln würden vielleicht mehr
bringen als das Aufstocken von Bußgeldern.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
| *) | Späterer Nachtrag: Etwas über
ein Jahr nach diesem Leserbrief wurde der genannte Straßenabschnitt in der Tat mit einem "Fahrräder frei" Schild versehen. |
|
| Datum: | | 31. Dezember 1999 |
| An: | | Den Spiegel |
| Betreff: | | Titel: Tanz ums goldene Kalb (Nr.51/20. Dezember 1999) |
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Der Spiegel machte in seiner
diesjährigen 51. Ausgabe die philosophisch
fundierte Suche nach der Moral am Vorabend des Jahres 2000 zur
Titelgeschichte. Der Konsens darüber, was gut und was böse ist,
schwindet, wie überhaupt der Wert, den die heranwachsende Generation
auf die Moral legt.
Die scheinbare moralische Ausweglosigkeit der ausgemalten Situation
hat ihren Ursprung, wie mir scheint, im Beharren der Philosophen auf
das absolute Primat des Geistes vor dem Materiellen. Wir schleppen noch
immer Gedankengut mit uns herum, das in der Aufklärung des 17. und 18.
Jahrhunderts hoch aktuell war, inzwischen jedoch vom Stand des Wissens
überholt wurde.
Gemeint hier ist keineswegs die klassisch materialistische Darstellung
von Geist als Attribut von Materie. Die Einsicht in die Ursprünglichkeit
von Materie wird für einen bedeutenden und keineswegs unzureichend
gebildeten Teil der Menschheit offenbar immer als Metaphysik erscheinen.
Bedeutsamer, oder zumindest wissenschaftlich verbindlicher erscheinen
mir deshalb Erkenntnisse, die aufgrund umfangreicher konkreter
Feldbeobachtungen von Ethnologen und Anthropologen gewonnen wurden.
Bereits im 19. Jahrhundert bildete sich die allmählige Einsicht, wie
die Auseinandersetzung zwischen Mensch und seinem materiellen und sozialen
Umfeld zu der Entwicklung von rituellen und Glaubens-Traditionen führte.
Anfang des 20. Jahrhunderts kam man zum Begriff der mystischen Logik,
die nicht nur die Denkweise von Urmenschen charakterisierte, sondern
auch modernen Menschen nicht fremd ist.
Der Kreis schloss sich Mitte des 20. Jahrhunderts, als einem klar wurde,
dass der grundsätzliche Unterschied zwischen Homo sapiens und dem übrigen
Tierreich nicht etwa in der Intelligenz, der Verwendung von Werkzeugen,
oder der Fähigkeit zu Kunst lag, sondern darin, dass die soziale Struktur
einer menschlichen Gemeinde auch kulturell bedingt ist (und somit genauso
viele Spielarten kennt, wie es Kulturen gibt), statt nur biologisch (und
daher streng artspezifisch). Das Multikulti von Monogamie/Poligamie,
Endogamie/Exogamie, Matriarchat/Patriarchat, Demokratie/Autokratie,
egalitäre/Standes- oder Klassengesellschaft, Feudalismus/Kapitalismus usw.
innerhalb der gleichen Spezies, so etwas kennt die übrige Tierwelt nicht
einmal ansatzweise.
Wie, fragt man sich, konnte bereits der primitivste Urmensch das Leben
seiner Gemeinden organisieren, wenn wir mit all unserem High-Tech nicht
einmal das Verhalten unserer Kinder in den Griff bekommen, geschweige
denn das unserer Politiker?
Er besaß natürlich weder das nötige Wissen, noch die Fähigkeit, Erfahrung
logisch rational in Wissen umzusetzen. Er sammelte und verarbeitete sie
ganz unsystematisch, intuitive, und vor allem mystisch. Die Fantasie,
durch welche er in allen Gegenständen und natürlichen Phänomenen um sich
herum eine eigene Willens- und Tatkraft wähnte, als wären die mit eigenen
Geistern beseelt, hatte zur Folge, dass er sich quasi von jenen
vermeintlichen Geistern dressieren ließ. Der Mechanismus der Entstehung
moralischer Glaubenssätze könnte man sich anhand dessen veranschaulichen,
wie das Tabu gegen Inzest vermutlich entstanden ist: Der Urmensch musste
gefolgert haben, dass Verkehr unter Geschwistern die Geister erzürnte,
was daraus zu erkennen war, dass aus solcher Vereinigungen oft kränklicher
Nachwuchs hervorging. Also fügte er sich dem wie er meinte von den
Geistern auferlegten Tabu.
Hieraus lassen sich eine Reihe von wichtigen Schlüssen ziehen:
Erstens ist der Glaube auch aus rein materialistisch anthropologischer
Sicht ein fundamentales menschliches Attribut, das für das geordnete
Funktionieren eines menschlichen Gemeinwesens und für das seelische Heil
dessen individuellen Mitglieder genauso wichtig ist, wie das Atmen und
Sich-Ernähren für deren Lebensfunktionen. Denn ein Wesen, das die
Fähigkeit besaß, biologische Instinkte zugunsten kultureller Regeln zu
unterdrücken, konnte nur überleben, wenn anstelle instinktiver Hemmungen
genauso verbindliche kulturelle eintraten. Seine Glaubensfähigkeit,
die dabei die maßgebliche Rolle spielte, musste wohl an einer wichtigen
Schnittstelle im Übergang vom Menschenaffe zum Menschen den
ausschlaggebenden Selektionsfaktor gewesen sein.
Nicht zufällig, also, sehen sich sogar Humanisten schließlich auch nur
Menschen dazu genötigt, der primäre Ursprung ethischer Prinzipien im
Geist zu suchen. Nicht einmal die ideologisch abgehärtesten Kommunisten
kamen ohne Pantheon von Patriarchen, Heiligkeit als ulimativer Ausdruck
des moralisch Verbindlichen, oder Pilgerstätten und anderen Orten und
Gegenständen der rituellen Verehrung aus. Echt atheistisch ist wohl
nur ein kleiner, eigentlich sehr bedauernswerter Schar wirklich
nihilistischer Anarchisten. Wie auch immer, es kommt gar nicht darauf
an, ob man Idealist, Materialist oder Agnostiker ist: Die Wichtigkeit
des Glaubens insbesondere in seinem moralisch-ethischen Aspekt bleibt
bestehen, unabhängig davon ob von einem personifizierten Gottesbegriff,
von einem ganz gleich wie gearteten kultivierten Geist oder idealistischen
Edelmut herleitend. Nur für seine Wirksamkeit, uns ins Gewissen
hineinzureden, schlüpft er sich in jenen edelen Gestalt,
denn unsere Empfänglichkeit dafür wurde in langwiereiger
natürlicher Selektion geschärft.
Zweitens handelt es sich beim wie beschrieben entstehenden Glauben
nicht um direkt logisch und rational hergeleitetes Wissen. Das hilft
ein wichtiges Problem zu klären, dass die Abkehr vom Primat des Geistes
sehr vielen bereitet: Der sachlich utilitäre Beigeschmack, der dann
allen ethischen Prinzipien beihaftet. Aber die dialektisch indirekte
Herleitung des Prinzips gilt auch dann, wenn der materielle Zusammenhang
durchaus transparent ist. Denn, wenn ich einen auch von anderen benutzten
Raum so hinterlasse, wie ich ihn selber gern immer vorfinden möchte, hat
nur ein anderer der nächste Benutzer etwas davon. Erst wenn es zum
Grundsatz wird, den alle Benutzer befolgen, profitieren davon auch alle,
ich selbst mit eingeschlossen. Der Zauber gelingt erst über den Umweg eines
allgemein befolgten ethischen Glaubenssatzes, bei dem man nicht gleich
seinen unmittelbaren Eigennutz im Vordergrund hat, sondern diesen nur
über die Wahrung der Interessen des Allgemeinwohls. Was nun aber den
indirekten Eigennutz anbelangt, hat denn nicht auch die pietätvollste
religiöse Hinwendung letztendlich das eigene seelische Heil zum Zweck?
Drittens, folgt aus dem Obigem, dass moralische, ethische, oder religiöse
Glaubenssätze relativ sein müssen, da durch die konkreten Verhältnissen
bedingt, in denen sie enstanden sind. Die Relativität jedes moralischen
Prinzips gilt auch für noch so universelle religiöse Gebote. Ganz
abgesehen davon, dass ein Psychiater sich eventuell eine Klage wegen
Körperverletzung einhandelt, wenn er das Gebot, nicht zu Lügen,
konsequent befolgt, hat das Gebot Du sollst nicht Töten noch keinen
Patriarchen, nicht einmal Moses selbst, dazu veranlasst, die Abschaffung
von Streitkräften zu fordern. Moralische Doppelbödigkeit könnte darin
jedoch allenfalls ein überzeugter Pazifist-Totalverweigerer ersehen,
auch wenn der Begriff Friedensmission erst in der allerjüngsten Zeit
gemünzt wurde. Außerdem hat noch keine Religion (noch weniger irgendein
religiöser Fundamentalist) von Haus aus die Abschaffung der Todesstrafe
verlangt, sondern eher wohl Anhänger von Glaubensrichtungen die zum
Humanismus oder Freidenkertum tendierten.
Aus umfangreichen ethnographischen und anthropologischen Daten kennt man
ja die Flexibilität religiöser Glaubenssätze zugenüge. Der Mensch hat in
allen Kulturkreisen schon immer grenzenlose Fantasie und Kreativität
an den Tag gelegt, um althergebrachte religiöse Prinzipien nach Bedarf
umzudeuten, sie in Einklang mit veränderten Lebensbedingungen zu bringen.
Jede Weltreligion ist in unzähligen Modifikationen vertreten, die bei
orthodoxer Unveränderbarkeit ja nie hätten entwickeln können.
Wir kommen nun endlich zum aktuellen Problem: Warum geben Religion und
Moral unserer Jugend nicht mehr den erhofften geistigen Rückhalt?
Zunächst braucht man sich nur die Probleme anzusehen, die die Jugend
gerade zuletzt beschäftigten: Gleichstellung von Mann und Frau,
Bekämpfung von Umweltverschmutzung, Eheähnliche Beziehungen ohne
Trauschein oder nicht zwischen Mann und Frau, usw. Was sagt dazu die
Kirche (oder auch die Moschee)? Wem wundert es, wenn der eine oder der
andere sich dann vielleicht zum Buddhismus wendet (nicht dass daran
an sich etwas verkehrt wäre, nur dass es vom Versagen der Religion, der
man zuvor angehörte, zeugt), oder gar vollends verwirrt einen Bhagwan aufsucht.
Und musste die Regelung jener Probleme nicht auch gegen dem zähen Widerstand
von Regierungen und sonstigen weltlichen Statthaltern geistig-moralischer
Authorität durchgesetzt werden?
Es kam noch schlimmer: Während des kalten Krieges gab es ein rebellischer
Jugend auf beiden Seiten des eisernen Vorhangs. Klar, dass es sich von
selbst verstand, die rebellische Jugend des jeweils gegnerischen Blocks
moralisch anzustacheln, und die eigenen Blagen irgendwie abzulenken und
sich auf unkritischen Sachen konzentrieren zu lassen. Während sich hier
die Jugend Ho, Ho, Ho chi Minh skandierend durch die Straßen zog und
umstürzlerische Fantasien wie Befreit Grönland vom Packeis zelebrierte,
erfreute sie sich drüben klammheimlich an Boogy-Woogy, Rock-n-Roll,
Disco und anderen Schmuggelwaren vom Klassenfeind (Nylons, Jeans). Also
unterminierte man gegenseitig in trauter Uneinvernehmlichkeit gezielt
die moralische Lauterkeit der Jugend, wie sie von der im jeweiligen Block
herrschenden Ideologie verstanden wurde. Wichtigster
Nebeneffekt: Die Zerstörung des unterschwelligen Respekts der Jugend
vor der jeweils eigenen Erwachsenenwelt.
Aber auch das war noch lange nicht das allerschlimmste. Als mit dem
Untergang des Ostblocks die Motivation für jene moralische Subversion
verschwand, war sie eigentlich längst nicht mehr wirklich aktuell. Die
Jugend im Westen hatte mittlerweile Atomkraft nein Danke und Öko-Power
für sich entdeckt. Dies ließ sich ja schlecht vom Ostblock in dem
Punkt weit angreifbarer als der Westen instrumentalisieren.
Andrerseits verlor die Politik der Einnahme der Jugend für Konsumkult und
Mode-Schnickschnack ihre besondere Zielrichting gegen Ost dies war
wohl auch niemals die ausschließliche oder auch wichtigste Motivation
gewesen.
Es ist im Nachhinein schwer festzustellen, was wohl der eigentliche
Motivation oder treibende Kraft war.
Der Schock, den die Eskalation von der Halbstarkenrebellion der 50er zur
offenen 1968er Revolte sowohl bei Politik wie auch bei Wirtschaft bewirkt
haben muss, führte seinerzeit zu eingehenden Forschungsprojekten über
psychologische Aspekte des radikalen Aktivismus und über
Massenverhaltensmanipulation durch Werbung (der im Koreakrieg entstande
Begriff Gehirnwäsche war allen noch frisch im Gedächtnis).
Daneben führte immer neue Spirale der Konjunktursankürbelung dazu, dass
auch der Massenabsatz von möglichst kurzlebigen Wegwerfprodukten und der
Kauf auf Pump nicht mehr steigerungsfähig waren. Wo Erwachsene kaum noch
zu immer leichtsinnigerem Konsum animiert werden konnten, musste die
leichter beeinflussbare Jugend her, und sogar Kinder. Das blieb nicht ohne
Folgen, wobei die unter Schulkindern wütende Jahrmarkt der Eitelkeit mit
Markenwaren wohl eher die harmloseste ist (Nebeneffekte: Gelderpressung
von schwächeren Schülern; Teilzeitprostitution bei einzelnen Studierenden
und Auszubildenden, im Ausland manchenorts sogar auch bei Schülerinnen
und Schülern). Die Hauptbotschaft, die die Kinder eingetrichtert bekamen,
lautete: Wichtig ist der oberflächliche, vordergründige äußere Schein,
und nicht das tieferliegende, inhaltliche, innere Wesen.
Die Kinder wurden langsam aber sicher vom moralischen Obhut der Eltern
losgelöst durch kommerzielle Instrumentalisierung des jugendlichen
Abnabelungsprozesses (traue keinen über 30). Natürliche pubertäre
Aufmüpfigkeit, eine sehr empfindliche Phase des Werdegangs eines Menschen,
bekam unerwartete (und eigentlich sehr verwirrende) moralische
Unterstützung von erwachsenen Geschäftemachern. Solch derber Eingriff
ins Intimbereich des jugendlichen geistigen Wachstums kannte man
ursprünglich allenfalls von fragwürdigen, charakterschwachen, moralisch
labilen Einzelerwachsenen.
Es fügte sich, dass die technologische Akzeleration die Jugend immer
mehr aus der Lehrabhängigkeit von Erwachsenen herauslöste. Die Periode
technologischer Erneuerung wurde immer kürzer und hat mittlerweile den
beruflich aktiven Lebensalter eines Menschen unterschritten. Wie man
einen Auto fährt konnte Sohnemann noch vom Papa lernen. Beim Umgang
mit Komputern verhält es sich jetzt völlig umgekehrt. Die Botschaft,
die die Werbung der Jugend vermittelte, scheint sich ihr zumindest
mit Hinsicht auf die Erlangung des vordergründigeren, anschaulicheren
technischen Wissens zu bestätigen. Also haben die Oldies/Grufties auch
in moralischen Fragen, wo Wissen in verdeckter, indirekter, dürch die
Erfahrung vieler Generationen akkumulierter Form steckt, immer weniger
zu melden.
Zwar hat eine auf sich allein gelassene Generation noch niemals Kultur
von Null an neu aufgebaut, doch ihr wurde bis jetzt immer die fatalen
Folgen ihres kulturlosen Zustands unmittelbar vor Augen geführt, in der
Regel durch physischen existenziellen Untergangs ihres Gemeinwesens.
Die jetzige Generation erlebt die natürliche Welt immer mehr auf dem
Bildschirm statt im Original, und soziale Beziehungen eher im virtuellen
Welt des Komputerspiels und des Internets. In der Abkapselung von der
Realität kommen Folgen des moralisch-ethischen Defizits für den
Einzelnen erst überhaupt nicht ernsthaft registrierbar zum Tragen
bis dann und wann. Man hat die Jugend in eine glitzernde Scheinwelt
gelockt, in welchen ethisches Auftreten und Zivilcourage durch
dessen bzw. deren virtuelles Abbild ersetzt wurde.
Es ist aber wenig hilfreich, den schwarzen Peter nun sogleich der
Wirtschaft zuzuschieben. All dies dient zwar der Erörterung der
Wurzeln des Problems, taugt aber überhaupt nicht zur rituellen
Klärung der Schuldfrage. Es geschah ja alles in Interesse unseres
allen liebgewordenen Wohlstandes und wir haben das gewusst. Wenn also
jemand schuld ist, dann sind wir das alle miteinander selbst. Doch
Ökonomie dient (auch bei Wohlstand) der existenziellen Selbsterhaltung,
und was immer man dafür tun muss kann einem wohl kaum zum Vorwurf gemacht
werden. Das bedeutet aber nicht, dass man nichts dagegen tun kann oder
soll.
Es gibt zunächst zwei Arten von Prophezeihungen: Die, die sich
bewahrheiten und die, die sich nicht. Dann gäbe es eventuell noch
Prophezeihungen der dritten Art, wenn man hinterher verdutzt dasteht
ohne so richtig entscheiden zu können, ob sie erfüllt oder nicht
erfüllt wurde. Die Prophezeihung der weltweiten Katastrophe durch einen
mit dem Jahr 2000 (Y2K) verbundenen Komputerfehler (auf Englisch mit
der Abkürzung TEOTWAWKI bezeichnet [The End Of The World As We Know It])
könnte sich durchaus als eine solche
erweisen.
Der Untergang Roms stürzte Europa in das dunkle Ära des Mittelalters,
doch Zivilisation blieb anderswo weiterhin erhalten, in China, Indien,
im Nahen Osten. Die griechisch-römische Kulturerbe blieb gut in der
arabisch-muslimischen Welt erhalten, um in der Renaissance nach Europe
zurückzukommen. Das Reich der Mayas ist vermutlich an den Folgen einer
selbstverursachten Umweltkatastrophe zugrunde gegangen. Auch jene
zentralamerikanische TEOTWAWKI blieb in seiner Wirkung örtlich
begrenzt.
Durch die Globalisierung wären die Folgen des Komputerfehlers gleich
globalisiert, genauso aber Folgen jedes anderen vergleichbar fatalen
Fehlers. Die weltweite AIDS-Seuche soll angeblich auf eine unreine
Versuchs-Charge eines Vakzins gegen Kinderlähmung zurückgehen. Da war
Globalisierung noch lange nicht richtig in Gang gekommen. Nun muss die nächste
Katastrophe nicht unbedingt durch global vermarktetes BSE-Rind, oder
weltweiten Einsatz genetisch veränderter Soyabohnen immer an der
Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit vorbei erfolgen. Wir sind auch
noch weit genug davon entfernt, bis ein Sloterdijkeske Verengung des
humanen Genpools zur Umkippung des sich auf breiter menschlicher
Verschiedenheit gründenden menschlichen Gemeinwesens führt.
Die zur nächsten ernsten Katastrophe führende Komputermacke wird
wahrscheinlich nicht der Y2K-Systemfehler sein, auch wenn hier und da,
insbesondere in technisch unterentwickelten Regionen, mit ernsten
Schwierigkeiten zu rechnen sind. Aber die an der Schnittstelle
zwischen Mensch und Machine, die zur Entsozialisierung des Menschen
und dadurch zur Virtualisierung seiner Moral führt, die könnte sich
als tödlich erweisen. Denn, wie aus dem eingangs Erörteten hervorgeht,
spielt Glauben oder Moral eine entscheidende Rolle im Funktionieren
des menschlichen Gemeinwesens.
Kinder mit Lust zum Massenmord und Mittel zu dessen Realisierung sind
vielleicht nur Vorboten für das, was noch kommt. Unsere Demokratien
können mit einer Bevölkerung von Nihilisten nicht fortbestehen.
Dass die Demokratie ursächlich für industrielle Entwicklung und für
den Sieg gegenüber dem sozialistischen Ostblock verantwortlich war,
muss aber eigentlich nicht noch gesondert betont werden.
Es besteht gute Hoffnung, dass sich die Verantwortlichen sich durch
die drohende Perspektive hinreichend aufschrecken lassen, um wirksam
gegenzusteuern. Denn ein noch größerer Horror als der Weltuntergang
für die exklusive Gesellschaft, die jährlich zum Stelldichein in
Davao eintrifft, wäre eine Regionalkatastrophe, von welcher Andere
eventuell nicht gleichermaßen getroffen wären. Zwar wird der
Y2K-Fehler eventuell größere Schäden in Schwellenländern verursachen,
als in den Industrieländern, aber der streng-puritanische Drill, dem
die dortige Jugend noch unterzogen wird wird sie bestimmt vorerst
vor dem Moralschwund-Syndrom bewahren.
Und was kann getan werden, um eine von religiösen und weltlichen
Moralaposteln desillusionierte, aufgrund virtuell gesammelter
Lebenserfahrung den Nutzen von Moral verkennende Jugend zu läutern?
Es erscheint geradezu selbsterklärend, dass man sie nur mit einer
entmystifizierten Moral erreichen könnte. D.h., man sollte endlich
weg von der idealistischen Begründung des Moralisch-Ethischen
bewegen, hin zur Bloßlegung ihrer in den Bedingungen des materiellen
Lebens liegenden Ursprung. Das gelingt nur (siehe oben) wenn man
dialektische Logik einsetzt.
In dieser Hinsicht hat man in Deutschland aus zweierlei Gründen die
Nase vorn. Erstens hat man sich in den letzten 200 Jahren nirgendwo so
eingehend mit der Dialektik befasst, wie in diesem Land. Zweitens hat
man durch die Wiedervereinigung jetzt einen Bevölkerungsteil, dem in
der DDR, wie in allen Ostblockländern, dialektischen Materialismus
zwangsbeigebracht wurde.
Leider (oder vielleicht zum Glück) wird letzerer Umstand weniger ins
Gewicht fallen, als ersterer, nicht nur weil Wissen, das unter Zwang
doziert, äußerst widerwillig aufgenommen wird und meistens in den einen
Ohr rein, aus dem anderen raus fließt. Das kommunistische Bekenntnis zum
dialektischen Materialismus war vermutlich der größte Propagandablöff,
mit welchem der Ostblock den Westen einzuschüchtern versuchte.
Nichts ist so Antiautoritär wie dialektischer Materialismus, denn er
lehrt von der Konkretheit jeder Wahrheit, und verneint die reele
Existenz von absoluter Wahrheit. Was unter bestimmten Bedingungen oder
zur bestimmten Zeit richtig ist, kann unter anderen Bedingungen oder zu
anderer Zeit unrichtig sein die ultimative Erklärung der Vitalität
des Meinungspluralismus. Die Dialektik war den Kommunisten wichtig
als sie noch nicht irgendwo die Macht ergriffen hatten. Danach
bereitete sie ihnen unlösbare ideologische Probleme.
Im kalten Krieg war sie dem Westen mit recht suspekt, denn in den
Köpfen einer rebellischen Jugend wäre sie äußerst gefährlich gewesen.
Die Frustration der 1968er Bewegung könnte man vermutlich zu einem
großen Teil darauf zurückführen, dass sie entweder überhaupt nicht, oder
nur mit dem im Ostblock entarteten Form der Dialektik bekannt war.
Aber jetzt is der kalte Krieg nur noch Geschichte.
Also, liebe hochdotierte Philosophie-Professoren, bitte legen sie
Habermas ad acta, und greifen sie zu Dialektikbüchern. Erklären Sie
dann endlich den jungen Leut, warum Moral so unverzichtbar ist.
|
| Datum: | | 12. April 1998 |
| An: | | Den Spiegel |
| Betreff: | | 15/1998 STASI Warum ausgerechnet ich? |
|
Sie haben richtig bemerkt, dass Dekonspiration die effektivste
Methode war, um sich vor Mitarbeit zu druecken. In den 70er Jahren war
ich in der russischen Stadt Woronesch der einzige Indonesier weit
und breit, und hatte mich mit der örtlichen vietnamesischen
studentischen Gemeinde befreundet. Als ich ein Problem mit der
Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung hatte, wurde mir nahegelegt, ich sollte
Spitzelaufträge übernehmen.
Ich tat so, als wäre ich einverstanden, ohne die Absicht zu haben
diese richtig auszuführen. Auf erste Fragen nach Meinung der Vietnamesen
über die Sovietunion, gab ich das Standard-Blabla der Propaganda,
dass sie für die bruderliche Hilfe der UdSSR sehr dankbar seien,
usw. usw. Das nahm der Verbindungsmann mir zwar nicht ab, aber ich
sagte einfach, das sie vielleicht mir nicht so recht vertrauten
und nur deshalb nicht ihre geheime Meinung sagten.
Meine Rettung kam, als ich kurze Zeit später ein Paar Urlaubstage in Moskau
verbringen konnte, wo ich einigen befreundeten Landsleuten
über den Anwerbungsversuch erzählte. In Woronesch zurückgekehrt
gab ich dann zu, mich verplappert zu haben. Das schwierigste
war, während der darauffolgenden, unendlich erscheinenden Schimpftirade
die richtige traurige Versagermiene aufrecht zu erhalten, um nicht
durchblicken zu lassen, dass ich mich mit Absicht dekonspiriert hatte.
Danach wurde ich nie wieder damit behelligt.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 6. April 1998 |
| An: | | Den Spiegel |
| Betreff: | | 14/1998, Streitgespräch Geißler/Eibl-Eibesfeldt |
|
Nein, das finde ich wirklich gemein! Einen deutschen C4-Professor so
vor aller Welt vor zu führen. Mir tun jetzt besonders seine Studenten,
Diplomanden und Doktoranden leid. Und denken Sie bitte auch an die
vielen deutschen Anthropologen, Ethnologen, Linguisten, Archäologen,
die sich unter oft schweren Bedingungen um die Erkundung oder Erhaltung
der kulturellen und sprachlichen Erbschaft bedrängter, aussterbender,
oder vielleicht schon ausgestorbener Völker überall auf der Welt, und
somit auch in Sache Völkerverständigung verdient machen.
Der Instinkt zum Fremdenabwehr ist keine spezifisch menschliche Eigenschaft,
sondern findet sich in der ganzen Tierwelt wieder, ob bei Ameisen oder
bei Meereskatzen. Spezifisch menschlich hingegen ist die Eigenschaft, die
Rolle von Instinkten im sozialen Gemeinwesen kulturellen moralischen
Prinzipien unterzuordnen. Diese Unterordnung ist und war allen Kulturen
gemein, ihre Aufhebung führt zur unmittlebaren Ausrottungsgefahr (siehe
Bounty-Meuterer bei der Erstbesiedlung der Pitcairne Inseln). Dass ein
Politiker oder ein Journalist dieses eventuell nicht weiß, wäre verzeihlich.
Bei einem Anthropologen (oder Ethologen) gehört es aber zum fachlichen ABC.
Noch befremdlicher ist der Versuch, die Äußerung dieser Unterordnung
bei etwaigen steinzeitlichen Urvölkern undifferenziert auch einer
hochentwickelten Industrienation wie der deutschen zuzuschreiben.
Während bei den Erstgenannten nur ein relativ kleiner Kreis von
gleichsprachigen Sippen zu den Menschenwesen zählten, und die
übrige Menschheit praktisch als Feind oder Freiwild galt, das man
töten oder eventuell sogar verspeisen durfte, so handelt es sich bereits
bei den antiken Kulturvölkern, etwa den Griechen, Indern, Chinesen, nur
noch um die Gegenüberstellung eines relativ großen, etliche Sprachgemeinden
umfassenden Kulturkreises dem als Barbaren verstandenen Rest der Menschheit.
Von entscheidender Bedeutung ist, dass gleichzeitig eine neue, wichtigere
Gegenüberstellung entstanden war, eine innere, soziale Stratifizierung.
Schon in der Antike, und genauso im Mittelalter, konnte deshalb ein
Edelmann oder Kaufmann eines fremden Volkes (auch bei einer völlig anderen
Rassenzugehörigleit) in allen Ehren empfangen werden, während das Leben
eines Sklaven oder Leibeigenen des eigenen Volkes nur wenig Wert war. Im
Industriezeitalter, wo es nur noch abhängige und unabhängige
Beschäftigten gibt, hat auch der letzte Prolet, wie der alte Marx schon
wusste, einen Kapitalwert, ganze gleich ob Weißer, Schwarzer, Türke,
oder sonst wer.
Herr Geißler hat deshalb recht. Das Problem liegt nicht an der
Andersgläubigkeit oder mangelnden kulturellen Assimiliertheit der
Fremden. Das Problem liegt in der Arbeitslosigkeit unter zu vielen
der Eigenen. Sie macht die Gegenüberstellung zwischen wirtschaftlichen
Gewinnern und Verlierern unerträglich krass. Die einheimischen Verlierer sehen
sich dann einem völlig unfairen Vergleich mit Ausländern ausgesetzt,
der ihre Selbstwertgefühle in Frage stellt. Man muss wissen, dass Ausländer
ein ausgewähltes Völkchen darstellen. Es bedarf einer besonderen
Entschlossenheit, seinen Glück irgendwo in der Fremde zu suchen. Die, die
hier gekommen sind, entstammen also einer vorherigen statistischen Auslese.
Für einen im eigenen Land befindlichen Verlierer muss das Bild von trotz
sprachlicher Benachteiligung erfolgreich auftretenden Ausländern ungemein
schmerzlich sein. Auf langer Sicht kann das nicht gut gehen. Da ist
Abhilfe wirklich dringend vonnöten.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 2. November 1997 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Deutsche in Asien erfolgreiche Stars (02.11.97, S.32) |
|
Einer Volksgruppe, die sich augenscheinlich mit dem Schicksal abgefunden
hat, jegliche farbfrohe Momente im Leben Südländern verdanken zu müssen,
sei es bei exotischen Leckereien, Tänzen, Bräuchen zu Hause, oder durch
Urlaubsreiseziele in der Ferne, ist es nun wirklich gegönnt, mal von etwas
gegenteiligem zu erfahren. Ihren Beitrag las ich mit viel Freude.
Was Mischlinge angeht, so scheint es mir, dass sie überall auf der Welt
mit Ungleichgültigkeit begegnet werden, mal mit Hass und Neid, mal mit
Liebe und Freude. Speziell in Südostasien gelten nicht nur eurasische
Mischlinge als attraktiv, sondern schon seit viel früher auch solche
mit chinesischer Teilabstammung. In Indonesien gelten Thailänderinnen
als äußerst attraktiv, wobei eigentlich eben jene Halbthailänderinnen
gemeint sind, die auch bei sich zu Hause offenbar als besonders begehrt
gelten. Doch, eine Umfrage sowohl unter schwarzen, wie auch unter weißen
Amerikanern würde sehr wahrscheinlich ergeben, dass B/W-Mischlinge
als attraktiver gelten als Rein-Weiße oder Rein-Schwarze. Und warum setzen sich
Deutsche wohl der krebsgefährlichen Strahlung von UV-Röhren oder echter
Sonne aus, wenn nicht um (wenn auch unbewusst) wie ein Mischling auszusehen?
Mischlinge scheinen allgemein sensibler und empfindsamer veranlagt zu sein,
was sich in bestimmten Fällen als besondere Begabtheit oder Kunstfertigkeit
manifestieren kann. Vielleicht wirkt hier das gleiche biogenetische
Prinzip, dass bei Inzucht zum entgegengesetzten Resultat führt. Von aus zwei
verschiedenen Kulturwelten stammenden Eltern großgezogen zu werden bedeutet
meistens, dass man zwar zu keiner von diesen Welten zu 100 Prozent gehört,
andrerseits ist man aber eher geeignet, mit originellen Lösungen für
unerwartete Probleme hervortreten zu können. Dafür leidet aber ein
Mischling im Krieg zwischen Volksgruppen seiner beiden Elternteile mehr
als reine Angehörige der Gruppen, sogar in einem Bürgerkrieg. Denn zu
den Verlierern gehört er allemal, ganz gleich, welche Seite gewinnt.
Mischlinge sind deshalb vielleicht vor allem aus dem Grund wirklich
begehrenswert, weil sie ganz besonders an Frieden auf Erde interessiert
sind? Zunächst bemühen sie sich jedenfalls, wie Sie selbst sehen, die
Kulturen einander näher zu bringen.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
(Mischling aus vier Generationen von Mischehen)
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