Waruno Mahdi’s

Virtuelles WebLOG — Deutsch VI
— Technik + Wissenschaft —

WM
HINWEIS: Die auf dieser Seite zum Ausdruck gebrachte Meinung ist auschließlich die des Autors allein.
 
Datum:  3. April 2010
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Weltmaschine LHC: Urknall der Erkenntnis (3.4.2010, S. 1)

Die Aussage, dass der neue Teilchenbeschleuniger am Cern in Genf zum Beantworten der Frage beitragen würde, die die Menschheit angeblich von Beginn an beschäftigt: "Wo kommen wir her? Was war am Anfang?", ist bestenfalls ein an Laien gerichteter PR-Spruch.

Dafür wäre es nicht einmal wert gewesen einen einzigen Groschen zu inverstieren, geschweige denn die vielen Milliarden, die der Beschleuniger gekostet hat. Jegliche eventuelle Antwort wäre nicht "wissenschaftlicher" als jeder primitivster Aberglaube, weil bereits die Frage selbst irrational ist. Denn wer hat je festgestellt, dass wir überhaupt irgendwo-"her kommen", bzw. es ein "Anfang" gab? Dass ist nichts als reinster Kreationismus — gut für Religionsunterricht, aber fehl am Platz bei Physik.

Eine Ursache, warum dieser verschleierte Kreationismus weiter lebt, liegt vielleicht an der fehlerhaften Übersetzung des Begriffes "Big-Bang" als "Urknall". Der Knall soll ja allumfassend groß gewesen sein, nicht aber per se der Anfang von allem, wie die Vorsilbe "Ur-" suggeriert.

Mit Hinblick auf das Universum als ganzes ist der Begriff "Anfang" nicht anwendbar, weil Raum und Zeit Attributen von Materie sind, und nicht unabhägig von Materie existieren. Zeit und Raum gibt es nur während es auch das Universum gibt. Also konnte das Universum weder irgendwo noch irgendwann "urplötzlich" aus dem nichts enstanden sein. Ohne das Universum hätte es nämlich weder ein "Wo" noch ein "Wann" gegeben, in welchem ein Universum dann hätte "entstehen", bzw. seinen "Anfang" haben können.

Im übrigen hat Martin Bojowald*) längst gezeigt, wie ein Big-Bang aus einem Big-Crunch entwickeln, d.h. wie die Vorgeschichte des angeblichen "Ur-"Knalls ausgesehen hätte können.

Aber von dem allen abgesehen ist die neue Anlage in Genf und das erstmals gelungene Experiment in der Tat eine große und achtungswerte Leistung. Ich frage mich nur noch, wo jene "Superexperten" sich jetzt verstecken, die allen Ernstes vorhergesagt hatten, dass die bei den hochenergetischen Kollisionen entstehenden Mini-Schwarzen-Löcher großwachsen und letztendlich die Erde verschlingen würden. Solche Kollisionen zwischen Teilchen der kosmischen Strahlung dürften immer wieder in der Erdnähe stattfinden, also hätten sich jene Besserwisser sich erstmal fragen müssen, wieso werden wir dann nicht fortdauernd "von schwarzen Löchern verschlungen"?

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
 


*) S.u. unter dem Leserbrief vom 31. März 2009.
Datum:  25. April 2009
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Die U-Bahn wird gegossen (25.04.2009, S. 12)

Wegen des Reinfalls mit den sog. Flüstergleisen, die lauter lärmen als alles was davor war, sollte sich die BVG nicht so überrascht geben.

Ich erinnere mich noch, wie ich als Teenager um die Jahre 1958-1960 in einer amerikanischen Zeitschrift über einen ähnlchen Fall las, wobei genauso eine Wassersprühanlage in den Kurven installiert werden musste. Ich bin nur nicht mehr so sicher, ob das in New York geschah, oder vielleicht in Chicago.

Es wurde damals darüber diskuttiert, die Schienen seitlich mit latex-haltigem Farbstoff zu streichen, um eine geräuschabsorbierende Schicht zu erhalten. Ich weiss aber nicht, ob daraus etwas geworden war. Bei modernen Schnellzügen wird ein flacher Gummikörper (aus einem Kunststoff) seitlich an den Radteller gepresst.

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi

Datum:  31. März 2009
An: Den Spiegel
Betreff: Eine Zeit vor unserer Welt (Der Spiegel 14/2009, Ss. 128–130)

Vielen Dank für den überaus informativen Bericht über die von Martin Bojowald vorgeschlagenen Lösung des “Urknall”-Widerspruchs.

Denn nach der allgemeinen Relativitätstheorie sind Raum und Zeit an Masse gebunden, so dass, vereinfacht ausgedruckt, falls der Urknall der Anfang des Universums gewesen wäre, hätte es “vor” dem Urknall weder Raum noch Zeit gegeben, “in” welchem ein Urknall hätte stattfinden können. Deshalb konnte es sich wohl kaum um einen “Urknall” gehandelt haben, sondern allenfalls um einen zwar sehr gewaltigen Groß-, aber dennoch keinen “Ur-”Knall.

Die von Martin Bojowald entwickelte Theorie hat mich auch deshalb besonders beeindruckt, weil genau im gleichen Jahr 2000, als die Idee darüber dem Wissenschaftler einfiel, ich ein Leserbrief an “Time”-magazine schickte, in welchem ich von der Invertierung eines Big Crunches in einen Big Bang schrieb (Kopie anbei; siehe da den letzten Satz).

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
 


Nachträglich: Das genannte Buch von Martin Bojowald:
Zurück vor den Urknall. Die ganze Geschichte des Universums. Frankfurt am Main: S. Fischer (2009), ISBN 978-3-10-003910-1
Datum:  13. September 2008
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Wir Verbraucher, wir Deppen (13.09.08, S. 1)

In der Tat! Aber noch deppertler scheint diesmal der Computer zu sein. Na gut, das ist eigentlich immer so, denn abgesehen davon, dass Computer von Menschen konzipiert und gebaut werden, “denken” sie ausschliesslich mit Hilfe von wiederum vom Menschen erdachten Programmen. Also muss irren zwangslaeufig auch “computerlich” sein.

Diese Tage dachte ich, ich kaufe mal meine Bahnfahrkarte am Automaten. Siehe da, fuer die Route und Abfahrtzeit, die ich in regelmaessigen Zeitabstaenden nehme (Berlin–Den Haag mit 1x umsteigen in Amersfoort), konnte das Automat mir nur eine Verbindung mit mindestens 2x umsteigen anbieten.

Das Problem, mit dem der Computer nicht fertig wurde, kannte ich, denn auch frueher mussten Mittarbeiter(innen) der Kartenverkaufstellen ihre Computer fuer mich umstaendlich Ueberlisten. Der Clou: zwischen Amersfoort und Den Haag gibt es sowohl eine Direktverbindung (mit Zwichenstop in Utrecht) wie auch indirekt mit 1x umsteigen (im selbigen Utrecht). Die erste Verbindungsgelegenheit nach Ankunft des Zuges aus Berlin war die indirekte (mit nochmal umsteigen in Utrecht), und diese wird dann immer vom Computer ermittelt. Das Problem — abgesehen vom zusaetzlichen Umstieg — ist dass man nur 6 Minuten hatte um die Verbindung (an einem anderen Platform) zu kriegen. Auch bei Usain-Bolt-Kondition schaffte man das nur wenn der Zug aus Berlin nicht einmal 1 Minute Verspaetung hatte, was der des oefteren sehr wohl hatte. Die darauffolgende Verbindungsgelegenheit (20 Minute spaeter) faehrt bis Den Haag ohne zusaetzliches Umsteigen.

Die Frage ist nicht nur: Wie erklaere ich das dem Computer am Automaten? Das Computerprogramm ist noch insofern nicht weit genug durchdacht, dass man zwar erklaert bekommt, dass die angebotene Fahrverbindung mit 2x umsteigen ist, nicht aber die Moeglichkeit hat, in Erfahrung zu bekommen, an welchen Zwischenstationen umgestiegen werden soll. Denn haette ich herausbekommen, dass die Umstiege in Amersfoort und Utrecht waeren, haette ich die Fahrkarte mit angebotenen Fahrverbindung angenommen (die extra 20 Min. in Amersfoort bis zum Direktzug reichten bequem fuer einen Kaffee mit Stroopwafel).

Aber da ich weiss, dass es auch andere Verbindungen gibt (u.a. aufwendig ueber Koeln u.a.), habe ich mich doch lieber an die menschliche Verkaeuferin am Tresen gewandt, die mir dann ganz netterweise eine Fahrkarte mit der von mir gewuenschten Fahrverbindung ausstellte.

Und wenn man dem Automaten auch noch beibringen koennte, bei dem Ganzen im gleichen gelassenen weiblichen Plauderton mit einem zu kommunizieren. Ach ......

Mit freundlichen Gruessen,
Waruno Mahdi

Datum:  30. März 2008
An: Den Tagesspiegel
Betreff: “Entschwebt” + Stuttmann-Karikatur (28.3.08, S. 8)

Dass das Projekt Transrapid ein riesengroßer Fehler ist, war eigentlich vom Anfang an klar. Ich kann mich noch sehr lebhaft an eine damalige Diskussion mit Kollegen erinnern, als man noch dabei war zu entscheiden, welches der zwei vorgeschlagenen Magnetbahnprojekte die staatliche Unterstützung erhält.

Die Wahl fiel auf Transrapid, und das war wohl der Todesstoß für eine deutsche Vorreiterrolle in der Magnetbahnentwicklung. War es die blauäugig naive Science-Fiction-Vorstellung vom futuristischen Schweben anstelle des althergebrachten Eisenbahnfahrens, oder prosaischere Ineinflussnahme des kapitalmächtigeren Konzerns auf die politischen Entscheidungsträger? Heute wird man das wohl kaum noch herausbekommen.

Klar war aber bereits damals, dass die Magnetbahn absolut nicht als Konkurrent der Eisenbahn taugt. Die einfachsten, vordergründigsten, aber durchaus entscheidenden Gründen: Ein ICE-Zug kann bei einer Gleisunterbrechung immer auf eine unter vielen alternativen Routen umgelenkt werden, kann bei Schäden oder Stromausfall von einer Diesellokomotive (ggf. sogar von Ochsen!) gezogen werden. Ein Magnetbahn-Zug ist bei Stromausfall ein totes Gewicht, so unbewegbar wie ein freiliegender Betonblock.

Die Magnetbahn eignet sich hingegen ganz vorzüglich in Kombination mit dem Flugverkehr, um die Transportzeit zwischen Flughafen und Innenstadt drastisch zu verkürzen. Dafür hätte man aber eine ganz anders konstruierte Magnetbahn als die Transrapid gebraucht, genau eine solche, wie bei dem Alternativprojekt, das man damals zugunsten des Transrapids verworfen hatte, eben wegen der falschen Zielsetzung Eisenbahnkonkurrent statt Flugpassagierenzubringer.

Sie erinneren sich vielleicht noch, man hatte hier in Berlin bereits eine Probestrecke gebaut nahe U-Bahnstation Gleisdreieck (es gab sogar einen Unglück, als ein Zug bei einer Probefahrt übers Streckenende hinüber schoss). Diese andere Magnetbahn eignete sich in der Tat nicht für die von Anfang an todgeweihte, blauäugig futuristische Strecke Berlin-Hamburg. Aber für die Strecke zum Fluhafen wäre sie hervoragend geeignet: Bei weitem nicht so teuer; bei Störungen viel leichter mit mobilem Baukran zu handhaben; bei Betriebsausfall springt Ersatzverkehr mit Bussen ein wie bei der U- und S-Bahn.

Jetzt hat man Millionen Steuergelder aus dem Fenster geworfen (oder waren es Milliarden?), und muss eventuell zusehen, wie nur die Chinesen davon profitieren? Wie gesagt, der geschilderte Tatbestand war wirklich von Anfang an bereits bekannt. Lassen Sie niemanden behaupten, das hätte man damals nicht wissen können, bzw. dass man hinterher immer klüger sei.

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi

Datum:  20. Januar 2007
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Schadenfall Hbf./ Gefährliche Ästhetik (20.01.07, S. 7)

Die Experten haben auch meiner Meinung nach insoweit recht, dass nicht eine eventuell mangelhafte Statik am Absturz des Stahlbalkens an der Fassade des Hauptbahnhofs schuld sei.

Der für jeden Ingenieur ziemlich offensichtliche Erklärung ist, dass der Sturm Schwingungen im niedrigen Frequenzbereich (“Brummen”) verursachte, die der Eigenfrequenz der Balken entsprachen, und diese dadurch anfingen zu resonieren. Irgendwann führten diese Resonanzschwingungen zu kurzen “Minisprünge” der Balken, wobei diese vom Wind peu-a-peu seitwärts gedruckt wurden, bis sie sich letztendlich über den Rand der Stützflächen kippten und hinunterfielen.

Dass der Stahlbalken unbefesticht, nur durch eigenes Gewicht an seiner Stelle gehalten wurde, ist durch nichts zu rechtfertigen.

Schwingungen sind nicht die einzige Gefahrenquelle. Große Temperaturschwankungen (Sonne in Sommer, Frost im Winter) hätten den Balken zum “wegkriechen” führen können (berühmtester Fall: die Kupferplatten auf dem Dach der St-Pauls-Kathedrale in London). Was bei mutwilligen terroristischen Anfällen geschehen kann, wenn tonnenschwere Fassadenteile unbefestigt oberhalb der Köpfe von Passanten angebracht werden, wollen wir uns erst gar nicht vorstellen.

Kurz um, da hat jemand doch sehr wohl gepfuscht. Zum Glück befand sich niemand darunter auf der Treppe.

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi

Datum:  11. Dezember 2006
An: Den Tagesspiegel
Betreff: So wirken Hustenlöser (11.12.06, S. 14)

Dass Acetylcystein, zumindest als Brausetabletten, der meistverkaufter Hustenlöser in Deutschland sei glaube ich gern. Aber das Mittel, als Brause dargereicht, ist als Hustenlöser relativ wirkungslos. Die dabei in der Tat beobachtete schleimauflösende Wirkung kommt von der Einnahme des Wassers (plus Placebo-Effekt).

Acetylcystein selbst ist zwar in der Tat eine erwiesenermaßen wirksame Hustenlöser, allerdings nur wenn die Lösung, fein zerstaubt, inhaliert wird.

Das heißt aber nicht, dass die Brausetablette völlig nutzlos sei. Acetylcystein ist das wirksamste (eigentlich das einzige, klinisch getestet wirksame) Mittel gegen einem Kater. Statt also die Tabletten bei Husten nutzlos zu verschwenden (ein Glas klares deutsches Wasser täte es da auch), lieber aufheben für den Morgen danach....

Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi

Datum:  3. April 2005
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Ein Wurm gegen die Welt (03.04.05, S. 32)

Wie kommt es eigentlich, dass nicht Microsoft als eigentlicher Verursacher dazu verdonnert wurde, fuer die Schaeden aufzukommen? Das Unternehmen kannte ja die Schwachstellen in seinem Software und hat nichts dagegen getan. Dass solche Schwachstellen unweigerlich ausgenutzt werden wuerden weiss ja jeder: Boys will be boys, sagt der Amerikaner. [....]

Datum:  20. September 2003
An: Den Spiegel
Betreff: Das Y-Chromosom (Nr. 38/15.09.03)

Die sommerlochreifen Sprueche entstammen ja dem Steven Jones, somit sind Sie entschuldigt. Was die entsprechend reisserische Aufmachung betrifft, na gut, dafuer lieben wir ja Den Spiegel....

Aber dass es den Mann seit 300 Mio. Jahren gibt, also ich bitte Sie, selbst vom Schimpansen sind wir noch kaum 10 Mio. Jahren getrennt, waehrend es Homo sapiens allenfalls 100.000 Jahre gibt. Also wird es wohl nicht der Mann, sondern das Maennchen sein, den bzw. das es 300 Mio. Jahren gibt.

Was den Kern der Sache angeht, kann es eigentlich nicht weiterhin verwunderlich sein, dass das Maennchen einen etwas kuemmerlicheren Abklatsch des Weibchens darstellt. Schliesslich muss ja letzteres die Frucht tragen, aus welcher das Nachkommen entstehen muss (auch wenn im Tierreich gegenteiliges vereinzelt vorkommt).

Dennoch, fuer das Grossziehen eines Nachkommens ist das Maennlein nicht nur zum einmaligen Befruchtungsakt nuetzlich (ausser bei vereinzelten Tierarten). Insbesondere bei Homo sapiens bedarf es fuer eine gesund heranwachsende Generation eine ganze soziale Umgebung (Mutter, Vater, Geschwister, Grosseltern, Nachbarn, die Gemeinde). Daran wird auch eine komplett geklonte “Brave New World” nicht vorbei kommen. Zum Glueck.

Mit freundlichen Gruessen,
Waruno Mahdi

Datum:  21. Oktober 2001
An: Den Tagesspiegel
Betreff: Stephen Hawkings Jahrtausend-Menetekel

Mit seinem Jahrtausend-Menetekel hat Stepehen Hawking den Nagel auf dem Kopf getroffen, aber was seinen Ausweg angeht, zeigt es sich doch einmal mehr: auch, oder gerade Genies verrechnen sich mal wenn es ums einfache Ein-Mal-Eins geht.

Bezeichnen wir die Wahrscheinlichkeit, dass eine wie unsere technisch versierte Menschheit noch ein Jahrtausend weiter lebt, als p. Dann waere die Wahrscheinlichkeit, dass n je auf einen eigenen Planeten befindliche, derart versierte Menschheiten so lange weiter leben, gleich 1-(1-p)n. Nun, falls p = 0, d.h. falls die Wahrscheinlichkeit des Ueberlebens einer solcher Menschheit (z.B.unserer) gleich Null sei, wie von Hawking angenommen, dann waere fuer eine beliebeige endliche Zahl n das Ergebnis ebenfalls Null:

1-(1-0)n = 1-1n = 1-1 = 0.

Mit anderen Worten, uns auf mehreren Planeten zu verteilen wird nichts helfen, Mr. Hawking. Entweder bekommt die Menschheit ihren Tatendrang auf mikrobiologischem Gebiet im Griff, oder wir sind geliefert. Es muss ja nich immer Terroristen mit weissem Pulverchen sein. Auch die bestgemeinte Heilung einer Erbkrankheit durch Einschleusung eines gesunden Gens per manipulierter gutartiger Mikrobe kann sich auf unvorhersehbarer Weise mutieren. Also, die Menschheit kennend, wird Hawking, was die Ueberlebenschancen einer einzigen Menscheit betrifft, wahrscheinlich recht behalten.

Nachpruefen laesst sich das ja:

Falls es eine immanente Eigenschaft von Menschheiten ist, dass sie sich nur ein bis zwei Jahrehunderte lang per Funk und Laser auf den umgebenden kosmischen Raum bemerkbar machen koennen, wonach sich wieder Funkstille einsetzt, ist es kein Wunder, dass wir es immer noch nicht geschafft haben, Signale von anderen Menschheiten einzufangen. Die Wahrscheinlichkeit, dass deren Sendezeit mit unserem Empfangszeit uebereinstimmt, ist vernachlaessigbar klein. Man braucht eigentlich nur Signale einer einzigen anderen Menschheit zu empfangen, und Hawkings Hypothese waere praktisch widerlegt. Wetten, dass wir es nicht schaffen ....?

Mit traurigen Gruessen,
Waruno Mahdi

 
Datum:  22. Okober 2001
An: Den Spiegel
Betreff: Stephen Hawkings und das Jahrtausend

Herr Hawking hat zweifellos recht, was die Chancen der Menschheit, dieses Jahrtausend zu ueberleben angeht. Denn Gefahr droht nicht vornehmlich aus dem Gesellschaftsrand, in Form etwa von Bombenanschlaege auf Biowaffenlager oder -labors. Gegen soetwas sind allerlei Containmentszenarien vorstellbar.

Ganz anders steht es mit systemimmanenten Gefahren. Sobald Heilmethoden mit Einsatz von genmanipulierten Mikroorganismen zum pharmakologischen Alltag werden, werden da die gleichen Zustaende herrschen, wie auf dem Komputermarkt. Mann muss sich nicht mit schlechten Komputers umschlagen, weil die Technik keine besseren hergibt, sondern, erstens, weil der Wettbewerb nicht von der Produktenqualitaet, sondern vom Marketing bestimmt wird und, zweitens, weil derselbe Wettbewerb der Industrie eine staendige Akzeleration von Produktenerneuerung ohne Ruecksicht auf Ausgereiftheit aufzwingt.

Waehrend also der laufende Krieg gegen den Terror seinem erhofften Erfolg entgegen marschiert, sollte man sich noch ernsthafter Gedanken ueber den Verlauf der wirtschaftlichen Globalisierung machen. Die Ueberlegenheit der freien Marktwirtschaft basiert auf einen durch Produktqualitaet bestimmten Wettbewerb. Ob sich ein globaler Widerstand gegen die Globalisierung politisch durchsetz oder nicht, wird letztendlich davon abhaengen, ob es gelingt, die Wettbewerbsverzerrung durch Primat von Marketing und Boersenspekulation vor Produktqualitaet rueckgaengig zu machen. Dasgleiche gilt fuer die Chancen, etwaige Segen der Gentechnik ohne Gefahr fuer die Menschheit zu implementieren. Also ist Stephen Hawkings Pessimismus wirklich nicht unbegruendet.

Was den von Stephen Hawking vorgeschlagenen Ausweg betrifft, so ist ihm da ein kleiner Rechenfehler unterlaufen. Wenn die Erfolgschancen fuer das Experiment Menschheit auf einem Planeten ab dem gegebenen Stand der technischen Entwicklung das naechste Jahrtausend zu ueberleben gleich Null seien, so haette es auch tausendfach parallel auf ein Tausend Planeten ausgefuehrt die gleichen nichtigen Erfolgschancen. Denn tausendmal Null ist auch Null.

Wie gesagt, es ist nicht dass Komputerhersteller zu dumm sind, sondern dass auch sie dem von Gesetzen der Wirtschaft auferlegten Zwang unterliegen. Auch das Handeln der “Kapitaene” der Weltwirtschaft sind ihr unterlegen. Wenn sie ein Umlenken zulassen, sind wir gerettet. Wenn nicht, wuerde auch eine Verteilung auf Tausend Planeten ihr nichts anhaben koennen. Man wuerde nur zu beobachten bekommen, wie variantenreich man die gleichen fatalen Grundfehler begehen koennte. Eine durchaus spannende Aussicht, zumindest fuer Beobachter aus dem zuletzt untergehenden Planeten.

Mit freundlichen Gruessen,
Waruno Mahdi

Datum:  8. Juni 1998
An: Den Spiegel
Betreff: 24/1998, TITEL — Heimsuchung im High-Tech-Land

Zunächst gilt unser aller Trauer den 98 Toten und unser Mitgefühl deren Hinterbliebenen sowie den Verletzten und Traumatisierten.

Zu beklagen, da haben Sie recht, ist auch das ramponierte Renomee der deutschen Ingenieurkunst. Und wenn man sich noch die Niederlage gegenüber dem TGV in der südkoreanischen Ausschreibung vor wenigen Jahren in Erinnerung bringt, scheint sogar System dahinter zu liegen. Doch wollen wir bitte nicht voreilig deutschen Ingenieuren den Schwarzen Peter zuschieben.

Denn, falls da irgendwo System ist, dann gewiss nicht in etwa Ingenieuren zuzuscheibenden Schlampereien. Vielmehr scheint mir, dass die Bahn systematisch von der Politik in die Verliererrolle gedrängt bzw. gehalten wurde, damit sie bloß keine Konkurrenz für den Autotransport geworden wäre. Stell' dir vor, man hat eine neue Autobahn gebaut, und es kommen keine LKWs: Die Laster fahren Bahn.... Oh Schreck, oh Graus!

Nicht genug damit, dass man Frachtgut der Bahn manchenorts per LKW befördern läßt, muss die Bundesbahn auch noch die Transrapidtrasse Hamburg-Berlin, ihren Konkurrenten also, mitfinanzieren. Wenn man einen Versager-Eisenbahn haben will, sollte man sich nicht wundern, dass man einen solchen auch bekommt. Wäre es dann nicht vernünftiger, Importzüge etwa “made in Taiwan” auf den Schienen zu fahren? Bei Unfällen hätte man vielleicht nicht weniger Tote zu beklagen, zumindest bliebe aber das Renomee der heimischen Ingenieurkunst heil....

Mit freundlichem Gruß,
Waruno Mahdi

P.S.  Die Transrapid als Bahn-Konkurrent zu betreiben scheint mir grundsätzlich ein Irrweg zu sein, denn in Wirklichkeit gehört sie mit dem Flugverkehr gekoppelt. So ist aber einen weiteren Flopp vorprogrammiert, neben der zum Versagen verdammten Bahn. Man kann anderen Länderen wohl schlecht dazu überreden, ihre Eisenbahnbetriebe zu demontieren, damit die Transrapid auch bei ihnen gegenüber der Eisenbahn günstig abschneidet.


© Waruno Mahdi.

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