| Datum: | | 3. April 2010 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Weltmaschine LHC: Urknall der Erkenntnis (3.4.2010, S. 1) |
|
Die Aussage, dass der neue Teilchenbeschleuniger am Cern in Genf zum Beantworten
der Frage beitragen würde, die die Menschheit angeblich von Beginn an beschäftigt:
"Wo kommen wir her? Was war am Anfang?", ist bestenfalls ein an Laien gerichteter
PR-Spruch.
Dafür wäre es nicht einmal wert gewesen einen einzigen Groschen zu inverstieren,
geschweige denn die vielen Milliarden, die der Beschleuniger gekostet hat. Jegliche
eventuelle Antwort wäre nicht "wissenschaftlicher" als jeder primitivster Aberglaube,
weil bereits die Frage selbst irrational ist. Denn wer hat je festgestellt, dass
wir überhaupt irgendwo-"her kommen", bzw. es ein "Anfang" gab? Dass ist nichts als
reinster Kreationismus gut für Religionsunterricht, aber fehl am Platz bei Physik.
Eine Ursache, warum dieser verschleierte Kreationismus weiter lebt, liegt vielleicht
an der fehlerhaften Übersetzung des Begriffes "Big-Bang" als "Urknall". Der Knall
soll ja allumfassend groß gewesen sein, nicht aber per se der Anfang von allem, wie
die Vorsilbe "Ur-" suggeriert.
Mit Hinblick auf das Universum als ganzes ist der Begriff "Anfang" nicht anwendbar,
weil Raum und Zeit Attributen von Materie sind, und nicht unabhägig von Materie
existieren. Zeit und Raum gibt es nur während es auch das Universum gibt. Also konnte
das Universum weder irgendwo noch irgendwann "urplötzlich" aus dem nichts enstanden
sein. Ohne das Universum hätte es nämlich weder ein "Wo" noch ein "Wann" gegeben, in
welchem ein Universum dann hätte "entstehen", bzw. seinen "Anfang" haben können.
Im übrigen hat Martin Bojowald*) längst gezeigt, wie ein Big-Bang aus einem Big-Crunch
entwickeln, d.h. wie die Vorgeschichte des angeblichen "Ur-"Knalls ausgesehen hätte
können.
Aber von dem allen abgesehen ist die neue Anlage in Genf und das erstmals gelungene
Experiment in der Tat eine große und achtungswerte Leistung. Ich frage mich nur noch,
wo jene "Superexperten" sich jetzt verstecken, die allen Ernstes vorhergesagt hatten,
dass die bei den hochenergetischen Kollisionen entstehenden Mini-Schwarzen-Löcher
großwachsen und letztendlich die Erde verschlingen würden. Solche Kollisionen zwischen
Teilchen der kosmischen Strahlung dürften immer wieder in der Erdnähe stattfinden, also
hätten sich jene Besserwisser sich erstmal fragen müssen, wieso werden wir dann nicht
fortdauernd "von schwarzen Löchern verschlungen"?
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
*) S.u. unter dem Leserbrief vom 31. März 2009.
|
| Datum: | | 25. April 2009 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Die U-Bahn wird gegossen (25.04.2009, S. 12) |
|
Wegen des Reinfalls mit den sog. Flüstergleisen, die lauter lärmen als
alles was davor war, sollte sich die BVG nicht so überrascht geben.
Ich erinnere mich noch, wie ich als Teenager um die Jahre 1958-1960
in einer amerikanischen Zeitschrift über einen ähnlchen Fall las,
wobei genauso eine Wassersprühanlage in den Kurven installiert werden
musste. Ich bin nur nicht mehr so sicher, ob das in New York geschah,
oder vielleicht in Chicago.
Es wurde damals darüber diskuttiert, die Schienen seitlich mit latex-haltigem
Farbstoff zu streichen, um eine geräuschabsorbierende Schicht
zu erhalten. Ich weiss aber nicht, ob daraus etwas geworden war. Bei
modernen Schnellzügen wird ein flacher Gummikörper (aus einem Kunststoff)
seitlich an den Radteller gepresst.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 31. März 2009 |
| An: | | Den Spiegel |
| Betreff: | | Eine Zeit vor unserer Welt (Der Spiegel 14/2009, Ss. 128130) |
|
Vielen Dank für den überaus informativen Bericht über die von Martin Bojowald vorgeschlagenen Lösung
des Urknall-Widerspruchs.
Denn nach der allgemeinen Relativitätstheorie sind Raum und Zeit an Masse gebunden, so dass, vereinfacht ausgedruckt,
falls der Urknall der Anfang des Universums gewesen wäre, hätte es vor dem Urknall weder Raum noch Zeit
gegeben, in welchem ein Urknall hätte stattfinden können. Deshalb konnte es sich wohl kaum um einen
Urknall gehandelt haben, sondern allenfalls um einen zwar sehr gewaltigen Groß-, aber dennoch keinen
Ur-Knall.
Die von Martin Bojowald entwickelte Theorie hat mich auch deshalb besonders beeindruckt, weil genau im gleichen Jahr 2000,
als die Idee darüber dem Wissenschaftler einfiel, ich ein Leserbrief an Time-magazine schickte, in welchem
ich von der Invertierung eines Big Crunches in einen Big Bang schrieb (Kopie anbei;
siehe da den letzten Satz).
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
Nachträglich: Das genannte Buch von Martin Bojowald:
Zurück vor den Urknall. Die ganze Geschichte des Universums.
Frankfurt am Main: S. Fischer (2009),
ISBN 978-3-10-003910-1
|
| Datum: | | 13. September 2008 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Wir Verbraucher, wir Deppen (13.09.08, S. 1) |
|
In der Tat! Aber noch deppertler scheint diesmal der Computer zu sein.
Na gut, das ist eigentlich immer so, denn abgesehen davon, dass Computer
von Menschen konzipiert und gebaut werden, denken sie ausschliesslich
mit Hilfe von wiederum vom Menschen erdachten Programmen. Also muss
irren zwangslaeufig auch computerlich sein.
Diese Tage dachte ich, ich kaufe mal meine Bahnfahrkarte am Automaten.
Siehe da, fuer die Route und Abfahrtzeit, die ich in regelmaessigen
Zeitabstaenden nehme (BerlinDen Haag mit 1x umsteigen in Amersfoort),
konnte das Automat mir nur eine Verbindung mit mindestens 2x umsteigen anbieten.
Das Problem, mit dem der Computer nicht fertig wurde, kannte ich,
denn auch frueher mussten Mittarbeiter(innen) der Kartenverkaufstellen ihre
Computer fuer mich umstaendlich Ueberlisten. Der Clou: zwischen Amersfoort und
Den Haag gibt es sowohl eine Direktverbindung (mit Zwichenstop in
Utrecht) wie auch indirekt mit 1x umsteigen (im selbigen Utrecht).
Die erste Verbindungsgelegenheit nach Ankunft des Zuges aus Berlin
war die indirekte (mit nochmal umsteigen in Utrecht), und diese wird dann
immer vom Computer ermittelt. Das Problem abgesehen vom zusaetzlichen
Umstieg ist dass man nur 6 Minuten hatte um die Verbindung (an einem
anderen Platform) zu kriegen. Auch bei Usain-Bolt-Kondition schaffte man
das nur wenn der Zug aus Berlin nicht einmal 1 Minute Verspaetung hatte,
was der des oefteren sehr wohl hatte. Die darauffolgende Verbindungsgelegenheit
(20 Minute spaeter) faehrt bis Den Haag ohne zusaetzliches Umsteigen.
Die Frage ist nicht nur: Wie erklaere ich das dem Computer am Automaten?
Das Computerprogramm ist noch insofern nicht weit genug durchdacht, dass
man zwar erklaert bekommt, dass die angebotene Fahrverbindung mit 2x umsteigen ist,
nicht aber die Moeglichkeit hat, in Erfahrung zu bekommen, an welchen
Zwischenstationen umgestiegen werden soll. Denn haette ich herausbekommen,
dass die Umstiege in Amersfoort und Utrecht waeren, haette ich die
Fahrkarte mit angebotenen Fahrverbindung angenommen (die extra 20 Min.
in Amersfoort bis zum Direktzug reichten bequem fuer einen Kaffee mit
Stroopwafel).
Aber da ich weiss, dass es auch andere Verbindungen gibt (u.a. aufwendig
ueber Koeln u.a.), habe ich mich doch lieber an die menschliche
Verkaeuferin am Tresen gewandt, die mir dann ganz netterweise eine Fahrkarte
mit der von mir gewuenschten Fahrverbindung ausstellte.
Und wenn man dem Automaten auch noch beibringen koennte, bei dem
Ganzen im gleichen gelassenen weiblichen Plauderton mit einem zu
kommunizieren. Ach ......
Mit freundlichen Gruessen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 30. März 2008 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Entschwebt + Stuttmann-Karikatur (28.3.08, S. 8) |
|
Dass das Projekt Transrapid ein riesengroßer Fehler ist, war eigentlich
vom Anfang an klar. Ich kann mich noch sehr lebhaft an eine damalige
Diskussion mit Kollegen erinnern, als man noch dabei war zu entscheiden,
welches der zwei vorgeschlagenen Magnetbahnprojekte die staatliche
Unterstützung erhält.
Die Wahl fiel auf Transrapid, und das war wohl der Todesstoß für eine
deutsche Vorreiterrolle in der Magnetbahnentwicklung. War es die blauäugig
naive Science-Fiction-Vorstellung vom futuristischen Schweben
anstelle des althergebrachten Eisenbahnfahrens, oder prosaischere
Ineinflussnahme des kapitalmächtigeren Konzerns auf die politischen
Entscheidungsträger? Heute wird man das wohl kaum noch herausbekommen.
Klar war aber bereits damals, dass die Magnetbahn absolut nicht als
Konkurrent der Eisenbahn taugt. Die einfachsten, vordergründigsten,
aber durchaus entscheidenden Gründen: Ein ICE-Zug kann bei einer
Gleisunterbrechung immer auf eine unter vielen alternativen Routen
umgelenkt werden, kann bei Schäden oder Stromausfall von einer
Diesellokomotive (ggf. sogar von Ochsen!) gezogen werden. Ein Magnetbahn-Zug
ist bei Stromausfall ein totes Gewicht, so unbewegbar wie ein freiliegender
Betonblock.
Die Magnetbahn eignet sich hingegen ganz vorzüglich in Kombination
mit dem Flugverkehr, um die Transportzeit zwischen Flughafen und
Innenstadt drastisch zu verkürzen. Dafür hätte man aber eine ganz
anders konstruierte Magnetbahn als die Transrapid gebraucht, genau
eine solche, wie bei dem Alternativprojekt, das man damals zugunsten
des Transrapids verworfen hatte, eben wegen der falschen Zielsetzung
Eisenbahnkonkurrent statt Flugpassagierenzubringer.
Sie erinneren sich vielleicht noch, man hatte hier in Berlin bereits
eine Probestrecke gebaut nahe U-Bahnstation Gleisdreieck (es gab sogar
einen Unglück, als ein Zug bei einer Probefahrt übers Streckenende
hinüber schoss). Diese andere Magnetbahn eignete sich in der Tat nicht für die von Anfang
an todgeweihte, blauäugig futuristische Strecke Berlin-Hamburg. Aber
für die Strecke zum Fluhafen wäre sie hervoragend geeignet:
Bei weitem nicht so teuer; bei Störungen viel leichter mit mobilem
Baukran zu handhaben; bei Betriebsausfall springt Ersatzverkehr mit
Bussen ein wie bei der U- und S-Bahn.
Jetzt hat man Millionen Steuergelder aus dem Fenster geworfen (oder
waren es Milliarden?), und muss eventuell zusehen, wie nur die
Chinesen davon profitieren? Wie gesagt, der geschilderte Tatbestand
war wirklich von Anfang an bereits bekannt. Lassen Sie niemanden behaupten,
das hätte man damals nicht wissen können, bzw. dass man hinterher immer
klüger sei.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 20. Januar 2007 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Schadenfall Hbf./ Gefährliche Ästhetik (20.01.07, S. 7) |
|
Die Experten haben auch meiner Meinung nach insoweit recht, dass nicht
eine eventuell mangelhafte Statik am Absturz des Stahlbalkens an der
Fassade des Hauptbahnhofs schuld sei.
Der für jeden Ingenieur ziemlich offensichtliche Erklärung ist, dass
der Sturm Schwingungen im niedrigen Frequenzbereich (Brummen) verursachte,
die der Eigenfrequenz der Balken entsprachen, und diese dadurch anfingen zu resonieren.
Irgendwann führten diese Resonanzschwingungen zu kurzen Minisprünge der
Balken, wobei diese vom Wind peu-a-peu seitwärts gedruckt wurden, bis sie sich
letztendlich über den Rand der Stützflächen kippten und hinunterfielen.
Dass der Stahlbalken unbefesticht, nur durch eigenes Gewicht an seiner Stelle gehalten
wurde, ist durch nichts zu rechtfertigen.
Schwingungen sind nicht die einzige Gefahrenquelle. Große Temperaturschwankungen
(Sonne in Sommer, Frost im Winter) hätten den Balken zum
wegkriechen führen können (berühmtester Fall: die Kupferplatten auf
dem Dach der St-Pauls-Kathedrale in London).
Was bei mutwilligen terroristischen Anfällen geschehen kann, wenn
tonnenschwere Fassadenteile unbefestigt oberhalb der Köpfe von
Passanten angebracht werden, wollen wir uns erst gar nicht vorstellen.
Kurz um, da hat jemand doch sehr wohl gepfuscht. Zum Glück befand sich
niemand darunter auf der Treppe.
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 11. Dezember 2006 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | So wirken Hustenlöser (11.12.06, S. 14) |
|
Dass Acetylcystein, zumindest als Brausetabletten, der meistverkaufter
Hustenlöser in Deutschland sei glaube ich gern. Aber das Mittel, als
Brause dargereicht, ist als Hustenlöser relativ wirkungslos. Die dabei
in der Tat beobachtete schleimauflösende Wirkung kommt von der Einnahme
des Wassers (plus Placebo-Effekt).
Acetylcystein selbst ist zwar in der Tat eine erwiesenermaßen wirksame
Hustenlöser, allerdings nur wenn die Lösung, fein zerstaubt, inhaliert
wird.
Das heißt aber nicht, dass die Brausetablette völlig nutzlos sei.
Acetylcystein ist das wirksamste (eigentlich das einzige, klinisch
getestet wirksame) Mittel gegen einem Kater. Statt also die Tabletten
bei Husten nutzlos zu verschwenden (ein Glas klares deutsches Wasser
täte es da auch), lieber aufheben für den Morgen danach....
Mit freundlichen Grüßen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 3. April 2005 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Ein Wurm gegen die Welt (03.04.05, S. 32) |
|
Wie kommt es eigentlich, dass nicht Microsoft als eigentlicher
Verursacher dazu verdonnert wurde, fuer die Schaeden aufzukommen?
Das Unternehmen kannte ja die Schwachstellen in seinem Software
und hat nichts dagegen getan. Dass solche Schwachstellen unweigerlich
ausgenutzt werden wuerden weiss ja jeder: Boys will be boys, sagt
der Amerikaner. [....]
|
| Datum: | | 20. September 2003 |
| An: | | Den Spiegel |
| Betreff: | | Das Y-Chromosom (Nr. 38/15.09.03) |
|
Die sommerlochreifen Sprueche entstammen ja dem Steven Jones,
somit sind Sie entschuldigt. Was die entsprechend reisserische
Aufmachung betrifft, na gut, dafuer lieben wir ja Den Spiegel....
Aber dass es den Mann seit 300 Mio. Jahren gibt, also ich bitte
Sie, selbst vom Schimpansen sind wir noch kaum 10 Mio. Jahren
getrennt, waehrend es Homo sapiens allenfalls 100.000 Jahre
gibt. Also wird es wohl nicht der Mann, sondern das Maennchen
sein, den bzw. das es 300 Mio. Jahren gibt.
Was den Kern der Sache angeht, kann es eigentlich nicht weiterhin
verwunderlich sein, dass das Maennchen einen etwas kuemmerlicheren
Abklatsch des Weibchens darstellt. Schliesslich muss ja letzteres
die Frucht tragen, aus welcher das Nachkommen entstehen muss (auch
wenn im Tierreich gegenteiliges vereinzelt vorkommt).
Dennoch, fuer das Grossziehen eines Nachkommens ist das Maennlein nicht
nur zum einmaligen Befruchtungsakt nuetzlich (ausser bei vereinzelten Tierarten).
Insbesondere bei Homo sapiens bedarf es fuer eine
gesund heranwachsende Generation
eine ganze soziale Umgebung (Mutter, Vater, Geschwister, Grosseltern,
Nachbarn, die Gemeinde). Daran wird auch eine komplett geklonte Brave
New World nicht vorbei kommen. Zum Glueck.
Mit freundlichen Gruessen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 21. Oktober 2001 |
| An: | | Den Tagesspiegel |
| Betreff: | | Stephen Hawkings Jahrtausend-Menetekel |
|
Mit seinem Jahrtausend-Menetekel hat Stepehen Hawking den Nagel
auf dem Kopf getroffen, aber was seinen Ausweg angeht, zeigt es
sich doch einmal mehr: auch, oder gerade Genies verrechnen sich
mal wenn es ums einfache Ein-Mal-Eins geht.
Bezeichnen wir die Wahrscheinlichkeit, dass eine wie unsere technisch
versierte Menschheit noch ein Jahrtausend weiter lebt, als p.
Dann waere die Wahrscheinlichkeit, dass n je auf einen eigenen
Planeten befindliche, derart versierte Menschheiten so lange weiter
leben, gleich 1-(1-p)n. Nun, falls p = 0, d.h.
falls die Wahrscheinlichkeit des Ueberlebens einer solcher Menschheit
(z.B.unserer) gleich Null sei, wie von Hawking angenommen, dann waere
fuer eine beliebeige endliche Zahl n das Ergebnis ebenfalls Null:
1-(1-0)n = 1-1n = 1-1 = 0.
Mit anderen Worten, uns auf mehreren Planeten zu verteilen wird
nichts helfen, Mr. Hawking. Entweder bekommt die Menschheit ihren
Tatendrang auf mikrobiologischem Gebiet im Griff, oder wir sind
geliefert. Es muss ja nich immer Terroristen mit weissem Pulverchen
sein. Auch die bestgemeinte Heilung einer Erbkrankheit durch
Einschleusung eines gesunden Gens per manipulierter gutartiger
Mikrobe kann sich auf unvorhersehbarer Weise mutieren. Also, die
Menschheit kennend, wird Hawking, was die Ueberlebenschancen einer
einzigen Menscheit betrifft, wahrscheinlich recht behalten.
Nachpruefen laesst sich das ja:
Falls es eine immanente Eigenschaft von Menschheiten ist, dass sie
sich nur ein bis zwei Jahrehunderte lang per Funk und Laser auf
den umgebenden kosmischen Raum bemerkbar machen koennen, wonach
sich wieder Funkstille einsetzt, ist es kein Wunder, dass wir es
immer noch nicht geschafft haben, Signale von anderen Menschheiten
einzufangen. Die Wahrscheinlichkeit, dass deren Sendezeit mit
unserem Empfangszeit uebereinstimmt, ist vernachlaessigbar klein.
Man braucht eigentlich nur Signale einer einzigen anderen Menschheit
zu empfangen, und Hawkings Hypothese waere praktisch widerlegt.
Wetten, dass wir es nicht schaffen ....?
Mit traurigen Gruessen,
Waruno Mahdi
| Datum: | | 22. Okober 2001 |
| An: | | Den Spiegel |
| Betreff: | | Stephen Hawkings und das Jahrtausend |
|
Herr Hawking hat zweifellos recht, was die Chancen der Menschheit, dieses
Jahrtausend zu ueberleben angeht. Denn Gefahr droht nicht vornehmlich aus
dem Gesellschaftsrand, in Form etwa von Bombenanschlaege auf Biowaffenlager
oder -labors. Gegen soetwas sind allerlei Containmentszenarien vorstellbar.
Ganz anders steht es mit systemimmanenten Gefahren. Sobald Heilmethoden
mit Einsatz von genmanipulierten Mikroorganismen zum pharmakologischen
Alltag werden, werden da die gleichen Zustaende herrschen, wie auf dem
Komputermarkt. Mann muss sich nicht mit schlechten Komputers umschlagen,
weil die Technik keine besseren hergibt, sondern, erstens, weil der
Wettbewerb nicht von der Produktenqualitaet, sondern vom Marketing
bestimmt wird und, zweitens, weil derselbe Wettbewerb der Industrie
eine staendige Akzeleration von Produktenerneuerung ohne Ruecksicht
auf Ausgereiftheit aufzwingt.
Waehrend also der laufende Krieg gegen den Terror seinem erhofften
Erfolg entgegen marschiert, sollte man sich noch ernsthafter Gedanken
ueber den Verlauf der wirtschaftlichen Globalisierung machen. Die
Ueberlegenheit der freien Marktwirtschaft basiert auf einen durch
Produktqualitaet bestimmten Wettbewerb. Ob sich ein globaler
Widerstand gegen die Globalisierung politisch durchsetz oder nicht,
wird letztendlich davon abhaengen, ob es gelingt, die
Wettbewerbsverzerrung durch Primat von Marketing und
Boersenspekulation vor Produktqualitaet rueckgaengig zu machen.
Dasgleiche gilt fuer die Chancen, etwaige Segen der Gentechnik ohne
Gefahr fuer die Menschheit zu implementieren. Also ist Stephen
Hawkings Pessimismus wirklich nicht unbegruendet.
Was den von Stephen Hawking vorgeschlagenen Ausweg betrifft, so ist
ihm da ein kleiner Rechenfehler unterlaufen. Wenn die Erfolgschancen
fuer das Experiment Menschheit auf einem Planeten ab dem gegebenen
Stand der technischen Entwicklung das naechste Jahrtausend zu
ueberleben gleich Null seien, so haette es auch tausendfach
parallel auf ein Tausend Planeten ausgefuehrt die gleichen nichtigen
Erfolgschancen. Denn tausendmal Null ist auch Null.
Wie gesagt, es ist nicht dass Komputerhersteller zu dumm sind, sondern
dass auch sie dem von Gesetzen der Wirtschaft auferlegten Zwang
unterliegen. Auch das Handeln der Kapitaene der Weltwirtschaft
sind ihr unterlegen. Wenn sie ein Umlenken zulassen, sind wir gerettet.
Wenn nicht, wuerde auch eine Verteilung auf Tausend Planeten ihr nichts
anhaben koennen. Man wuerde nur zu beobachten bekommen, wie variantenreich
man die gleichen fatalen Grundfehler begehen koennte. Eine durchaus
spannende Aussicht, zumindest fuer Beobachter aus dem zuletzt untergehenden
Planeten.
Mit freundlichen Gruessen,
Waruno Mahdi
|
| Datum: | | 8. Juni 1998 |
| An: | | Den Spiegel |
| Betreff: | | 24/1998, TITEL Heimsuchung im High-Tech-Land |
|
Zunächst gilt unser aller Trauer den 98 Toten und unser Mitgefühl
deren Hinterbliebenen sowie den Verletzten und Traumatisierten.
Zu beklagen, da haben Sie recht, ist auch das ramponierte Renomee der
deutschen Ingenieurkunst. Und wenn man sich noch die Niederlage
gegenüber dem TGV in der südkoreanischen Ausschreibung vor wenigen
Jahren in Erinnerung bringt, scheint sogar System dahinter zu liegen.
Doch wollen wir bitte nicht voreilig deutschen Ingenieuren den
Schwarzen Peter zuschieben.
Denn, falls da irgendwo System ist, dann gewiss nicht in etwa Ingenieuren
zuzuscheibenden Schlampereien. Vielmehr scheint mir, dass die Bahn
systematisch von der Politik in die Verliererrolle gedrängt bzw. gehalten
wurde, damit sie bloß keine Konkurrenz für den Autotransport geworden
wäre. Stell' dir vor, man hat eine neue Autobahn gebaut, und es kommen
keine LKWs: Die Laster fahren Bahn.... Oh Schreck, oh Graus!
Nicht genug damit, dass man Frachtgut der Bahn manchenorts per LKW
befördern läßt, muss die Bundesbahn auch noch die Transrapidtrasse
Hamburg-Berlin, ihren Konkurrenten also, mitfinanzieren. Wenn man einen
Versager-Eisenbahn haben will, sollte man sich nicht wundern, dass man
einen solchen auch bekommt. Wäre es dann nicht vernünftiger, Importzüge etwa
made in Taiwan auf den Schienen zu fahren? Bei Unfällen hätte man
vielleicht nicht weniger Tote zu beklagen, zumindest bliebe aber das
Renomee der heimischen Ingenieurkunst heil....
Mit freundlichem Gruß,
Waruno Mahdi
| P.S. |
Die Transrapid als Bahn-Konkurrent zu betreiben scheint mir
grundsätzlich ein Irrweg zu sein, denn in Wirklichkeit gehört sie
mit dem Flugverkehr gekoppelt. So ist aber einen weiteren Flopp
vorprogrammiert, neben der zum Versagen verdammten Bahn.
Man kann anderen Länderen wohl schlecht dazu überreden, ihre
Eisenbahnbetriebe zu demontieren, damit die Transrapid auch bei
ihnen gegenüber der Eisenbahn günstig abschneidet. |
|