| Datum: | | 27. November 2011 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Barbara John: Ein Zwischenruf zum Grillverbot (27.11.2011, S. 6) |
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Frau John hat sicherlich recht. Ich möchte aber eine weitere mögliche Lösung des Problems vorschlagen,
die wie mir scheint etwas praktikabler sein könnte.
Auch bis jetzt hatten nicht nur private Familien und Gruppen am Tiergarten gegrillt, sondern es wurden
auch Grillveranstaltungen mit besonderer Genehmigung gehalten. Dabei waren die Organisatoren auch für
Ordnung und Müllsammlung und -beseitigung verantwortlich.
Grillen müsste jetzt also nur noch eingetragenen Vereinen und besonders angemeldeten Veranstaltern
erlaubt sein, die für die Ordnung und Müllbeseitigung verantwortlich wären.
Dann könnten Familien und Gruppen nur noch grillen, wenn sie Mitglieder eines entsprechenden Vereins sind,
und beim Verein einen Grilltermin registriert haben. Bei Vermüllung müsste der entsprechende Verein eine
hinreichend hohe Strafe zahlen.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
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| Datum: | | 13. März 2011 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Zentralrat der Juden: Islam wichtiger Teil (13.03.2011, S. 6) |
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Hut ab dem Zentralratspräsidenten, Herrn Graumann. Denn die vom neuen
Innenminister Friedrich geäußerte These über die "christlich-jüdische"
geschichtliche Kulturtradition Deutschlands birgt in sich, wenngleich
vielleicht unbewusst, nicht nur eine verschleierte Holocaustleugnung
in sich ("jüngste" Geschichte ist ja auch Geschichte).
Wenn man einmal auch die Religion zum Integrationsmerkmal deklariert,
würde sich das konsequent ausgeführt nicht nur die Konvertierung aller
Muslimen zum Christentum bedeuten, sondern auch aller Juden, Hindus,
Buddhisten, Agnostiker, Humanisten, usw. Und müssten dann Evangelische
in Bayern zum Katholizismus übertreten? Was ist mit Russich-, Serbisch-,
Syrisch- und anderen Orthodoxen, Kopten, usw. mit Migrationshintergrund?
Mit der sprachlichen Integration ist das nicht anders. Sollten nun
alle nach Bayern ziehende "Scheiß-Preisse" lernen mit bayrischem Akzent
zu sprechen? Und was ist mit den Ostfriesen? Nein, denn Ostfriesich, nicht
anders als Dänisch und Sorbisch, sind in der Bundesrepublik gesetzlich
anerkannte "einheimische" Sprachen. Also wie will man eine für allen
einheitliche Sprachkenntnis gesetzlich festlegen?
Sowohl Friedrich, wie auch Seehofer, haben zweifellos den nötigen
Bildungshintergrund um von diesem Sachverhalt bewusst zu sein. Es
handelt sich hier also um nichts anderes als an Stammtischrunden gezielte
populistische Volksverdümmung nach Vorbild von Thilo Sarrazin.
Nur noch einen Punkt: Der arabisch-islamische Komponente in der europäischen
Kulturtradition im allgemeinen, und in der deutschen im besonderen, beschränkt
sich nicht auf zahlose Wörter arabischen ursprungs und den Spruch "ex orient
lux". Im späten Mittelalter gehörte Kenntnis der arabischen Sprache zum Muss
für jeden Scholasten und Wissenschaftler, der etwas von sich hielt. Etwas
weniger bekannt vielleicht, wurde ein "dsch"-Laut in Fremdwörtern im 16.
Jahrhundert gelegentlich mit dem Buchstaben "G" geschrieben (z.B. "Gonchium"
für "Dschunke" in einer Länderbeschriebung aus dem Jahr 1534 von Michael Herr). Der Clou
dabei: Das Wort gelang nach Europa über Arabisch, in welchem der Buchstabe
"dschim" in den
in Asien gesprochenen arabischen Dialekten als "dsch", in Ägypten und den
maghribischen Ländern jedoch als "g" gelesen wird. Bei "Dschunke" ist die Schreibweise
nachträglich "korregiert" worden. Aber z.B. bei "Gecko" (statt "Dschecko") ist
das "G" erhalten geblieben, wohl weil sich die Lesart mit "g" verfestigt hat.
Und letztendlich, wollen die Herren von der CSU uns tatsächlich weismachen dass
"Aladin und der Wunderlampe" und "Ali Baba und die vierzig Räuber" (erste deutsche
Übersetzung im späten 18. Jh.) sich nicht bereits längst unter den deutschen
Kindergeschichten "integriert" haben?
Wir leben in einer kleinen, vollglobalisierten Welt. Die deutsche Wirtschaft
hängt großenteils vom Welthandel ab. Während einige der Konservativen Deutsch
als Pflichtsprache gesetzlich zu verankern versuchen, bemühen sich die Universitäten
im Lande zurecht, Englischkenntnis unter den Studenten zu fördern. Also, sollten
unsere Politiker doch bitte runter vom Dorfkirchenturm.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
| Datum: | | 5. März 2011 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Hans-Peter Friedrich und der Islam (05.03.2011, Ss. 4 + 8) |
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Das Problem dürfte m.E. viel einfacher sein. Die bayrische Verfassung
nennt die christliche Religion ausdrücklich, daher auch die Kruzifixe
in bayrischen Schulen. Die Verfassung der Bundesrepublik ist in der
Hinsicht etwas weltoffener. Ein frischgebackener Innenminister, gerade
aus der Provinz in die Bundeshauptstadt gewechselt, muss sich sicherlich
erst entsprechend umorientieren.
Wie auch immer, der Innenminister ist ja auch "Verfassungs[schutz]minister" und
wird gerade deshalb nicht umhin kommen, sich mit unserer freiheitlich
demokratischen Verfassung auch unter besonderer Berücksichtigung der
Religionsfreiheit anzufreunden.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
(kein Muslim)
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| Datum: | | 20. Oktober 2010 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Wulff: Das Christentum gehört zur Türkei + Der Rede wert (20.10.2010, Ss. 1+2) |
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Als Neudeutscher (erst seit 10 Jahren) fühle ich mich stolz und glücklich, Herrn Wulff auch als meinen Präsidenten bezeichnen zu dürfen!
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
| Datum: | | 10. Oktober 2010 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Islam und Christentum: Das letzte Wort + Was ist der Islam? (10.10.2010, Ss. 1+2) |
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Gratulation für die objektive und sachkundige Bearbeitung des Themas.
Nur ein Aspekt des Problems ist wie mir scheint vielleicht etwas zu
kurz gekommen.
(In-)Toleranz zu Andersgläubigen, Staat und Religion, körperliche
Strafen, Position der Frau, Verhältnis zur Demokratie, usw., das
alles sind eigentlich keine Merkmale einer Religion, ob muslimische,
chrsitliche, oder sonstige, sondern der wirtschaftlichen und sozialen
Entwicklungsstufe einer ethnischen Gemeinde, die den einen oder anderen
religiösen Glauben hat. Das ist auch der Grund, warum wir bei einer und
derselben Religion mitunter so viele Gesichter zu erkennen meinen.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
| Datum: | | 8. Oktober 2010 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Islam in Deutschland: Wulffs Widerworte (7.10.2010, S. 1) |
|
Bravo, hut ab für Ihren Leitartikel zur Rede des Bundespräsidenten, denn
die "Position" von Frau Maron ("Der Islam gehört nicht zu Deutschland",
TSp. v. 6.10.2010, S. 6) ist für unseren heutigen Wissenstand (von einem
gewissen Herrn Thilo S. mal abgesehen) doch ziemlich ignorant.
Nicht nur dass hochrangige türkische Besucher in Deutschland bereits zu
Kaiserszeiten sehr geachtete und willkommene Gäste waren, aber 1899 fing
man sogar damit an, die sogenannte "Berlin-Byzanz-Bagdad"-Eisenbahn zu
legen. "Byzanz" war dabei die veraltete Bezeichnung für Istanbul.
Unsere Geschichten sind enger miteinander verbunden, als manche sich das
viellecht vorstellen können oder wollen.
All die Horrorgeschichten über die Scharia und den fundamentalistischen
Islam war auch der christlichen Europa noch vor wenigen Jahrhunderten
nicht fremd. Aber nicht nur dass das Christentum sechs-sieben Jahrhunderte
mehr Zeit gehabt hat, um sich zu liberalisieren, man hat die Modernisierung
der meisten Islam-glaubigen Völker durch Kolonialisierung verlangsamt.
Wetten aber, dass sie trotzdem weniger als noch 600 Jahre benötigen werden
um nachzuholen?
Auch was das heutige Leben betrifft, bezeichnen wir solche Grundbegriffe
der täglichen Kultur dieses Landes wie Alkohol und Kaffee mit Wörtern, die
letztendlich aus dem Arabischen stammen (al-kuhl, qahwa). Sogar etliche
aus dem Griechischen stammenden Begriffe (Gitarre, Kaliber, aus kithara,
kalopódion), gelangten wieder nach Europa und somit auch in die deutsche
Sprache durch Vermittlung des Arabischen (qîtâr, qâlib). Und überhaupt,
wie würde wohl unsere Verwaltung ohne Tarifen (Arabisch tarif) auskommen?
Dieses Lied könnte man noch lange weiter singen.
Wir brauchen die muslimischen Mitbürger für das wohlhaben dieses Landes,
und in dem man ihre Integration vorantreibt, verfestigt man auch den Islam
als integralen Teil Deutschlands. Wie sollten sie sich sonst denn integrieren,
wenn sie zugleich fremd bleiben sollen? Gut dass Herr Wulff das so schlüssig
formuliert hat.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
(kein Muslim)
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| Die Sache Thilo S. |
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| | Datum: | | 11. September |
| | An: | | Den Tagesspiegel |
| | Betreff: | | Matthies meint: Grundgesetz, Weißtu? (11.09.2010, S. 1) |
| | |
Raffiniert! :)
Wenn die bildungsferne und -nähere Thilo-S.-Fans die Integrationsunwilligkeit
eines Teils der Einwanderer kritisieren, ist das recht
und billig. Wenn ein Herr Dr. Thilo Sarrazin dies tut, ohne dabei
zu erwähnen, dass deren Integration bis vor 15-20 Jahren von den
Behörden als unerwünscht betrachtet und auch behandelt wurde, ist
das unverzeihlich. Politiker können vielleicht im Handumdrehen eine
Linienkehrtwendung machen, normale Menschen, zumal aus bildungsfernen
Schichten, brauchen viel mehr Zeit. Jeder politisch gebildete Thilo-S.-Apologet
ist deshalb eigentlich ein Heuchler.
Was aber für allen, Einwanderer und Einheimischen, insbesondere für
Politiker und Beamten gilt, ist unser im Grundgesetz festgelegtes
freiheitlich-demokratisches Rechtssystem. Das gilt auch für Freiheit
im Sprachgebrauch und in der Kulturorientierung. Man kann deshalb
genausowenig einen Türken, Italiener, oder Spanier zwingen, bei uns
Deutsch zu sprechen, wie andere Staaten die deutschen Bewohner von Villen und
Ferienhäusern in Antalya, der Toskana, oder an der Costa Brava die
jeweilige dortige Landessprache aufzuzwingen. Genau so kann man es nicht verbieten,
dass ein katholischer Priester die Messe auf Latein hält.
Man kann es auch keinem Verein verbieten, seine weibliche Mitglieder
zum Tragen einer Kopfbedeckung zu verpflichten, vorausgesetzt, die
haben die freie Möglichkeit, gegebenenfalls aus dem Verein auszutreten.
Sonst müsste man ja alle Nonnenkloster schließen. Im übrigen duldet
man noch immer, dass manche Sekten ihren Mitgliedern viel tiefergreifende
Freiheitsbeschränkungen auferlegen, und gar von einer
notwendigen medizinischen Behandlung abhalten.
Zur Integration kann man niemanden zwingen, ganz gleich ob
einheimische Hippies, Punks, oder Rocker, turbantragende Sikhs
(die ihre Haare niemals schneiden), oder mit Stäbchen essende
Chinesen. Sie müssen lediglich an die für allen gleichermaßen
geltenden, und niemanden diskriminierenden Gesetzen halten: D.h.
vor allem niemanden töten wenn man sich mal in seiner Ehre gekränkt
fühlt, genau so wenig wie fremde Luxusautos in Brand setzen, oder
Minderjährige zu Straftaten zu animieren oder zwingen.
Integration kann nur auf freiwilliger Basis geschehen, in dem man
den Leuten klar macht, dass es in ihrem eigenen Interesse liegt,
und vor allem in die ihrer Kinder, sich zu integrieren.
Mann könnte eventuel darüber nachdenken, das Arbeitslosengeld
zu kürzen wenn jemand durch mangelnde Sprachkenntnisse, oder
wegen ungepflegtes Aussehen, schlechter arbeitsvermittelbar ist.
Dann müsste man aber für adequate Sprachkursen sorgen, bzw. für
entsprechende Wasch- und Haarschneidemöglichkeiten.
Was man nicht tun darf, ist einerseits Freiheit für sich in
Anspruch zu nehmen, um gleich im nächsten Atemzug dieselbige
Anderen zu verwehren.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
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| | Datum: | | 4. September 2010 |
| | An: | | Den Tagesspiegel |
| | Betreff: | | Zu Rück- und Austrittsforderungen an Sarrazin |
| | |
Die Versuche, Thilo Sarazin aus der SPD rauszubekommen, oder aus
seinen Posten bei der Bundesbank, werden immer ein Problem haben
wegen des Rechts auf freie Meinungsäußerung, das fest in unserem
freiheitlich-demokratischen Rechtssystem verankert ist. Es wundert
mich, dass noch keiner darauf gekommen ist, wie er sehr wohl aus
einer Stelle entlassen werden könnte, wo ihn das Recht auf freie
Meinungsäußerung nicht schützen wird.
Herr Sarrazin soll in 1973 den Doktortitel an der Universität Bonn
erhalten haben. Dabei musste er, wie jeder Frischgebackene Doktor,
ein Dokument unterschreiben, das ihm zum Festhalten an Prinzipien
der wissenschaftlichen Wahrheitstreue verpflichtet.
Mit seiner Ansammlung von Halbwahrheiten und Verdrehungen von
Faktenzusammenhängen hat er ziemlich deutlich gegen Grundsätze
der wissenschaftlichen Darstellung verstoßen.
Es muss folglich ein Prozess zur Aberkennung seines Doktortitels
an der Uni Bonn in die Wege geleitet werden. Sonst wäre der Wert
eines an der Uni Bonn erhaltenen Doktortitels stark beschädigt.
Nicht nur, dass der Verlust des Doktortitels seine Eitelkeit
wahrscheinlich viel härter treffen würde, als der des SPD-
Parteibuches oder seines Bundasbankpostens, aber auch seine
Glaubhaftigkeit beim intellektuell weniger geschulten "Fussvolk"
wäre dadurch untergraben.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| | Datum: | | 28. August 2010 |
| | An: | | Den Tagesspiegel |
| | Betreff: | | "Die Stunde der Selbstgerechten" (28.08.2010, S. 1) +
"Stuttmann: Integration ist möglich!!" +
"Intelligenz ist zu 50 bis 80 Prozent angeboren" (27.08.2010, S. 6) |
| | |
Ein "Sarrazene" mit Brille -- köstlich! Aber der Ulkgehalt der Stuttmann-Karikatur reicht viel weiter als was man vielleicht vom ersten Eindruck mitbekommt. Zur Zeit der Herrschaft der Sarazenen war die arabisch-muslimische Welt wissenschaftlich und technisch der christlich-europäischen weit voraus und überlegen. Falls Herr Sarrazin nun wirklich ein mittlerweile integrierter Nachkomme der Sarazenen wäre, wie in der Karikatur scherzhaft unterstellt, würde das die Integration eigentlich als ungemein schädlich für den Erhalt einer genetisch veranlagten Intelligenz charakterisieren, oder? Jedenfalls wenn das, was er sagt und schreibt, wirklich seinem wahren Wissensstand und Intelligenzniveau entsprechen würde.
Doch ist Thilo Sarrazin wohl in Wirklichkeit ein schelmiger Schlitzohr. Mit seiner provokanten Sammlung von Halbwahrheiten und Verklitterungen hat er wirkungsvoll die heimlichen Gedanken nicht nur derjenigen mit dem intellektuellen Niveau der Boulevard- und Regenbogenpresse, sondern vielleicht sogar der Opfer einer Schulbuldung mit Abiturabschluss, der seiner Zeit im internationalen Vergleich relativ schlecht abschloss, offen zum Ausdruck gebracht. Nachdem seine Provokationen die angestrebte öffentliche Aufregung erzielt hat, ist der Markt bereit für sein Buch, das ihn wahrscheinlich reicher machen könnte, als gar sein Bundesbanksalär. Ich jedenfalls falle nicht darauf rein und werde das Buch nicht einmal geschenkt annehmen, geschweige denn kaufen.
Fangen wir an mit seiner These, dass die Intelligenz in der Ober- und Mittelschicht konzentriert sei, so dass ein bevorzugt aus der Unterschicht bestehendes Einwanderertum den Itelligenzdurchschnitt nach unten verschieben würde. Der erstgenannte Sachverhalt stimmt, wenn überhaupt, nur für die freie Gesellschaft eines freiheitlich-demokratischen Rechtsstaates, also bestenfalls seit etwa ein bis zwei Jahrhunderte. Gegen Ende des Mittelalters galt das genaue Gegenteil, was auch zu den bürgerlichen Revolutionen führte, die dann die Freiheit einbrachten. Sarazins Schlussfolgerung würde deshalb bestenfalls nur dann stimmen, wenn die Einwanderer aus freieitlichen bürgerlichen Gesellschaften stammen. In Wirklichkeit kommen sie mehrheitlich aus vor-industriellen Gesellschaften von Entwicklungsländern.
Bei seiner pauschalen Charakterisierungen von Einwanderern, die angeblich nur auf die Sozialleistungen scharf seien, bringt Sarrazin aber noch viel mehr durcheinander. Die erste massive "Einwanderung" aus der Türkei und anderer Südländern, indertat großenteils aus der Unterschicht, wurde nämlich staatlich organisiert wegen mangelender einheimischer Arbeitskräfte. Sie mussten hier hart schuften, und man verdankt nicht zuletzt auch ihrem Beitrag nicht nur den Wirtschaftswunder, sondern auch den Umstand, dass deutsche Arbeiterfamilien gar Urlaub machen konnten in "Malle" und an anderen sonnigen südlichen Stränden. Dass der viel spätere Arbeitslosenstand unter Einwanderern jetzt höher liegt als unter Einheimischen, hat mehrere Ursachen: Viele arbeitslose Einwanderer würden gern arbeiten, dürfen es aber nicht. Andere, die arbeiten dürfen, werden oft bei der Arbeitsbewerbung benachteiligt, und zwar nicht nur vom potenziellen Arbeitgeber. Das alles verschweigt Sarrazin natürlich seinen Lesern.
Ich kann mich noch gut erinneren, wie wütend die Beamten des Arbeitsamtes mehrmals reagierten als ich vor über 30 Jahren, frisch nach Deutschland gekommen, mir selber Arbeit gesucht und gefunden hatte, und dabei schrittweise immer besserbezahlte Arbeitsplätze fand. Einen deutschen Sprachkursus habe ich damals auch aus eigener Initiative besucht, und zwar während ich bereits Arbeit hatte. Währenddessen wurde nicht nur mein Ingenieursdiplom damals nicht anerkannt, ich wurde sogar vom zuständigen Beamten ausgelacht, als ich die Anerkennung meiner Abitur beantragen wollte. Dass ich mich trotzdem in Deutschland erfolgreich beruflich betätigen konnte, verdanke ich der Großherzigkeit und Unterstützung vieler einheimischen Kollegen und Vorgesetzten. Aber es haben sicherlich nicht alle den gleichen Glück gehabt wie ich.
Auch mit seiner These von den vielen Kindern, die Einwandererfamilien haben, treibt Sarrazin Faktenverklitterung. Lassen wir erstmal außer Acht, wie viele Kinder gläubige einheimische Katholiken (nicht Muslime!) haben. Seit längerer Zeit ist aus der Statistik bestens bekannt, dass sich die Durchschnittszahl der Kinder in Einwandererfamilien mit jeder Folgegeneration derjeniger der einheimischen Familien angleicht. Dass die Folgegenerationen auch besser integriert und assimiliert sind ist ebenfalls gut bekannt (die angleichende Kinderzahl ist ja eine Folge davon). Denn sogar solche Extremereignisse wie sogenannte "Ehren"-morde würden ja sonst niemals stattfinden. Also werde es nie zu einer "Islamisierung" des Landes kommen; dafür müssten die Deutschen selbst mehrheitlich übertreten. Es kommt allenfalls zu einer weiteren multikulturellen Bereicherung, nicht nur wegen der Einwanderer, sondern infolge der Globalisierung insgesammt. Also geniessen sie einen Abend beim Italiäner, Griechen, genauso wie beim Türken oder Libanesen, während die Jüngeren sich bei MacDonalds oder Bürger King reinschauen (und Pommes heissen ja in den Staaten nicht von ungefähr "French, nicht Turkish, fries"). Wenn tatsächlich "der Islam" im Lande in Anmarsch wäre, wieso sprechen die Kids nicht Arabisch-Deutsch sondern Denglisch, und grüßen sich mit "hi" statt mit "salaam"?
Kaufen sie Sarrazins Buch nicht. Es zielt nur auf eine Verdümmung der Öffentlichkeit.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
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| Datum: | | 10. August 2008 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Wen der Muezzin ruft (10.08.08, S. 16) |
|
Die urspuenglichen Artikel fand ich eigentlich gut, aber einige der
Leserbriefreaktionen zeigen nun nachtraeglich, dass in den Artikeln
vielleicht doch etwas wichtiges unerwaehnt geblieben war.
| | « |
Neben der mittlerweile bekannten Argumentation von islamistischen
Fundamentalisten, ist es die offensichtliche Toelpelei von Beamten
der Berliner Senatsschulverwaltung, die meinen Aerger hervorruft.» |
|
schreibt einer der Leser, und hat in Prinzip voellig recht.
Eigentlich wissen wir natuerlich, dass Toelpel unter Politikern
und Beamten niemals in fuehrende Positionen gelangen. Aber es sind wohl
immer noch unbelehrbare Dinosaurierfossilien zugange, fuer die die
Fundamentalisten die letzte Hoffnung darstellen, ein sicheres
Negativbild ueber Muslime bzw. Tuerken und Araber in der
Oeffentlichkeit aufrechtzuerhalten. Aber Volksverhetzung ist ja
strafbar, Ignoranz (z.B. darueber, dass unser Staat saekulaer ist)
hingegen nicht. Also ist man so schlau, sich einfach dumm zu stellen,
und vertraut darauf, dass das Rechtsprinzip in dubio pro reo einen
vor der Entlarvung schuetzt.
Rein juristisch gesehen hat der Briefschreiber in Prinzip deshalb
recht, wenn er von Toelpelei spricht. Oder vielleicht findet jemand
doch letztendlich Hinweise, die einen Hetzmotiv der angeblichen
Toelpel untermauern lassen?
Mit freundlichen Gruessen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 8. Oktober 2006 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Interview Hirsi Ali (Sonntag-S. 1) |
|
Vielen Dank für den sehr informativen Interview mit Ayaan Hirsi Ali.
Frau Hirsi Ali beeindruckt mich vor allem durch ihre außerordentliche
Ehrlichkeit. Die Ministerin Rita Verdonk, die sie abschieben wollte,
könnte viel von ihre Ehrlichkeit lernen. Wieso die Ministerin meint,
die moralischen Voraussetzungen zu erfüllen, Kabinetsmitglied in einem
freiheitlich demokratischen Staat wie die Niederlanden zu sein, ist
mir ein Rätsel.
Ich Teile zwar nicht die Meinung Hirsi Alis über den Islam, aber ich
respektiere nicht nur ihr gutes Recht, ihre Meinung zu haben und sie
auszusprechen, ich habe einerseits Verständnis dafür, dass sie jene
Meinung vertritt, und bewundere andrerseits den Mut, den sie dabei
zeigt. Andere drucken sich bereits vor viel harmloseren und risikoärmeren
Fällen von Zivilcourage. Hut ab!
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
| Datum: | | 17. Mai 2006 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Einwanderung: Aus Prinzip pragmatisch (17.05.06, S. 1) |
|
Herr Lehming hat, wie mir scheint, sehr zutreffend gezeigt, inwieweit
offenbar System hinter den z.T. hausgemachten Problemen in der
Integration von Einwanderern liegt. Insbesondere der Vergleich
der Fälle Hirsi Ali (Niederlande) und Familie Aydin (Deutschland)
ist überaus lehrreich.
Es gibt da allerdings einen Punkt, die man vielleicht aus taktischen
Gründen gern unter den Teppich kehren würde, wie mir scheint aber
zu Unrecht: In beiden Fällen war der Feststellung einer Falschaussage
ausschlaggebend, und hier liegt eigentlich der Kern des Fehlers im
behördlichen Umgang mit Flüchtlingen. Wer noch nie in der Lage eines
Flüchtlings war, wird sich das vielleicht nur schwerlich vorstellen
können, aber Falschaussage, Dokumentenfälschung und der gleichen mehr
ist für einen Flüchtling genausowenig anstößig, wie etwa die Tötung
eines bewaffneten Angreifers in Notwehr gesetzeswidrig.
Hirsi Ali und die Familie Aydin unterscheiden sich von der überwiegenden
Mehrheit der anerkannten Flüchtlingen allenfalls darin, dass die
Mogeleien der letzteren unentdeckt blieben. Dafür gibt es zunächst
zwei wichtige Gründe:
| (1) |
Flüchtlinge können selten auf rein legaler
Weise die Gefahrenzone verlassen und einen Ort erreichen, wo sie sich
sicher fühlen. |
| (2) |
Bürokraten der zuständigen Behörden im Zielland
können mit den komplizierten Umständen, die zur Flucht führen, selten
etwas anfangen und verlangen von Antragsstellern einfache Erklärungen,
die sich bequem in die vorgesehenen Begriffsschubladen einordnen lassen. |
Deshalb sollten diverse Schummeleien meines Erachtens grundsätzlich
als das Recht eines Flüchtlings betrachtet, und ihm niemals zur Last
gelegt werden.
Also bräuchte man eigentlich nicht einmal Pragmatismus, sondern schlicht
und einfach etwas gesunden Menschenverstand, um das gängige, naiv
simplistische Bild vom ehrlich, fromm und unschuldigen Fluchtverlauf
ad Acta zu legen.
Davon abgesehen besteht in der Darstellung des Falles Aydin, wie mir
scheint, ein weitverbreitetes Irrtum. Auch bei der bestehenden
Rechtslage ist eine Abschiebung nicht zwingend vorgegeben. Es besteht
lediglich ein rechtlich nicht anfechtbarer Grund, die Familie
abzuschieben, wenn man das tun will. Man muss sie aber nicht
unbedingt abschieben.
Formal hat der Beamte das Recht, eine alte Oma dazu zu zwingen, sich
erst ein bestimmtes Dokument am anderen Ende der Stadt zu besorgen. Er muss
das aber nicht tun, sondern könnte das Problem auch mit einem Telefonat
und einem Fax lösen. Aber er hat vielleicht Angst, dabei das Gefühl der
eigenen Macht zu verlieren?
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
| Datum: | | 28. April 2006 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Das Recht und die Aydins (28.04.06, Ss. 8-9) |
|
Vielen Dank für den gründlichen Bericht von Susanne Güsten und Daniela
Martens (S. 9), und das sehr treffliche Kommentar von Gerd Nowakowski
(Meinung/S. 8). Mir kommen da zwei Empfehlungen in den Sinn, eine kurze
und eine längere.
Die kurze: Der Anwalt der Aydins sollte gegen den Ausweisungsbeschluss
beim Verfassungsgericht klagen wegen Verstoßes gegen die guten Sitten.
Die längere: Das Problem bei der Assimilierung von Mitbürgern
ausländischen Ursprungs liegt nur zum Teil bei den nicht-assimilierungswilligen
unter ihnen; zum anderen Teil vielleicht nicht
weniger bei einer renitenten Fraktion unter den zuständigen Beamten.
Insbesondere bei der Anerkennung von Flüchtlingen scheint der Ausgang
trotz eines Wusts von Gesetzen und Verordnungen nahezu völlig zufällig
zu sein.
Immer wieder stellt es sich heraus, dass radikale Fundamentalisten,
Terrorverdächtige, sogar Ehren-Mörder längst die deutsche
Staatsbürgerschaft besitzen, während friedliche, redliche und gut
integrierte Antragssteller erst ausgiebig auf der Folterbank gehalten
werden, um anschließend abgeschoben zu werden.
Ein guter Anfang wäre vielleicht eine Pflichtstunde für allen, um den
Begriff Ermessensspielraum durchzuarbeiten.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 18. Februar 2006 |
| An: | | Den Tagesspiege |
| Betreff: | | Rosenmontagszüge ohne M. (18.2.06, S. 32) |
|
Gratuliere ganz herzlich die diesjähreigen Karnevalskomitees
für die kluge Entscheidung, die Provokateure islamistischer
Ausschreitungen keinen weiteren Zündstoff zu liefern.
Aber der wirkliche Triumph der Assimilierungspolitik wäre
erst erreicht, wenn im Rosenmontagszug auch ein Wagen z.B.
der lieben deutschtürkischen Mitbürger fährt, etwa mit
satyrisch dargestellten ignoranten Mullahs, die gegen freie
Ehepartnerwahl, Mädchen in Turnunterricht, Wahl bzw. Nicht-Wahl
von Kopfbedeckung, Homoehe, Verwendung von Kondomen usw.
usw. wettern.
Vielleicht nächstes Jahr? Oder das Jahr danach?
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 9. Februar 2006 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Positionen / Paula Ramold (09.02.06, S. 10) |
|
Ich fuerchte, dass Sie da einem sehr weitverbreiteten Fehler zum
Opfer gefallen sind.
Zensur und Intoleranz, auch viele noch schlimmere Greuel (Steinigen,
Handabhacken, Sklaverei), sind genausowenig muslimisch, wie
Hexenverbrennen christlich. In Zentralamerika sind
konvertierungsunwillige Heiden von katholischen Spaniern
massenhaft und grausamst umgebracht worden,
in Taiwan von protestantischen Niederlaendern
sagt das auch nur irgend etwas von christlicher Toleranz?
Es ist weder der Islam, noch das Christentum, der/das von diesen
und anderen Greueltaten charakterisiert wird, sondern die jeweils
zur jeweiligen Zeit da herrschenden sozialen und wirtschaftlichen
Entwicklungsstufen. Die von absoluten Monarchien regierten Laender
des Nahen Ostens befinden sich praktisch noch weitgehend im Mittelalter.
Dieser fuer unsere Zeit doch sehr eigenartige Zustand ist eigentlich
kuenstlich erhalten worden, und zwar durch den Westen selbst, wegen
des Oels.
Dort wo das einheimische Buergertum (trotz des Westens, muss man
leider nebenbei bemerken) der absoluten Monarchie ein Ende gesetzt
hat (zunaechst in der Tuerkei, spaeter in Aegypten, Irak, u.a.),
wird man auch einen anderen Islam finden. Es ist aber leider
auch festzustellen, dass Millionen von Petro-Dollars aus Saudi
Arabien in andere Laender fliessen (sogar so weit weg wie Indonesien)
um oertliche, buergerliche muslimische Gemeinden zu unterwandern
und zu radikalisieren (d.h. ins Mittelalterliche zurueck zu fuehren).
Es waere vielleicht hilfreicher, dagegen was zu unternehmen, statt
Muslime generell in ein falsches Licht darzustellen. Mann fange
erst mit sich selbst an, die eigenen Vorurteile zu ueberwinden.
Ich bin übrigens kein Muslim, sondern ein Materialist, der als Kind
in eine Missonarschule ging.
Mit freundlichen Gruessen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 4. April 2004 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Islam in Europa bzw. Türkei in die EU |
|
Ich mag die ausgewogene und objektive Art, wie der Tagesspiegel das
Thema Islam und türkische Mitgliedschaft in der EU in seiner Berichterstattung
und seinen Kommentaren behandelt. Deshalb einen kleinen
Beitrag meinerseits über das, was vielleicht in der Diskussion etwas
untergegangen ist.
Erstens, der Islam war bereits seit jeher in Europa. Mehmet II eroberte
Konstantinopel in 1453, knapp vierzig Jahre bevor Granada in 1492 an die
Reconquista viel. Also gibt es eine kontinuierlich Präsenz seit Tariq
in 711 die seither nach ihm benannte Straße von Gibraltar (Jab al-Tariq)
erfolgreich überquerte.
Zweitens, die arabisch-islamische Kultur hat eine wesentliche Rolle
darin gespielt, das altgriechische geistige Erbe zu bewahren und
aufzuarbeiten, um es im Spätmittelalter an Europa weiter zu leiten.
Man sagte damals in Europa, Aristoteles erklärte die Welt, und
Averroes (Ibn Rushd) erklärte Aristoteles.
Drittens, ohne darüber wirklich im Klaren zu sein hat man eigentlich
bereits vor 40 Jahren die Einbeziehung der Türkei in Europa beschlossen,
und zwar als man massenweise türkische "Gastarbeiter" ins Land holte.
Man behauptete später sogar, Berlin sei die drittgrößte türkische
Stadt geworden - was wohl nicht ganz so stimmt. Aber in West- (und
Mittel-)Europa gibt es heute vielleicht mehr Muslime als zusammen in
Bosnien, Kosovo und Albanien.
Es geht deshalb nicht darum, dass Europa mit der Türkei eine Brücke
in die islamische Welt erhalten würde. Nein, es besteht schon längst
eine Brücke der islamische Welt in die Europäische Union, und zwar eine
von den Europäern selbst gebaute. Jetzt geht is nur noch darum, die
über diese Brücke führende Einbahnstraße für den Zweirichtungsverkehr
umzufunktionieren, damit sie gleichzeitig auch eine Brücke Europas in
die islamische Welt werden könnte.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 15. Oktober 2000 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Ist das Volk unanständig? (15.10.00, S. 1) |
|
"Ist das Volk unanständig?" Nein. Sonst wäre es damals nicht
Lichterketten bildend auf die Straßen gegangen. Aber damals hatte
die Wirstschaft noch nicht begriffen, dass das, was sich
vordergründig als Ausländerfeindlichkeit äußert, viel mehr
deutschlandfeindlich ist. Also durften maßgebliche Politiker noch
ungeniert das Boot für voll erklären und sich sogar über
"Durchrassung" entgleisen. Jetzt rufen dieselbigen das Volk
plötzlich zur Ausländerfreundlichkeit auf.
Nun tragen zwar nur die Allerwenigsten einen Doktortitel, aber
das Volk ist weder dumm noch blind. Während der großen Demonstration
gegen Ausländerfiendlichkeit hier in Berlin (Hauptredner: Richard
von Weizäcker) wurde der damalige Bundeskanzler regelrecht aus dem
Demonstrationszug herausgeekelt, weil man seine Anwesenheit für
Heuchelei hielt. Nicht allzu überraschend, also, dass das Volk sich
inzwischen nicht so leicht von Politikern "entzünden" läßt.
Mir scheint, es geht nicht so sehr darum, dass die Entgleisungen von
damals "unmoralisch" wären. Moral ist letztendlich das Quintessenz
kulturell akkumulierter Erfahrung vergangener Generationen. Die
heutige zurückhaltende Reaktion der Bevölkerung bestätigt, dass
die saloppen Sprüche von damals schlichtweg unklug waren, zumindest
aber in einem freiheitlich demokratischen Rechtsstaat unprofessionell.
Nun gibt es eine Vielzahl von lang- und kurzfristigen Maßnahmen, die
man vorschlagen könnte, aber dies würde die Länge eines Leserbriefes
sprengen, also konzentriere ich mich auf das wesentlischste:
Ausländerfeindlichkeit halte ich für eine kleinere Randerscheinung
von Menschenfeindlichkeit, und diese wiederum für eine Begleiterscheinung
zwischenmenschlicher Kälte. Da die meisten Menschen in einem jeden
Land die Einheimischen sind, sind hierzulande die Deutschen die
eigentlichen Hauptleidtragenden, und zwar nicht weil man etwa Probleme
mit der Anwerbung von ausländischen Spezialisten hat.
Ich meine auch nicht Fälle, in welchen deutsche Behinderte oder Touristen
von Rechtsradikalen zusammengeschlagen werden. Es sind die unzähligen
Bittsteller, die in den Ämtern schickaniert werden, und die Nachbarn,
die sich über ihren Maschendrahtzaun bekriegen, dass die BVG gar
Psychotherapeuten einsetzen mußte, als die Mitarbeiter gehalten wurden,
freundlich mit den Passagieren umzugehen. Wir brauchen Gesetze um
einen Beamten zur persönlichen Rechenschaft zu ziehen, wenn er eine
alte Frau ohne Not von Amt zu Amt schickt, oder die es unmöglich
machen, dass die Klage eines Touristen, der sich von der Anwesenheit
von Behinderten im gleichen Hotel belästigt fühlt, stattzugegeben,
oder die einer Frau wegen des Lärms vom benachbarten Kinderspielplatz.
Das ganze zwischenmenschliche Klima muss wärmer werden.
Kurz um, die Deutschen müssen netter zueinander sein, und sich gegenseitig
besser vertragen. Dann klapt es auch mit dem (ausländischen) Nachbar.
Eile tut Not, denn wir bewegen uns einer geeinten Europa entgegen,
und das sind ja lauter Ausländer!
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
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| Datum: | | 17. Januar 1999 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Zur doppelten Staatsbürgerschaft |
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In der Diskussion über die flexiblere Handhabe von doppelter
Staatsbürgerschaft bei der Einbürgerung und über die von der Union
geplante Unterschriftenkampagne dagegen, sind einige nicht
unwesentliche Umstände vielleicht übersehen worden.
| 1. |
Wenn man bei der Einbürgerung von Ausländern zu wählen hätte
zwischen solchen, die hier nur gekommen sind weil es sich hier
besser lebt und nichts mehr von ihren ärmlichen Heimatsdörfern
wissen wollen, und solche, die Verantwortungsvoll hier ihre
"tägliche Leistungsbereitschaft" unter Beweis stellen, zugleich
aber auch ihre Herkunft und Wurzeln nicht vergessen, wen sollte
man vorziehen? Das In-Ehren-Halten seines noch so ärmlichen
elterlichen Herdes wird vielleicht nicht zufällig nicht nur in
der christlichen, sondern wohl in allen Religionen der Welt den
Kindern zur Pflicht gelegt. Welches Verhalten würde eher von der
Anpassung zu einem Sittenverständnis bezeugen, der einem
frischgebackenen Deutschen gebühren würde? |
| 2. |
Die Deutschen leiden unter einem unlösbar erscheinenden sittlichen
Dilemma: sie sind ein Volk, für dessen historischen, kulturellen,
wissenschatlichen, technologischen, wirtschaftlichen Leistungen man
allen Grund hat, sehr stolz zu sein, und, die ein zum verlieben
bildschönes Land zum Heimat haben, die jedoch zugleich von der Bürde
einer "Erbsünde" erdrückt werden, die ihnen jeglichen Stolz für
ihr Land und Volk zu verbieten erscheint. Nun befinden sich viele
Ausländer gerade deshalb in Deutschland, weil sie in ihren eigenen
Ländern mit Gewaltregimen zu tun gehabt haben. Würden nicht gerade
diejenigen unter ihnen, die dennoch die Liebe für ihren Geburtsland
zu bewahren gewußt haben, junge Deutschen dazu inspirieren können,
von ihrem Land und Volk wieder stolz zu sein, ohne sich vorher in
die Klauen rechtsradikaler Rattenfänger zu begeben? |
Für manch einen ist das vielleicht lauter "Gefühlsduselei". Dann
wäre da ein kleines rein sachliches, rechtliches Problem, womit
man auch sie noch konfrontieren könnte: |
| 3. |
In der Vergangenheit konnten einige Ausländer nur deshalb nicht
eingebürgert werden, weil die Regierung ihres Herkunftstaates sich
weigerte, sie aus ihrer ursprünglichen Staatsbürgerschaft zu entlassen
(Beispiel: Iran). Ist der Rechtszustand nicht unerträglich, der einem
fremden Staat bestimmen läßt, wen Deutschland bei sich einbürgern darf
und wen nicht? |
[.....]
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| Datum: | | 13. Juni 1998 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Sprachpruefung und "Multikulti" |
|
Beamte der Senatsverwaltung des Inneres haben ihren Chef schlecht
beraten. Sie haetten ihn rechtzeitig warnen sollen, dass eine
Sprachpruefung nur fuer auslaendische Sozialhilfeempfaenger oder
Schueler schon wegen des Gleichheitsprinzips rechtlich nicht
durchzusetzen waere.
Es bliebe nur die Option, alle der gleichen Pruefung zu unterziehen.
Aber was will man dann tun, wenn ein Einheimischer durchfaellt (beim
"Idiotentest" soll auch der Eine oder Andere durchgefallen sein), und
wenn gleich neben ihn ein Auslaender die Pruefung schafft (kommt ja
gelegentlich vor, dass ein Auslaender halbwegs passabel Deutsch kann)?
Die Verweigerung der Sozialhilfe bzw. Schulaufnahme waere noch der
geringere Teil der Strafe. Er, bzw. beim ABC-Schuetzen sein Vater,
koennte sich wohl nie wieder am Stammtisch blicken lassen. Die Mutti
muesste vielleicht ueber Schleichwege zum Baecker eines anderen Bezirks.
Gegen solchen Unfug gibt es zum Glueck ein weiteres Prinzip aus dem
Grundgesetz: die Wuerde des Menschen (zumal die eines Einheimischen)
ist unantastbar.
Da sind wir dann bei einem wichtigen Leersatz angekommen, der leider
zu oft vergessen wird: Was man jetzt einem Auslaender antut, wird man
alsbald einem Einheimischen. Das gilt fuers Zusammengeschlagen-Werden
als Tourist genauso, wie dafuer, als hilfsbeduerftiger Opfer behoerdlicher
Schickanen zu werden.
Im uebrigen verraet Herr Schoenbohm schlechte Kenntnisse in deutscher
Geschichte, insbesondere in berlinischer, wenn er gegen multikulturelle
Vielfalt wettert. Sie wurde noch von Friedrich Wilhelm eingefuehrt, als
er seinerzeit die Hugenotten ins Land holte. Die besondere Lage
Deutschlands in der Mitte Europas, die es einerseits zur Drehscheibe
zwischen Ost und West macht, andrerseits aber den Zugang zum ueberseeischen
Welthandel erschwert, hat es immer wieder zum eigensten Interesse des
Landes gemacht, mal unter Friedrich Wilhelm fachliches Know-How aus Frankreich
zu holen, mal Arbeitskraefte in den Gruenderzeiten aus Polen, oder fuers
Wirtschaftswunder nach dem Krieg aus den Suedlaendern einzufuehren.
Heute haben wir "Globalisierung". Deutschland is wie nie zuvor auf
Handelserfolg sowohl mit dem ehemaligen Ostblock, wie auch auf
fernen Maerkten zwischen Asien und den beiden Amerikas angewiesen.
Nichts wird die Deutschen so gut vorbereiten, auf allen diesen
Arenen erfolgreich aufzutreten, als der Umgang mit multikultureller
Vielfalt bei sich zu Hause.
Doch natuerlich bringt das auch Probeleme mit sich. Ein kleiner Teil
der Einheimischen wird sich immer ueberfordert fuehlen (manchmal es
auch wirklich sein). Das war bei der Ansiedlung der Hugenotten nicht
anders. Es waere aber sicherlich moeglich, statt zu jammern, Wege zu
finden, wie man diese Leute helfen koennte.
[.....]
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